Ins westfälische Weserbergland

überwiegend autofreie Wege. Geringe, zuweilen steile Steigungen von jeweils maximal 30 Hm. (Autor: Bernhard Pollmann)
23 km
215 m
2.00 h
Hannoversche Klippen Vom Bahnhof Bad Karlshafen folgt der Weser-Radweg dem autofreien rechten Ufer des Flusses unterhalb der Hannoverschen Klippen bequem abwärts. Die Hannoverschen Klippen am Südabsturz des Solling gegenüber von Bad Karlshafen sind eines der bedeutendsten Felsensembles im Oberwesertal. Rund 100 m überragen die sieben mächtigen Buntsandsteintürme den Fluss. Zwei von ihnen sind als Aussichtspunkte begehbar und bieten einmalige Panoramen, der steile Aufstieg dauert etwa eine Viertelstunde, beginnt am Bahnhof Bad Karlshafen und ist mit dem Zeichen x3 (Wildbahn) markiert. Der Name der Klippen im Dreiländereck von Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen erinnert an die frühere Zugehörigkeit zum Königreich Hannover. 1971 kam das Fels-ensemble zum Bundesland Nordrhein-Westfalen (Stadt Beverungen), 1983 wurde es als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Zwischen den sieben Felstürmen siedeln alt- und totholzreiche Eichen- und Buchen-Eichen-Wälder mit hohem Farnbestand sowie Waldmeister-Buchenwälder, während auf den Gesteinschutthalden zu Füßen der Felstürme überwiegend Pioniergehölze wachsen: Rosen, Salweiden und die lianenartige Waldrebe; der Färberginster fällt im späten Frühjahr schon von weitem ins Auge, vereinzelt krallen sich auch Weißdornsträucher in den Fels. Beverungen Wo Klippen, Wald und Eisenbahnlinie zurücktreten, verbindet eine Fähre die Beverunger Ortsteile Würgassen und Herstelle. Der Weser-Radweg bleibt autofrei am rechten Ufer und schwingt vor dem stillgelegten Siedewasserreaktor Würgassen zur Landstraße, die ans linke Flussufer führt. Dort folgt er wiederum autofrei, aber parallel zur Bundesstraße dem Ufer zum Campingplatz gegenüber dem Jachthafen »Dreiländereck« – links liegt das Berghotel »Waldfrieden« – und weiter nach Beverungen. Das westfälische Landstädtchen Beverungen war jahrhundertelang die Hafenstadt des Hochstifts Paderborn. Eine Straßenbrücke verbindet Beverungen und den rechts der Weser gelegenen niedersächsischen Flecken Lauenförde, wo sich der DB-Bahnhof Lauenförde-Beverungen befindet. Beverungen liegt an der Mündung der Bever zwischen den bastionsartig in den Talraum vorspringenden Muschelkalkhöhen Mühlen- und Galgenberg. Von der Wasserburg, die der Paderborner Bischof um 1330 zur Sicherung der Weserschifffahrt und zum Schutz seines Staats gegen Braunschweig und Hessen errichten ließ, sind der Wohnturm und das Rentmeisterhaus erhalten. Den Altstadtkern prägen Fachwerkgiebelhäuser des 17. Jh. Im 19. Jh. schifften sich in Beverungen Tausende von »Amerikafahrern« ein, um weserabwärts zu fahren und in Bremen die Ozeanriesen zu besteigen, auf denen sie hofften, in eine glücklichere neue Welt zu gelangen. Osterfeldsee und Blankenau Ab Beverungen entfernt sich der Weser-Radweg wohltuend von der Bundesstraße und folgt dem Weserufer aussichtsreich am Osterfeldsee u.a. Teichen vorbei an den Ortsrand des Kirchdorfs Blankenau. Der Osterfeldsee ist eines der beliebtesten Angelgewässer an der Weser. Vor 35 Jahren entstand er als Baggersee, heute geben ihm Baumbestände, bewachsene Uferzonen, zwei Inseln, Buchten und Landzungen einen natürlichen, unberührten Charakter. Dank seiner Karpfenfänge über der 40-Pfund-Marke genießt er einen hervorragenden Ruf unter Karpfenanglern. Auch Hecht- und Zanderangler schätzen ihn wegen kapitaler Fänge, denn die schwer erreichbaren