Stadtrundfahrt Bratislava

Für die Stadterkundung stellt man die Räder am besten auf einem bewachten Parkplatz oder in einer Hotelgarage ab und macht sich zu Fuß auf den Weg. (Autor: Bernhard Irlinger Michael Reimer WolfgangTaschner)
3 km
70 m
2.00 h
Die zentrale Lage an der Donau hat Bratislava schon immer zur Kreuzung der Handelswege zwischen Ost und West, aber auch zwischen Nord und Süd, und damit zu einem Zentrum verschiedener Kulturen gemacht. Die erste Besiedlung reicht bis in die jüngere Steinzeit zurück. Im 2. Jahrhundert v. Chr. errichteten die Kelten auf dem Gebiet der heutigen Stadt ein Machtzentrum mit Verteidigungsanlage. 200 Jahre später erkannten auch die Römer die strategische Bedeutung der Region und errichteten hier ein Militärlager. Sie legten damals auch den Grundstein für den späteren Ruhm Bratislavas als Winzerstadt, als sie den Weinbau hier ansiedelten.
Ungarische Vergangenheit Im 7. Jahrhundert ließen sich während der Völkerwanderung in der Gegend die Slawen nieder. In diese Zeit fiel auch die erste schriftliche Erwähnung der Burg. Als Ende des 10. Jahrhunderts der ungarische Staat entstand, schloss sich die Region der Regierung des Königs Stefan I. an. Bratislava wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Verwaltungszentrum im ungarischen Grenzland. Im 13. Jahrhundert erhielt Bratislava königliche Stadtprivilegien und avancierte später zur wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Stadt im damaligen Ungarn.
Nachdem im 16. Jahrhundert die Türken große Teile Ungarns samt der Hauptstadt Buda einnahmen, suchten der ungarische Hochadel sowie die weltlichen und kirchlichen Würdenträger Zuflucht in Bratislava, das im Jahr 1536 Hauptstadt Ungarns wurde. Bis 1830 wurden im Martinsdom elf ungarische Könige und acht Königinnen gekrönt. In diese Zeit fiel auch der Bau prunkvoller Paläste, Kirchen und Klöster. Durch die Verlegung der Königskrone am 13. Mai 1783 nach Wien wurde aus der ehemaligen Hauptstadt wieder eine einfache Provinzstadt.
Als Ende des Ersten Weltkriegs Österreich-Ungarn zerfiel und die erste Tschechoslowakische Republik entstand, erhielt die Stadt, die zuvor Pressburg, Pozsony und Prespork hieß, den Namen Bratislava. Sie entwickelte sich wieder und unterschiedlichste Völkergruppen wie Slowaken, Deutsche, Ungaren, Juden, Tschechen und Kroaten lebten harmonisch miteinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die meisten jüdischen Bürger der Stadt aus den KZ-Lagern nicht mehr zurück. Der größte Teil der Einwohner mit deutscher und ungarischer Nationalität wurde vertrieben. Bratislava verlor damit seine multikulturelle Atmosphäre. Der Einzug des kommunistischen Regimes brachte den Eisernen Vorhang zwischen der Tschechoslowakei und Österreich. Nach dessen Zusammenbruch wurde Bratislava am 1. Januar 1993 wieder Hauptstadt der selbstständigen Slowakei.
Die Neue Brücke Bei der Ankunft in Bratislava rückt als Erstes die riesige Donaubrücke ins Blickfeld, ein Relikt aus der Zeit des Kommunismus. Auf der Spitze eines der Träger ist in 80 Metern Höhe ein Restaurant eingebaut. Verbunden mit der Errichtung der Brücke Anfang der 1970er-Jahre war der Bau der Schnellstraße, dem zahlreiche historische Häuser in unmittelbarer Nähe des St.-Martins-Doms zum Opfer fielen.
Kleiner Stadtrundgang Unser Rundgang durch die Stadt beginnt auf dem großen Platz vor dem slowakischen Nationaltheater, das 1884 nach den Plänen zweier Wiener Architekten erbaut wurde. Durch die Fußgängerzone gelangen wir zum Hauptplatz mit der Rolandstatue und dem alten Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Der barocke Turm wurde nach einem Brand im 18. Jahrhundert erbaut. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die dahinter liegenden Gebäude im Stil der Neorenaissance und Neugotik hinzu. Im Sockel des Rathausturms markiert eine steinerne Tafel den Hochwasserstand im Februar 1850. In Höhe des ersten Stocks steckt in der Rathausfassade eine schwarze Kanonenkugel der Kampftruppen Napoleons, die die Stadt 1809 belagerten.
