Entlang der Prorer Wiek nach Baabe

Auf ebenen, zum Teil etwas holprigen Wegen an der Ostküste Rügens entlang. (Autor: Michael Graf)
28 km
315 m
3.00 h
Von Sassnitz fährt man auf einem Radweg entlang der Durchgangsstraße nach Westen Richtung Sagard und biegt am Ortsende an der großen Ampelkreuzung links ab nach Mukran und Binz. Leider gibt es zuerst keinen Radweg, so dass man auf der Straße fahren muss. Eine weite Brücke führt über die Gleisanlagen des großen Fährhafens, von dem aus Fährverbindungen nach Kaliningrad, Klaipeda und Rønne bestehen.
Man hält sich an die Beschilderung Binz, biegt nach kleineren Haken kurz vor dem Strand, auf der linken Seite der Straße, nach rechts in einen kleinen Weg. Nachdem man einen sehr holprigen Strand-Parkplatz mit großen Kieseln durchfahren hat, sieht man entlang des Betonplattenwegs die ersten gesprengten und verfallenen Bauten von Prora. Diese Ferienanlage wurde von den Nationalsozialisten als Kraft-durch-Freude-(KdF)-Haus entlang des Sandstrands der Prorer Wiek errichtet. Mit einer Länge von 4,5km ist es eines der größten Gebäude der Welt. Der architektonisch langweilige, da absolut gleichförmig gebaute Riegel beeindruckt nur durch seine immense Länge. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einzelne Teile im Westen von Pionieren gesprengt. Ein Teil von Prora wurde mittlerweile saniert und zu Wohnungen ausgebaut, der westliche Teil wartet noch auf eine Nutzung. Es folgt der besser erhaltene Teil des Prora-Gebäudes, das dem Radler leider den Blick auf die See versperrt. Nachdem man am sehr einfachen Campingplatz im Schatten der monumentalen Prorabauten vorbeigefahren ist, muss man ein Stück durch den Sand schieben und dann dort nach rechts abbiegen, wo man auf das kleine Prora-Museum stößt. Hier halte man sich Richtung Westen, dort verläuft parallel zur Straße und Bahnlinie ein neu gebauter Radweg. An der Bushaltestelle biegt man links ein in die Dünenstraße und erreicht bei den neuen Ferienanlagen das Ostseebad Binz. Hier werden die Veränderungen der letzten Jahre besonders deutlich. Binz, etwas überschwänglich »Sorrent des Nordens« betitelt, ist ein sehr beliebter Ferienort. Zahlreiche Gebäude im Stil der Bäderarchitektur der Jahrhundertwende mit verspielten Jugendstilornamenten an Balkonen und Terrassen säumen die Promenade und die Hauptstraße. Von der 370m langen Seebrücke, 1994 erbaut, starten Schiffsausflüge u.a. zu den Kreidefelsen oder nach Peenemünde auf Usedom. Wir radeln in Binz von der Hauptstraße in die Heinrich-Heine-Straße, kreuzen die Putbuser Straße und biegen nach einem kurzen Aufstieg links ab in den Wald und folgen der Rad- und Wanderbeschilderung gelb auf weiß. Im 40km2 großen, ehemaligen Jagdgebiet der Grafschaft Putbus, der Granitz, befindet sich das Jagdschloss Granitz, das auf der höchsten Erhebung Ostrügens, dem Tempelberg, von Fürst Malte von Putbus 1836-1846 errichtet wurde. Es ist ein Viereckbau im Stil der norditalienischen Renaissancekastelle; statt des Lichthofs wurde jedoch von Schinkel ein 35m hoher Mittelturm eingefügt, der über eine sehenswerte Wendeltreppe verfügt. Von der Aussichtsplattform ergibt sich eine prächtige Aussicht auf die Halbinsel Mönchgut. Durch den