Über Kettwig nach Mülheim

Gut ausgebaute Radwege (teilweise ungeteert), die zumeist separat verlaufen; keine Steigungen. (Autor: Matthias Eickhoff)
22 km
170 m
1.00 h
Von Werden über Kettwig nach Mülheim: Vom Bahnhof Werden an Busbahnhof vorbei rechts (Im Löwental). Vor altem Bahnhof links zum Leinpfad und rechts zur ehemaligen Papiermühlenschleuse. Die ehemalige Schleuse wurde 1777/78 von der Abtei Werden angelegt und 1834 durch den jetzigen Schleusenbau ersetzt. Doch warum endet sie heute im Nichts? Durch den Bau des Baldeneysees und des Kettwiger Stausees wurden sowohl der Flusslauf wie auch die Höhe des Ruhrpegels verändert, so dass die Schleuse plötzlich auf dem Trockenen lag. Nach einer Restaurierung ist die denkmalgeschützte Anlage heute an den Betriebswinterhafen angeschlossen. Sehr schön auch das originale Stück Leinpfad am Radweg. Die nächsten Kilometer bis Kettwig gehören zu den schönsten am RuhrtalRadweg. Auf dem Fluss verkehren Yachten und Paddler, während Radler die ländliche Idylle genießen können.Geradeaus über geteerten Radweg durch wunderbare Ruhraue. Vorbei an netter Ausflugsgaststätte »Landhaus Am Staadt« und weiter bis Ortseingang Kettwig. Hinter Bahnbrücke auf Radweg bis Ringstraße. Geradeaus in Mühlengraben bis Brücke. Die Altstadt von Kettwig lohnt auf jeden Fall einen Abstecher. Von der 1786 erbauten Brücke über den Mühlengraben genießen wir den Panoramablick hinauf zur evangelischen Marktkirche. Das malerisch gelegene Brückencafé (s. Kasten »Tour kompakt«) lädt zu einer Pause ein. Schon 1372 befand sich am Mühlengraben eine erste Kornmühle. Damals wurde in Kettwig sogar Wein für die Äbte von Werden angebaut. Später wurde Kettwig als Tuchmacherstadt reich. Daran erinnert auch die rote Ruine der Tuchfabrik Scheidt am Mühlengraben. 1975 wurde Kettwig trotz großen Widerstands nach Essen eingemeindet. An der Brücke rechts und links über Ruhrstraße zum Tuchmacherplatz. Im Herzen der Altstadt dominiert reinstes Fachwerkidyll. Die Häuserreihe Ruhrstraße 63–71 sowie die vor uns aufsteigende Kirchtreppe gehören zu den schönsten Fachwerkensembles im Ruhrtal. Über dem mittelalterlichen Ortskern thront die evangelische Marktkirche. An die Webertradition erinnert die moderne Bronzeskulptur auf dem Tuchmacherplatz. Bei schönem Wetter können Besucher die Altstadtromantik unterhalb der Kirchtreppe von der netten Kaffeeterrasse des spanischen Restaurants Tio Pepe in Ruhe genießen (s. Kasten »Tour kompakt«).Zurück zur Ringstraße und rechts über die moderne Ruhrbrücke.Der Kettwiger Stausee wurde erst 1950 angelegt. Neben seiner Funktion der Wasserreinigung erlaubt er Freizeitschiffen die schleusenfreie Fahrt von Kettwig zum Baldeneysee. Weniger bekannt ist, dass der Stausee Teil eines ausgeklügelten Rückpumpsystems im Ruhrtal ist. Vom Rhein in Duisburg bis Essen-Horst kann das Wasser über sieben Stufen flussaufwärts »zurück«gepumpt werden. So können regenarme Zeiten ausgeglichen werden. Allerdings wurde das System bisher nur äußerst selten genutzt.Hinter der Brücke geradeaus weiter bis Ampelkreuzung. Dort rechts in Volckmarstraße und wieder rechts in Arndtstraße. Am Straßenende rechts, vorbei an schönen Fachwerkhäusern und sofort scharf links in Mintarder Weg. Am Wasserwerk geradeaus auf geschotterten Radweg in Ruhraue. Am zweiten Feldweg links unmarkierter Abstecher zum Schloss Hugenpoet.Abstecher