Huntemündung und Insel Harriersand

aussichtsreiche, landschaftlich attraktive, bei südlicher Windrichtung leichte Tour auf überwiegend autofreien (Klinker-)Wegen in steigungsfreiem Gelände. (Autor: Bernhard Pollmann)
18 km
70 m
2.00 h
Aegidiuskirche Aus dem Bahnhof Berne tretend, ist geradeaus die
monumentale Aegidiuskirche in Sicht, während sich links das Bundesstraßendreieck befindet, wo die B74 Richtung Weser-Radweg abzweigt. Die Aegidiuskirche ist eine der bedeutenden Sehenswürdigkeiten Stedingens; das mächtige Bauwerk auf der leicht erhöht liegenden
Dorfwarf kündet von der Funktion Bernes als Hauptort Stedingens seit dem Beginn der Kultivierung im 12. Jh. Nachdem die Stedinger Bauern 1234 in der Schlacht von Altenesch ihre Freiheit verloren hatten, ließ
der Bremer Erzbischof Gerhard II. zur Lippe das dem Nothelfer Ägidius geweihte Gotteshaus zu seiner heutigen Form mit dreischiffiger westfälischer Halle erweitern. Dabei geriet der romanische Westturm des einschiffigen Ursprungsbaus in seine asymmetrische Lage zum Neubau. Bei der Restaurierung 1968–1985 wurden spätgotische Malereien freigelegt. Während dem Erzbischof die Kirche unterstand, sicherten sich
die Grafen von Oldenburg die weltliche Macht in Berne und ließen auf dem Gelände des heutigen Pastoreigartens eine Holzburg errichten;
da diese »Berneburg« unmittelbaren Zugang zur Weser und damit strategische Bedeutung hatte, untersagte der Erzbischof ihren Ausbau in Stein. 1259 bauten die Oldenburger Grafen ein steinernes Haus in Delmenhorst und gaben die hölzerne Berneburg auf. Ihre Lage ist im Pastoreigarten noch heute gut erkennbar. Von der Kirche geht es zum Bundesstraßendreieck und längs der B74 (Weserstraße), die nur am Anfang keinen Radweg hat, Richtung Weserfähre bis zur Kreuzung mit dem Weser-Radweg in Berne-Ranzenbüttel.Westergate Der Weser-Radweg führt nach Queren der B74 in Ranzenbüttel geradeaus auf der landschaftlich schönen Deichstraße dahin, auf der kaum Autoverkehr die Radwanderung stört und zahlreiche Reetdachhäuser und liebevoll gestaltete Gärten erfreuen. Ein i-Tüpferl auf dieser schönen Strecke ist die Selbstbedienungs-Einkehr »Karins Melkhus« in Berne-Orth. Wer hier nach der Rast den Deich hinaufsteigt, sieht, dass die Weser fast verschwunden ist: Im Vordergrund fließt die Westergate, dahinter liegen die landschaftlich reizvollen Inseln Rutschsand und P Elsflether Sand und dahinter schimmert schließlich die Weser – ein sehr schöner Ausblick. Kurz nach Passieren von »Karins Melkhus« verzweigt sich der Weg: Die Weser-Radweg-Schilder zeigen nach links, doch auch die als Radwanderweg ausgeschilderte rechte Route über die Insel Elsflether Sand ist reizvoll. Sie führt zum Hunte-Sperrwerk an der Mündung der Hunte und vereinigt sich kurz darauf wieder mit dem Weser-Radweg. Wer über den Elsflether Sand und das Hunte-Sperrwerk radelt, umfährt die Stadt Elsfleth.Hunte-Brücke Von der Verzweigung bei »Karins Melkhus« in Berne-Orth führt der Weser-Radweg durch idyllisches Wiesenland zur Eisenbahnbrücke über die Hunte. Auf dem schmalen Steg (knapp 1 m) neben der Eisenbahnlinie kommen keine zwei Fahrräder aneinander vorbei. Die Züge tuten gern auf der Brücke, um Fahrradfahrer, denen es in dieser luftigen Höhe über dem Wasser meist sowieso unwohl ist, so richtig in Furcht und Schrecken zu versetzen.Huntekaje Nach Passieren der Hunte-Eisenbahnbrücke führt der holperige, landschaftlich sehr schöne Radweg längs der Eisenbahnlinie an den Rand von Elsfleth, wechselt an der ersten Brücke rechts über das Bahngleis und folgt ihm autofrei links zur Huntekaje vor dem Gebäude der TouristInformation, in dem auch ein Restaurant mit Weserblick zur Einkehr lädt – ein schöner Rastplatz in unmittelbarer Nähe von Bahnhof und Altstadt.Elsfleth Die Seefahrerstadt« Elsfleth an der Mündung der Hunte in die Unterweser ist seit dem 19. Jh. eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für Seeleute in Deutschland. Die heute drittgrößte Kommune der Wesermarsch ist einer der ältesten Orte in Stedingen. Größere Bedeutung erhielt Elsfleth als Sitz des oldenburgischen Weserzolls von 1624 bis 1803, im 19. Jh. hatte es seine Blütezeit als Segelschiffhafen. 1809 schiffte sich der legendäre »Schwarze Herzog« Friedrich Wilhelm von BraunschweigLüneburg-Oels, einer der schillerndsten deutschen Heerführer während der napoleonischen Kriege, in Elsfleth ins Exil nach Großbritannien ein: Das in Form eines neugotischen Tabernakels gehaltene Denkmal vor dem Bahnübergang hinter der Huntekaje erinnert daran. Von der Huntekaje gelangt man am Denkmal des Schwarzen Herzogs vorbei zum Rathausplatz und durch die gemütliche Fußgängerzone zum neuen maritimen Denkmal am Nicolaiplatz vor der evangelischen
Nicolaikirche.Oberhammelwarden Weitere Einkehrmöglichkeiten finden sich in Elsfleth, wenn wir dem Weser-Radweg hinter der Tourist-Information links
