Durch Sachsenhain und Grünland

abwechslungsreiche, bei südöstlichen Winden leichte Grünlandfahrt auf Asphaltwegen und naturbelassenen Wegen, die zwischen Eissel und Achim fast durchgehend autofrei sind. (Autor: Bernhard Pollmann)
18 km
85 m
2.00 h
Verdener Altstadt Aus dem Bahnhof Verden (Aller) tretend, sehen wir am Busbahnhof das Schild »Radwanderwege 1,2 km« und folgen ihm auf dem Radweg kurz rechts durch die Bahnhofstraße, am Holzmarkt (Grünanlagen, Deutsches Pferdemuseum) links, am Ende links versetzt geradeaus durch die Ostertorstraße und an der Ampel geradeaus (Herrlichkeit) bis zur
Großen Straße (Fußgängerzone). Hier bietet sich ein ausgezeichneter
Blick rechts auf das Rathaus (1729/1905) mit seinem von vier Ecktürmchen gerahmten Turm und dem dahinter aufragenden Turm der romanischen
Johanniskirche. An der Verzweigung vor dem Rathaus biegen wir halb links in die Ritterstraße ein, fahren an der Johanniskirche vorbei, zweigen am Ende links ab (Blumenwisch) und stoßen Am Allerufer auf den Weser-Radweg, dessen Schildern wir rechts Richtung »Achim« folgen. Die Johanniskirche in der Ritterstraße, die älteste Backsteinkirche Norddeutschlands (1125), war die Pfarrkirche der Norderstadt. Teile des romanischen Baus wurden in die heutige dreischiffige gotische Hallenkirche einbezogen. Neben gotischen Wandmalereien fällt im Inneren das Stuckrelief des Jüngsten Gerichts (1598) auf. Storchenpflegestation Die Straße Am Allerufer ist eine Nebenstraße, hat jedoch keinen gesonderten Radweg, also Vorsicht! Bald nach Unterqueren der Nordbrücke mündet sie auf die Allerstraße; ihr folgt der Weser-Radweg kurz rechts, ebenfalls ohne Radweg, und zweigt dann links in die ruhige Straße Maulhoop ab. Am Ende geht es wenige Meter links weiter (Memelstraße) und sofort rechts in den durch Poller für Autos gesperrten Halsmühlenweg. Er führt durch Felder an der Niedersächsischen Storchenpflegestation vorbei. Hier pflegen Herr und Frau Storch (sie heißen tatsächlich so) kranke und verletzte Störche, bis sie gesund wieder entlassen werden können. Die großflächige private Anlage ist kein Zoo, doch können die Störche vom Halsmühler Weg aus gut beobachtet werden, wozu auch Sitzbänke einladen.Sachsenhain Hinter der Storchenpflegestation erreicht der Weser-Radweg den Sachsenhain. Der Sachsenhain in Halsmühlen bei Verden ist ein alleeartig gestaltetes Ensemble von rund 4500 Findlingen aus ganz Niedersachsen. Ein knapp 3 km langer Rundwanderweg erschließt die eindrucksvolle Anlage. Unter den teilweise übermannshohen Steinen finden sich mehrere, die offenbar zu kultischen Zwecken bearbeitet wurden, darunter Näpfchen- und Schalensteine und phalloide Rillensteine. Wie die am Hof Karls des Großen niedergeschriebenen »Fränkischen Reichsannalen« berichten, ließ der fränkische König im Jahr 782 während seiner Eroberungs- und Christianisierungskriege bei Verden an der Aller 4500 sächsische