zum Schloss Hugenpoet: An RWW-Schautafel (mit Mintarder Brücke) links auf Feldweg. Nach 600 m links in Schlosszufahrt bis zum Eingang. Rückweg zum RTRW wie Hinweg. Das heutige Luxushotel und -restaurant Schloss Hugenpoet täuscht darüber hinweg, dass die Geschichte des Schlosses alles andere als friedlich war. Bereits unter Karl dem Großen wurde Hugenpoet 778 als Königsgut erwähnt. Im Mittelalter waren die Herren von Nesselrode recht kriegerisch, was 1478 in der Zerstörung der Burg mündete. Das heutige Haus mit seinen zwei Türmen wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jh. erbaut. Vorgelagert sind zwei Vorburgen, wo in der Remise das Restaurant Hugenpöttchen untergebracht ist. Über RTRW geradeaus nach Mintard zur Kirche an der August-Thyssen-Straße. Die Pfarrkirche St. Laurentius wurde schon 873 erstmals urkundlich erwähnt. Sowohl im Dreißigjährigen Krieg wie auch im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört, doch jedes Mal wieder aufgebaut. Der Bau mit seinen wuchtigen Außenmauern lehnt sich heute an die Kirche des 17. Jh. an. Mintard gehörte bis 1975 noch zu Kettwig. Dann wurde Kettwig Essen und Mintard Mülheim zugeschlagen.In 65 m Höhe tragen 18 Pfeiler die 1830 m lange Ruhrtalbrücke , die sich seit 1966 über das Ruhrtal spannt. Die Brücke ist zu einem Wahrzeichen dieses Talabschnittes geworden. Geradeaus auf Mintarder Dorfstraße bis zur Autobahnbrücke. Hinter Brücke rechts, vorbei an Reitanlage Neuhaus. Auf Zufahrt links in geschotterten Ruhrauenweg durch die Felder. Nach ca. 500 m schräg links und weiter bis zur Straße. Geradeaus bis Ruhrdeich, dort links und rechts unter der Mendener Brücke (B 1) hinweg nach Mühlheim. Weg dreht nach links und sofort rechts auf geteerten Radweg durch die Ruhrauen (Landschaftsschutzgebiet) nach Mühlheim. Vorbei an herrlich gelegener JH am gegenüberliegenden Ufer bis zur Weggabelung (nach rechts Abzweig zum Wasserbahnhof, s. S. 139; außerdem zur JH und den Hotels, s. Kasten »Tour kompakt«). RTRW nach links und hinter Brücke sofort zweimal rechts auf Saarner Auenweg. Nach 600 m rechts zum Fluss und schräg links zum Beginn einer Radbrücke.Abstecher zum Leder- und Gerbermuseum: Vor Brückenauffahrt schräg rechts unter Brücke zur Straße. Dort links zur Lederfabrik Lindgens und schräg rechts gegenüber zum Museum. Rückweg zum RTRW wie Hinweg.Mülheim ist seit 350 Jahren ein Zentrum der Lederfabrikation. Als der Wasserbedarf stieg, zogen die meisten Unternehmen an die Ruhr. Von einstmals 50 Firmen produzieren heute noch zwei, darunter die Lederfabrik Lindgens als einzige am Ruhrufer. Eingesetzt wurden die Lederwaren u. a. im Bergbau und in der Schwerindustrie. In der ehemaligen Lederfabrik Abel zeigt das interessante Leder- und Gerbermuseum einen Film zur Lederherstellung sowie eine historische Ausstellung mit typischen Lederprodukten (Düsseldorfer Str. 269, Tel. 0208/302 10 70, www.leder-und-gerbermuseum.de, Mi–So 14–18 Uhr). Über die Radbrücke bergan zum Fossilienweg, einer ehemaligen Bahntrasse. Rechts über Trasse bis Eingang MüGa-Park. In den Park, vor Abenteuerspielplatz schräg links und über Brücke. Rechts runter zum Eingang Schloss Broich.1992 wurde in Mülheim an der Ruhr die Landesgartenschau ausgetragen. Entlang der alten Bahntrasse Styrum–Kettwig wurde der attraktive MüGa-Park angelegt, der sich bis zur Ruhr hinunter erstreckt. Mit einbezogen