Nördlich davon stehen mit der Franziskanerkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem dazugehörigen Kloster die beiden ältesten sakralen Bauten der Stadt. Im Jahr 1526 wurde hier Ferdinand von Habsburg zum König von Ungarn gewählt. In unmittelbarer Nähe steht das Michaelertor, einst Teil der mittelalterlichen Befestigung. Von dem 51 Meter hohen Turm bietet sich eine schöne Aussicht über die Altstadt.
St.-Martins-Dom und Pressburg Auf dem Weg zurück in Richtung Donau passieren wir den St.-Martins-Dom, mit dessen Bau im 14. Jahrhundert begonnen wurde. Im Lauf der Zeit kamen mehrere Seitenkapellen dazu. Der 85 Meter hohe Domturm war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung und diente zur Stadtverteidigung. Seine Spitze ziert ein großes vergoldetes Kissen, auf dem die über ein Meter hohe und 300 Kilogramm schwere vergoldete Kopie der ungarischen Königskrone liegt. Zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert wurden im St.-MartinsDom elf ungarische Könige und acht königliche Ehefrauen gekrönt.
Auf der anderen Seite der Stadtautobahn führt ein Fußweg zur Pressburg hinauf. Fast 400 Jahre lang verlief hier die durch den Limes markierte Grenze des Römischen Reichs. Im 11. Jahrhundert entstand auf dem Burgfelsen der mächtige Palast mit der Salvatorkirche und dem Kapitel. Er wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil zu einer Festung ausgebaut. Der Brunnen im Innenhof ist 85 Meter tief und versorgte die Burgbewohner mit Wasser. Nachdem die Burg 1811 bis auf die Grundmauern niederbrannte, erfolgte 1953–1968 eine Rekonstruktion nach alten Plänen und Zeichnungen. Sehenswert sind dort auch das historische Museum und die Schatzkammer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour3 km
Höhenunterschied70 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPlatz unterhalb der neuen Donaubrücke am nördlichen Donauufer.
EndpunktPlatz unterhalb der neuen Donaubrücke am nördlichen Donauufer.
TourencharakterObwohl Bratislava zu den jüngsten Hauptstädten Europas zählt, blickt die slowakische Metropole auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück, was sich in den zahlreichen historischen Stätten widerspiegelt.
Beste Jahreszeit
KartentippStadtplan von Bratislava, 1:8500, in der Tourist-Information erhältlich.
VerkehrsanbindungBratislava ist mit der Bahn aus Richtung Wien gut zu erreichen. Mit dem Auto fährt man auf der Autobahn ebenfalls über Wien.
GastronomieIn der Altstadt gibt es unzählige Cafés, Kneipen und Restaurants, die alle im Sommer ihre Tische im Freien aufgestellt haben.
Tipps
Blick hinter die Kulissen - Die schön renovierten Häuser im Kern von Bratislava repräsentieren nur einen geringen Teil der Stadt. Sobald man die Fußgängerzone verlässt, überwiegen die Bausünden der sozialistischen Zeit. Dennoch lohnt es sich, beispielsweise die Gaiova-Straße hinunterzuschlendern. Neben riesigen Exemplaren der seltenen Quirlesche kommen wir an der sogenannten Blauen Kirche vorbei, deren Außenmauern mit blauen Tonplatten (Majolika) verziert sind. Schräg gegenüber blicken wir in den Hinterhof des im Jugendstil erbauten Gymnasiums, selbst die Zäune und Dachrinnen sind noch original erhalten. Auf der Donau schlafen und im Aupark Speisen - Eine ausgefallene Unterkunft in Bratislava ist das Botel Gracia. Das Hotelschiff liegt in unmittelbarer Nähe zur Altstadt östlich der Neuen Brücke auf der Donau vor Anker (www.botel-gracia.sk, Tel. 02/54432132, Fax 02/54432131). Original slowakische Küche serviert das Restaurant Leberfinger auf der gegenüberliegenden Donauseite im Aupark. Spezialität des Hauses sind Brimsennockerl, bestehend aus Kartoffelteig, Schafskäse (Brimsen) und Speckgrieben. Als Nachspeise sehr zu empfehlen sind Esskastanienpüree oder Mohnstrudel (www.leberfinger.sk, Viedenská cesta 257, Tel. 02/62317590, Fax 02/62412105).
Unterkunft
Verzeichnis aller Unterkünfte in Bratislava sowie online zu buchen unter www.bratislava.sk. Tipp: Botel Gracia, Tel. 02/54432132.
Tourismusbüro
Turistické Informacné Centrá Bratislavska, Klobucnicka 2, SK-81428 Bratislava, Tel. 02/ 16186, Fax 02/54432708, E-Mail: tourist-Info@bratislava.sk, www.bratislava.sk

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