Granitzer Forst fährt man mehrmals auf und ab bis zur Kreuzeiche, einer Weggabelung, und dort links. Es folgt ein gut zu fahrender Kiesweg, von dem man nach etwa 1,5km links in einen kleineren Weg einbiegt. Auf diesem erreicht man Sellin bei der 1913 erbauten Gnadenkirche. Auch dieses Ostseebad weist in der beeindruckenden Wilhelmstraße schöne Häuser und Villen im Stil der Bäderarchitektur auf. Sie verläuft aufwärts zum Meer, da hier die Küste steil abfällt. Die im Meer liegende bebaute Seebrücke ist das Wahrzeichen der Stadt. Von der neu gestalteten Hangkante kann man auch den Aufzug hinab nehmen. Über die Granitzstraße und Ostbahnstraße geht es am kleinen Bahnhof des Rasenden Rolands vorbei. Der Bahnhof in Sellin ist der einzige, der noch sein ursprüngliches Aussehen von 1896 bewahrt hat. Diese Kleinbahnlinie verbindet seit 1899 die Seebäder Putbus, Sellin, Baabe und Göhren. 1938 erfolgte der Anschluss an die Vollspurbahn von Lietzow. Ein Radweg bringt uns die kurze Strecke nach Baabe. Es ist ein modernes Seebad, das erst am Ende des 19Jhs. vom Fischerdorf zum Badeort umgewandelt wurde. Der Rasende Roland fährt mitten durch den Ort. Baabe liegt am so genannten Mönchsgraben, einem slawischen Wallgraben, der die Halb-insel Mönchsgut von den Eldenaer Klosterbesitzungen trennte. Dort liegt auch, an einem Sporn, das letzte der Seebäder, Göhren. Hier liegt der Frachtkahn Luise im Hafen vor Anker. Sehenswert ist auch das Mönchguter Museum mit einem Fischerkaten, Rookhus genannt. Dort wird das ländliche Fischerei- und Lotsenwesen veranschaulicht. In der Kirche sind Modelle von Segelschiffen und Großplastiken eines Mönchguter Bauernpaares ausgestellt. Hinter der Kirche findet sich das Hügelgrab Speckbusch. 200m vor der Küste des Nordstrandes liegt der mit 1600t größte Findling der Ostseeküste, der Buskam, was im Slawischen Gottesstein bedeutet. Rückfahrt: Mit dem Rasenden Roland von Baabe nach Putbus, dort mit der DB bis Sassnitz.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied315 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSassnitz.
EndpunktBaabe.
TourencharakterAn der Ostküste Rügens reiht sich ein bekanntes Ostseebad an das andere. Zeit, Geduld und Badesachen sind wichtige Bestandteile für eine Tour durch die touristischen und damit sehr belebten Badeorte.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wander- und Radtourenkarte Insel Rügen 1:50000.
MarkierungenLokal.
VerkehrsanbindungSassnitz ist der Endpunkt der Bahnlinie Stralsund - Bergen - Sassnitz.
GastronomieZahlreiche Cafés und Restaurants in Binz, Sellin und Baabe.
Tipps
Eine Fahrt mit dem Dampfzug Rasenden Roland lässt die alten Zeiten wieder aufleben. Von Baabe aus fährt man direkt bis ins klassizistische Putbus.
Verleih
Sellin: Kurverwaltung.
Unterkunft
Zahlreiche Hotels und Pensionen sowie Campingplatz in Baabe.
Tourismusbüro
Kurverwaltung, H.-Heine-Straße 7, 18609 Ostseebad Binz, Tel. 038393/30675, www.ostseebad-binz.de; Kurverwaltung, Warmbadstr. 4, 18586 Ostseebad Sellin, Tel. 038303/1611, www.ostseebad-sellin.de; Kurverwaltung, Fritz-Worm-Str. 1, 18586 Ostseebad Baabe, Tel. 038303/1420, Fax 038303/142-99, www.baabe.de.

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