wurde Schloss Broich (A) zur Rechten, dessen Entstehung auf den Wikinger-Überfall des Jahres 883/84 zurückgeht. Damals hatten die Wikinger in Duisburg ihr Winterquartier bezogen und der Abt von Werden erbaute in Mülheim in aller Eile einen Schutzposten für das flussaufwärts gelegene Werden. Außerdem befand sich in Mülheim die strategisch wichtige Ruhrfurt des Hellwegs von Duisburg nach Paderborn. Das führte zu mehreren Erweiterungen der Feste; so entstanden gegen 1400 die Vorburg und der gotische Palas. 1644–48 erfolgte dann der Ausbau zur Residenz. In der Geschichte tauchte das Schloss kurz gegen Ende des 18. Jh. auf. Die spätere preußische Königin Luise weilte mehrmals hier, weil sie mit den Besitzern verwandt war. Heute wird das Schloss u. a. als Restaurant und für Festlichkeiten genutzt. Der Mülheimer Geschichtsverein unterhält hier zudem ein kleines Museum (Sa/So 11–17 Uhr). Empfehlenswert ist auch das Schloss-Restaurant im Hof (s. Kasten »Tour kompakt«).Wenden wir uns im Park nach links, kommen wir an dem ehemaligen Ringlokschuppen vorbei, der heute ein Kulturzentrum ist. Rechts dahinter befindet sich in einem alten Wasserturm die Camera Obscura (B) mit dem Museum zur Vorgeschichte des Films.Abstecher zum Wasserbahnhof und in die Innenstadt: Rechts durch den Burghof und hinunter zur Ampelkreuzung. Die Kreuzung und die Schlossbrücke überqueren (rechte Straßenseite). An Ampel rechts und wieder rechts in Park. Links an Ruhr vorbei und rechts über die Schleuse zum Wasserbahnhof.Der Wasserbahnhof (C) wurde 1927 für den Ausflugsverkehr auf der Ruhr gebaut. Auch heute legen hier die Schiffe der Weißen Flotte an. 1945–49 war das Gebäude ein britisches Offizierskasino, heute ist es Restaurant und Biergarten (s. Kasten »Tour kompakt«). 150 m hinter dem Wasserbahnhof liegt das Haus Ruhrnatur (D), ein nicht nur für Kinder sehr spannendes Naturkunde- und Umweltmuseum zur Flora und Fauna des Ruhrtals. Die Ausstellung bietet viele interaktive Exponate zum Ausprobieren. Dazu kommt ein nettes Café am Ufer (Alte Schleuse 3, Tel. 0208/443 33 80, www.haus-ruhrnatur.de, Di–So 10–18 Uhr).Wieder zurück zur Straße Schlossbrücke, dort rechts und an großer Kreuzung schräg links in Leineweberstraße. Nach 300 m links in Viktoriastraße (Fußgängerzone!). Weiter geradeaus an Tourist-Information vorbei zum Kunstmuseum in der Alten Post.Das Kunstmuseum in der Alten Post (E) verfügt über eine renommierte Sammlung des Expressionismus. Zu sehen sind u. a. Werke von Macke, Marc, Kokoschka, Nolde, Beckmann, Feininger und Picasso. Auch zeitgenössische Kunst wird ausgestellt. Eine wesentliche Bereicherung erfuhr das Museum 1981 durch die Sammlung Ziegler (Viktoriaplatz 1, Tel. 0208/455 41 38, www.kunstmuseum-mh.de, Di/Mi/Fr 11–17, Do 11–21, Sa/So 10–17 Uhr).Wieder zurück zur Leineweberstraße und über Schlossbrücke durch Schloss Broich zurück zum RuhrtalRadweg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied170 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWerden
TourencharakterDie Strecke durch das liebliche Ruhrtal in die einladende Fachwerk-Altstadt von Kettwig gehört zu den schönsten der Route. Unter der imposanten Ruhrtalbrücke hinweg geht es gemütlich nach Mülheim an der Ruhr: Der MüGa-Park mit Schloss Broich und Camera Obscura ist ein spannendes Etappenziel.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRuhrtalRadweg.
