Radtour um den Schliersee

Wie ein kleiner Bruder steht der Schliersee oft im Schatten des touristischen überlaufenen, wesentlich größeren Tegernsees. Auch am Schliersee lebt man mittlerweile fast ausschließlich vom Tourismus, aber hier geht es ruhier und gelassener zu. (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
10 km
110 m
1.00 h
Der Schliersee wird gern als Badewanne zwischen den Bergen bezeichnet. Er ist nicht tiefer als 40 Meter, sodass er, ungewöhnlich für einen Bergsee, rasch erfreuliche Badetemperaturen erreicht. Zwei große Brauchtumsveranstaltungen unterstreichen das weißblaue Paradeimage von Schliersee. Im August ziehen Trachtler auf dem Altschlierseer Kirchtag in festlich geschmückten Booten über das Wasser, im November geht es zu Leonhardi auf dem Landweg mit Kutschen, Reitern und Truhenwägen nach Fischhausen, wo ein Gottesdienst gefeiert wird.

Umrahmt von Bergen, ist die Gegend von Naturschönheiten überhäuft. Hier lebten die Pioniere des bayerischen Wintersports. 1888 war Anton Finsterlin der erste Skifahrer, der auf 3,2 Meter langen finnischen Brettern die heimischen Schlierseer Berge, vor allem im Spitzinggebiet, verunsicherte. Die neue Sportart hatte schnell Freunde gefunden, und bereits 1902 wurde der erste Skiclub gegründet. Der Bau der Bahnstrecke München–Spitzing– Bayrischzell im Jahre 1911 katapultierte den Skisport zum Massenevent. Bereits um 1930 waren zwölf Abendzüge nach München nötig, um die erschöpften Skifahrer in die Stadt zurückzubringen.

Um den See gruppieren sich die Orte Schliersee, Neuhaus und Fischhausen. Den schönsten Blick über dem Ort Schliersee auf den See selbst hat man von der kleinen Georgskapelle auf dem Weinberg. An seinem Fuß liegt das bekannte Schlierseer Bauerntheater. Kunsthistorisch bedeutend sind die zwei großen Kirchen St. Sixtus und St. Martin. St. Sixtus wurde 1712–1715 erbaut. Bei der Innenausstattung haben viele namhafte Künstler mitgeholfen. Die Schutzmantelmadonna von Jan Pollak und der große goldene Lüster sind besonders sehenswert. Wer den See aus einer ganz anderen Perspektive erleben will, leiht sich eines der Ruderboote oder nimmt das Ausflugsschiff, das während der Sommermonate stündlich zur Schlierseerundfahrt ablegt.

Der Wegverlauf

Wir starten vom Bahnhof und radeln Richtung Norden zur Kirche St. Martin mit ihrem spitzen Turm. Nach der Kirche biegen wir links in die Glückaufstraße ein, unter der Eisenbahn hindurch und folgen ein Stück der Schlierach. Dann wechseln wir das Ufer und radeln rechts links auf die Bahnschienen zu. An den Gleisen halten wir uns links, und bald geht es steil bergauf über die Bahnbrücke. Wir queren die Schienen und rollen dann abwärts, immer etwas links haltend, in die Westerbergstraße.

Am Campingplatz treffen wir wieder auf die Gleise. Hier beginnt nun die autofreie westliche Seeuferstraße. Zum Glück müssen wir nun den Weg nur noch mit Wanderern teilen. Die ersten Badestellen verlocken zu einer Pause, dabei ist es nicht mehr weit nach Fischhausen. Dort biegen wir nach dem ersten Bauernhof rechts vom See weg. Ein kleiner An stieg motiviert unsere Kräfte, wir mühen uns zwischen einigen großen Höfen bergauf. An der Linkskurve haben wir es schon geschafft. Nach der Bahnunterführung geht es links, am Bahnhof vorbei zur großen Autostraße. Geradeaus gegenüber führt der Weg in das Bauernhof- und Wintersportmuseum.