in Richtung Innenstadt folgen: Geradeaus beginnt die Fußgängerzone, während der Weser-Radweg rechts weiterführt, bald den vom Hunte-Sperrwerk herüberführenden Radweg aufnimmt und dann rechts auf
den autofreien Deichsicherungsweg wechselt. Das folgende Wegstück ist landschaftlich und hinsichtlich der Schönheit der (wenigen) Häuser und Gärten vom Feinsten. Schließlich wechselt der Weser-Radweg in Oberhammelwarden kurz auf eine Straße, folgt dann der Langen Straße (die auch so aussieht) in Brake Richtung Stadtmitte, verlässt sie jedoch glücklicherweise bald und führt über die teils aussichtsreiche Deichstraße
weiter.Brake Die Wesermarsch-Kreisstadt Brake an der Unterweser ist der wichtigste Hafen links des Stroms. Hoch aufragende Silos (bis zu 90 m) prägen das Stadtbild ebenso wie der Backsteinturm des optischen Telegrafen (1846), in dem an der Weserkaje das Schifffahrtsmuseum untergebracht ist. Es dokumentiert die Geschichte von Brake, das im 17. Jh. von den Oldenburger Grafen als Zollstation gegründet wurde und zum bedeutendsten Seehafen der Unterweser avancierte: Wegen der Versandungstendenzen weseraufwärts bevorzugten die Schiffe den Hafen von Brake vor dem Bremer Hafen. Erst als Bremen in Konkurrenz zum oldenburgischen Hafen Bremerhaven gründete, geriet Brake in dessen Schatten. Wer zum Bahnhof will, findet ihn – nicht ausgeschildert – links: Vor dem Zaun nicht rechts, sondern links zur Unterführung und dann erst rechts.
Harriersand Harriersand in der Unterweser ist mit rund 11 km Länge die größte Weser-Insel. Mit ihren kilometerlangen Sandstränden, alten Baumbeständen und wenigen Gehöften ist sie das Naherholungsgebiet der Stadt Brake und der Gemeinde Schwanewede, zu der sie seit der niedersächsischen Kommunalreform 1974 gehört. Besiedelt wurde die Insel ab 1830 vom Braker Ortsteil Harrien aus, daher der Name Harriersand. Bis 1924 bestand die heutige Insel aus den sieben kleinen Inseln Nonneneck, Wester-Pater, Oster-Pater, Kleiner Pater, Großer Pater, Harriersand und Wilhelms Plate; erst durch die Weserkorrektion und -vertiefung 1924–1932 wurden die sieben Inseln zu einer einzigen vereinigt: Westlich fließt die Weser, östlich der rechte Nebenarm. Von der Braker Stadtkaje ist Harriersand mit der Personenfähre »Guntsiet« erreichbar, zum Ostufer besteht seit 1965 eine 70 m lange Brücke, die das Leben auf der
Insel grundlegend verändert hat: Die Kinder müssen nicht mehr mit dem Boot zur Schule fahren, auch Lebensmittel müssen nicht mehr im Boot angelandet werden. 1968 erhielt die Insel sogar einen Postkasten und immer mehr Sommergäste ließen sich auf hohen Stelzen sturmflutsichere Wochenendhäuser errichten. Da die Behörden einen großzügigen Straßenausbau und auch die Anlage neuer Campingplätze nicht genehmigen, hat Harriersand immer noch einen großen Teil seiner Ursprünglichkeit bewahrt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied70 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBerne-Ranzenbüttel; wer den 2 km entfernten DB-Bahnhof Berne als Ausgangspunkt nimmt, hat bis Elsfleth Bf. 10 km vor sich.
EndpunktDB-Bahnhof Brake.
TourencharakterDie Fahrt längs der Weserdeiche in den grünen Marschen von Stedingen begeistert landschaftlich ebenso wie durch die reetgedeckten Fachwerkhäuser mit ihren üppigen Blumengärten am Weg. Einen Abstecher lohnt die reizvolle Insel Elsflether Sand.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 29 Bremen und Umgebung und Blatt 4 Bremerhaven (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Bremen–Hude–Berne–Elsfleth–Brake–Nordenham. Mit dem Auto über die A28 [Bremen–] Delmenhorst–Oldenburg, Ausfahrt Hude, und über Hude nach Berne.
Tipps
Hunteweg und Hunte: Elsfleth ist Anfangs- bzw. Endpunkt des Huntewegs, eines der schönsten Radfernwege Niedersachsens. Von Elsfleth folgt er der Hunte durch die Wesermarschen und die Moore der Geest in die Universitätsstadt Oldenburg. Dabei durchquert er den Naturpark Wildeshauser Geest und mündet nach 95 km bei Heiligenloh auf den Radfernweg Osnabrück–Bremen. Die Hunte ist ein linker Nebenfluss der Weser, der Unterlauf ab Oldenburg wird seit Jahrhunderten als Wasserstraße genutzt. Die Hunte entspringt im Wiehengebirge, durchfließt den Dümmer und ist ab Oldenburg kanalisiert und schiffbar, nach 189 km langem Lauf mündet sie bei Elsfleth in die Unterweser.
Tourismusbüro
Gemeinde Berne, Tourismus, Am Breithof 8, 27804 Berne, Tel. 0 44 06/9410, Internet www.berne.de; Elsflether Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, An der Kaje 1, 26931 Elsfleth, Tel. 0 44 04/989081, Internet www.elsfleth.de; Tourist-Information Brake, Kaje 7, 26919 Brake (Unterweser), Tel. 0 44 01/ 19433, Internet www.brake.de.
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