Uferzonen der Inseln bilden optimale Laich- und Schutzgebiete für diese Fischarten. Durch die Inseln und Landzungen entsteht eine überproportional lange Uferzone mit gutem Weißfischbestand. Das Kirchdorf Blankenau ist ein alter Guts- und Burgort. Um die 1315–1320 errichtete Burg stritten sich die Fürstbischöfe von Paderborn und die Fürstäbte von Corvey, Letztere sicherten sich die Burg zu Beginn des 15. Jh. In Blankenau lädt das hoch gelegene Landhotel »Weserblick« zur Einkehr und zur Übernachtung ein. Schloss Wehrden Am Fuß des bewaldeten Heggebergs geht es weiter zum Dampferanleger und zur Weserfähre von Wehrden. Wer mit der Fähre übersetzt, kann via Fürstenberg nach Höxter radeln; dies tun diejenigen, die das Porzellanmuseum in Fürstenberg besichtigen wollen. Wehrden ist der einzige Ortsteil der Stadt Beverungen mit DB-Bahnhof. Schloss Wehrden mit dem öffentlich zugänglichen Teil des Schlossparks zählt zu den herrschaftlichen Kleinodien des Weserberglands. Der von der Weserseite aus zugängliche Neue Schlosspark ist 2003 als Landschaftspark wieder- hergestellt und für den allgemeinen Publikumsverkehr geöffnet worden. Das im Besitz der Familie von Wolff-Metternich befindliche Schloss und der Alte Park sind nur während Veranstaltungen zugänglich, es wird gebeten, die Privatsphäre zu respektieren (www.schloss-wehrden.de). Der 1683 zum Fürstbischof von Paderborn gewählte Werner Freiherr von Wolff-Metternich zur Gracht sorgte für den Aufschwung des klösterlichen Burgdorfs an der Weser. 1696 ließ er die verfallene alte Wasserburg abbrechen und durch das heutige Schloss, ein zweigeschossiges Herrenhaus mit elfachsiger Hauptfront, ersetzen sowie 1698 die heutige Dorfkirche zur Heiligen Familie errichten. Prominentester Gast auf Schloss Wehrden war die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff, die hier ihre Tante besuchte und mit Vorliebe im Turm (im Park) wohnte; sie schätzte den heute nach ihr benannten Turm wegen seiner Aussicht und auch, weil ihm »die Weihe durch Sage und Gespensterglaube nicht fehlt«. Nethemündung Torartig flankiert von Wildberg und Brunsberg, mündet die Nethe zwischen Wehrden und Godelheim in die Weser. Auf den Muschelkalkklötzen von Wild- und Brunsberg finden sich germanisch-sächsische Ringwallanlagen, darunter die Brunsburg. Durch das Nethetal verlief der Hellweg; wegen der Überschwemmungsgefahr im Mündungsgebiet überschritt er die Weser nicht hier, sondern wenige Kilometer flussaufwärts, wo die spätere Stadt Höxter als Brückenort entstand. Die Brunsburg – heute ein weitläufiges, von Bäumen überwuchertes Gelände – beherrschte einerseits den Weserübergang der alten Hellweg-Handelsstraße bei Höxter und zugleich – gemeinsam mit der südlich gegenüberliegenden Wildburg auf dem Wildberg – das Nethetal, durch das der Hellweg von Brakel herüberführte. Unterhalb der Brunsburg schlug Karl der Große 775 ein Heer der Sachsen und erzwang während der Sachsenkriege erstmals den Übergang über die Weser. Später gelangte die Burg durch königliche Schenkung an das Benediktinerkloster Corvey. 