VerkehrsanbindungBahn: Von Essen und Düsseldorf regelmäßige Verbindungen mit S 6 nach Werden. Auto: Von A 52 Abfahrt Essen-Rüttenscheid über B 224 bis Bhf. Werden; Parkplätze in der Nähe. Rückfahrt Von Mülheim Hbf. regelmäßig nach Essen Hbf., dort umsteigen in S 6 nach Werden.
GastronomieEssen-Kettwig: Moldt’s Brückencafé, Am Mühlengraben 4, Tel. 02054/57 18 (gemütliches Café mit leckerem Kuchen und toller Terrasse am Mühlengraben); Tio Pepe, Ruhrstr. 69, Tel. 02054/938 45 20 (spanische Tapas in historischem Haus von 1645, mit Terrasse auf Tuchmacherplatz). Mülheim: Kühnle’s im Schloss, Am Schloss Broich 28, Tel. 0208/301 80 16 (exzellente Küche im Schloss, stimmungsvoller Biergarten im Hof); Franky’s im Wasserbahnhof, Alte Schleuse 1, Tel. 0208/388 29 63 (abends Restaurant, tagsüber bei schönem Wetter auch draußen Biergarten).
Tipps
Weiße Flotte nach Mülheim: Genug vom Strampeln? Zwischen Kettwig und Mülheim verkehrt die Weiße Flotte von Mai bis Anfang Oktober regelmäßig im Linienverkehr. Räder werden je nach Platz mitgenommen. 50 Minuten dauert die gemütliche Ausflugsfahrt durch das untere Ruhrtal zum Mülheimer Wasserbahnhof. Der Anleger Kettwig-Unterwasser befindet sich am rechten Ufer hinter dem Mühlengraben (Infos: Tel. 0208/451 19 13, www.mhvg.de). Camera Obscura: Im ehemaligen Broicher Wasserturm befindet sich unter dem Dach die größte begehbare Camera Obscura (B) der Welt. Sie erlaubt einen faszinierenden Blick auf den Park und Mülheim. Seit 2006 erläutert in den unteren Geschossen das Museum zur Vorgeschichte des Films, wie die Bilder laufen lernten (Am Schloss Broich 42, Tel. 0208/302 26 05, www.camera-obscura-muelheim.de, Mi– So 10–18 Uhr).
Verleih
Mülheim an der Ruhr: Radstation am Hauptbahnhof, Dieter-aus-dem-Siepen-Platz, Tel. 0208/84 85 70.
Unterkunft
Essen-Kettwig: Hotel-Restaurant Zur Flora, Landsberger Str. 83–87 A, Tel. 02054/952 60, www.hotel-zur-flora.de (ruhige und freundliche Anlage am Ortsrand von Kettwig). Mülheim: Hotel am Ruhrufer, Dohne 74, Tel. 0208/99 18 50, www.hotel-am-ruhrufer.de (modernes, komfortables 4-Sterne-Hotel in der Nähe des Wasserbahnhofs); Hotel Friederike, Friedrichstr. 32, Tel. 0208/99 21 50, www.hotel-friederike.de (sehr schönes Hotel im Villenviertel nahe der Ruhr, Radgarage und Wintergarten); Jugendherberge am Kahlenberg, Mendener Str. 3, Tel. 0208/38 21 91 (wunderbare Lage oberhalb der Ruhr am südlichen Ortseingang).
Tourismusbüro
Essen: s. Etappe 16, S. 183. Mülheim an der Ruhr: Synagogenplatz 3, 45468 Mülheim an der Ruhr, Tel. 0208/96 09 60, touristinfo@stadt-mh.de, www.muelheim-ruhr.de

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