Für den Rückweg fahren wir an der Schranke über die Gleise und dann vorbei an der Wallfahrtskirche St. Leonhard hinunter bis zum See. Hier halten wir uns nun rechts und radeln auf dem Radweg des Ostufers zurück. Um den Verkehr etwas zu umgehen, biegen wir nach der großen Pfarrkirche St. Sixtus links in die Lautererstraße. An der nächsten Kreuzung geht es geradeaus in den Rad- und Fußgängerweg, und schon sind wir wieder am Bahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied110 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
StartortSchliersee
AusgangspunktOrt Schliersee, Bahnhof
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterSuperleichte Radtour um den Schliersee zum Museum des Markus Wasmeier
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungMit dem Auto. Auf der Salzburger Autobahn A 8 Ausfahrt Weyarn, weiter über Miesbach zum Schliersee; Parken am Bahnhof im Ort Schliersee (das Museum selbst liegt am südlichen Ufer bei Fischhausen). Mit der Bahn. Von München über Holzkirchen/Miesbach Richtung Bayrischzell, Haltestelle Schliersee
GastronomieIm Gasthaus »Beim Wolfen «, einem auf dem Museumsgelände liegenden Hof von 1734, werden bayerische Schmankerl angeboten und dazu das handgeschöpfte Bier ausgeschenkt
Tipps
Besuch einer Edel-Brennerei. Falls wir noch Zeit haben, können wir die Slyrs, Bavarian Single Malt Whiskey Brennerei, besuchen. »Slyrs« klingt zwar schon fast Schottisch, wird aber »Schliers« ausgesprochen, das alte bayerische Wort für die Gegend am Schliersee. Dieses Unikat unter den bayerischen Edel-Brennereien gehört zur renommierten und vielfach ausgezeichneten Lantenhammer Destillerie, die ebenfalls am Schliersee beheimatet ist. Während sich Letztere eher mit der flüssigen Veredelung von Obstsorten beschäftigt, wird in Neuhaus reine Gerste zu Whiskey verwandelt. Unter dem Motto »Erleben und Genießen« können jederzeit Einzelpersonen den Betrieb besichtigen. Nach einem kurzweiligen Informationsfilm kann man sich die Brennvorgänge genau ansehen. Wissen Sie, wie viel Liter Whiskey im Laufe der Lagerung alleine schon durch die Holzwände eines einzigen Fasses diffundieren und als »Anteil der Engel« verloren gehen? Insgesamt sind das an die 27 Liter, und sie werden es mit Sicherheit riechen, denn am Ende der Besichtigung steht noch eine Verköstigung im mit 600 Barrique-Fässern gefüllten Lagerraum an. Natürlich gibt es auch einen Laden, in dem wir dann nach Herzenslust Hochprozentiges shoppen dürfen. Insgesamt ein sehr spannender und informativer Ausflug, zu dem wir nicht einmal bis Schottland reisen müssen. Adresse. Slyrs Destillerie, Bayrischzellerstraße 13, 83727 Schliersee/Neuhaus, Tel. 08026/922 27 95, www.slyrs.de; Öffnungszeiten: Mo–So 10–17 Uhr, 5 Euro/Erwachsener (Verköstigung erst ab 18 Jahren!).
Informationen
Das Markus Wasmeier Bauernhof- und Wintersportmuseum. Das Markus Wasmeier Bauernhof- und Wintersportmuseum liegt im Ortsteil Fischhausen am südlichen Ende des Schliersees und hat nach langjähriger Aufbauphase endlich geöffnet. Der zweifache Olympiasieger Markus Wasmeier ist gelernter Maler und Restaurator, sein Herzblut lag schon immer im Erhalt alter Häuser und Sachen. Nun stehen fünf liebevoll restaurierte Höfe dem Besucher offen. Das nachgebaute altbayerische Dorf ist fast komplett. Wie bei einer Zeitreise können wir uns hier 300 Jahre in die Geschichte zurückkatapultieren. Wir wandeln zwischen den Häusern und Gärten, das Gelände ist eingebettet zwischen saftigen Wiesen und umrahmt von den Schlierseer Bergen. Es gibt jede Menge Tiere, Gänse, Hühner, Schweine, Esel und Schafe seltener und vom Aussterben bedrohter Rassen. Ein Wochenprogramm mit regelmäßigen Vorführungen wie Filzen, Schnapsbrennen, Korbflechten oder Holzofenbrot-Backen sorgt für Abwechslung. Zusätzlich gibt es Veranstaltungen, die gesondert angekündigt werden. So kann man sein Bier in der museumseigenen Schöpfbrauerei brauen, es gibt Handwerker- und Musiktage. Die einzelnen Höfe bieten wechselnde Ausstellungen. Ein zweiter, noch nicht fertiger Museumsabschnitt soll die örtliche Tourismusgeschichte mit Schwerpunkt Wintersport zeigen. Der Besuch des Museum lässt sich am besten mit einer Umrundung des Schliersees auf dem Fahrrad verbinden. Adresse. Markus Wasmeier Bauernhof- und Wintersportmuseum e.V., Brunnbichl, 83717 Schliersee, Tel. 08026/716 69, www.wasmeier.de; Öffnungszeiten: April–7. Nov. (Leonharditag) täglich von 9–17 Uhr, montags Ruhetag, feiertags geöffnet; Preise: Erwachsene 7 Euro, Kinder von 8–16 Jahren 4 Euro.
Tourismusbüro
Gäste-Information Schliersee, Perfallstraße 4, 83727 Schliersee, Tel. 08026/ 606 50, www.schliersee.de

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