1294 wurde die zwischenzeitlich von Corvey aus neu errichtete Burg durch Truppen des Bischofs Otto von Paderborn und der Grafen Adolf und Albert von Schwalenburg zerstört. Den auf drei Seiten steil abfallenden Burgberg umgibt ein Ringwall aus germanischer Zeit. Erst in nachkarolingischer Zeit wurde aus dieser germanischen Gipfelburg eine Militärburg: Fürstabt Widukind von Corvey (1189–1205) ließ sie im Ostteil des ringumwallten Bezirks als Teil eines Militärburgen-Verbunds, mit dem der Corvey'sche Besitz gesichert werden sollte, errichten. Godelheimer Seenplatte Nach Passieren der Nethemündung erreicht der Weser-Radweg die Godelheimer Seenplatte. Die Kies-Baggerseen zwischen der Weser und den bewaldeten Weserhängen bei Godelheim vor den Toren der Stadt Höxter haben in den vergangenen Jahren einen derartigen Zulauf von Badegästen und Wassersportlern erlebt, dass die Stadt Höxter die Godelheimer Seenplatte zu einer öffentlich zugänglichen Wassersport-Freizeitanlage mit entsprechender Infrastruktur umgestaltet hat. Am Hauptsee lädt ein abgetrennter Badebereich mit weißem Sandstrand
zum Baden ein. Auch Segeln, Surfen, Rudern und Angeln sind beliebte Wassersportarten in der Freizeitanlage; über einen Nachbarsee rasen
ferngesteuerte Modellboote. Hinzu kommen Beachvolleyballplätze, ein Bouleplatz, eine Inlinerbahn, mehrere Bereiche mit Kinderspielgeräten
und große Rasenflächen zum Spielen und Entspannen. Von der Terrasse
des Restaurants »Seestern« schweift der Blick über die Weser hinweg zum Solling. Höxter Die westfälische Kreisstadt an der Deutschen Märchenstraße und der Straße der Weserrenaissance besticht durch ihren historischen
Altstadtkern. Sie liegt an einem Weserbogen, an dem die mittelalterliche Hellweg-Handelsstraße den Fluss Richtung Magdeburg überschritt; heute mündet hier der Radfernweg R1 auf den Weser-Radweg, weshalb sich
Höxter zu einem Knotenpunkt für Radwanderungen entwickelt hat. Fachwerkbauten mit der typischen Dekoration der Weserrenaissance prägen die Altstadt; fast alle stammen aus der Zeit wirtschaftlicher Blüte zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg: Dechanei (1561, Christoph von Amelunxen), Tillyhaus (1598, angeblich Quartier des kaiserlichen Feldherrn Tilly), Rathaus (um 1610, 1899–1906 wiederhergestellt). Die Kilianskirche, 1075 geweiht, ist eine romanische Pfeilerbasilika, deren Doppelturmfassade im 12. Jh. unter dem Eindruck des neu gestalteten Westwerks von Corvey errichtet wurde. Die 1320 geweihte Marienkirche gehörte zu einem 1248 gegründeten und 1804 aufgehobenen Minoritenkloster.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour23 km
Höhenunterschied215 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDB-Bahnhof Bad Karlshafen.
EndpunktDB-Bahnhof Höxter.
TourencharakterUnterhalb von Bad Karlshafen verlässt die Weser das enge Durchbruchstal und durchfließt ab dem Hersteller Flussknie in weiten Mäandern breite Talauen, in denen auf dem Weser-Radweg kaum Steigungen zu erwarten sind und dafür zahlreiche Seen zum Baden einladen.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte NRW 1: 50000 Blatt 11 Eggegebirge Oberwälder Land (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen) oder Radwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 26 Solling und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Göttingen–Bodenfelde–Bad Karlshafen–Lauenförde-Beverungen–Wehrden–Altenbeken. Von Höxter besteht keine Direktverbindung zurück nach Bad Karlshafen!
GastronomieBad Karlshafen, Beverungen, Blankenau, Wehrden, Godelheimer Teiche, Höxter.
Tourismusbüro
Kur- und Tourist-Information Bad Karlshafen, Rathaus, Hafenplatz 8, 34385 Bad Karlshafen, Tel. 0 56 72/999922, Internet www.bad-karlshafen.de; Tourist-Information Beverungen, Weserstraße 10–12, 37688 Beverungen, Tel. 0 52 73/392221, Internet www.beverungen.de; Tourist- und Kulturinformation Höxter, Weserstraße 11 (historisches Rathaus), 37671 Höxter, Tel. 0 52 71/1 9433, Internet www.hoexter.de.
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