Freiheitskämpfer ermorden. Zu Propagandazwecken ließ das nationalsozialistische Regime 1934/35 auf dem »Totenwiese« genannten Grundstück in Halsmühlen, das traditionell als Schauplatz dieses Völkermords gilt, 4500 Findlinge aus Gemeinden des heutigen Niedersachsen aufstellen: Jeder Stein sollte einen ermordeten Sachsen symbolisieren. Schon bald distanzierte sich die NS-Diktatur wieder von der Anlage, weil Karl der Große als Organisator eines aggressiv auf Expansion ausgerichteten, totalitären Großreichs für Hitler eine bessere Identifikationsfigur abgab als der oppositionelle Sachsenführer Widukind. Mit dem Landesjugendtreffen 1950 wurde der Sachsenhain Mittelpunkt der Jugendarbeit der Hannoverschen Landeskirche, der das Gelände gehört. Am Rand des Hains befindet sich in einem historischen Niedersachsenhaus der »Jugendhof Sachsenhain«.Eissel An der Kopfsteinpflasterstraße (Eisseler Straße) mit Blick zum Sachsenhain stehend, folgen wir dem Weser-Radweg (Richtung Achim 16 km) links durch
die Eisseler Straße zwischen dem Sachsenhain und Waldgrundstücken. Am Ende von Sachsenhain und Wald geht es auf dem Radweg längs der Eisseler Straße rechts durch aussichtsreiches Grünland in das Dorf Eissel. Dort führt der Weser-Radweg längs der Durchgangsstraße rechts (Langwedeler Straße) weiter, bis er vor einem Hof mit alten Bäumen links Auf der Esch in die Feldflur hinausführt. Ab dem Friedhof ist der Weg für Autos gesperrt und nun beginnt eine wunderbare Fahrt durch das grüne Marschenland mit seinen alten Einzelbäumen und Gehölzenund eindrucksvollen »Aufblicken« auf den steilen Geestrand mit seinen Wäldern: Nach Passieren des Friedhofs geht es rechts, hinter dem Eisseler Abzugsgraben links und bald wieder rechts mit schönem Blick auf den Kirchturm von Langwedel-Daverden zwischen bewaldeten Geesthügeln dahin.Schleusenkanal Nach Queren der Straße Daverden–Intschede führt der Weser-Radweg autofrei geradeaus weiter durch die Feldflur und schwingt schließlich links neben den von Buschwerk bestandenen Deich des Schleusenkanals ein. Auf dem Deich kann man an einigen Stellen schön rasten und sonnenbaden, ein Rastplatz mit Bänken, Tischen und Informationstafel befindet sich kurz nach Passieren der Häuser von Cluvenhagen an der Schleuse Langwedel. Der 8,51 km lange Schleusenkanal zwischen Verden und Achim-Baden wurde 1958 eröffnet; er nutzt zu einem Teil das alte Bett der Aller und verkürzt durch Begradigung den Weser-Schifffahrtsweg um 3,5 km. Das Zusehen beim Durchschleusen von Schiffen an der Schleuse Langwedel bildet für viele Radwanderer einen Höhepunkt auf dem Weser-Radweg zwischen Verden und Achim. Eindrucksvoll ist an der Schleuse der Niveau-Unterschied zu beobachten: Die Hubhöhe liegt bei 5,50 m – das Oberwasser befindet sich auf 10 m über NN, das Unterwasser bei nur 4,50 m. Am Rastplatz neben der Schleuse befindet sich die Wasserschutzpolizei-Station Langwedel.Nach Baden Von der Schleuse folgt der Weser-Radweg der Schleusenstraße und erreicht vor der ersten Straßenbrücke eine Radwegeverzweigung: Rechts kann man zum P Schloss Etelsen fahren, während der WeserRadweg geradeaus neben dem Schleusenkanal und zuletzt rechts zur Allerbrücke am Fuß des Bergs von Baden weiterführt. Hier geht es links weiter (Am Blocksberg) zum Rastplatz an der Mündung der Alten Aller – einer der schönsten Rastpunkte während dieser Fahrt. An der Mündung der Alten Aller führt auch der Schleusenkanal wieder in die Weser. Aussichtsreich geht es im Sonnenhang unterhalb ansehnlicher Villen weiter, meist auf einem naturbelassenen (nicht asphaltierten) Weg, vorbei am Schiffsanleger Baden; zwischendurch ist der kurze Abstecher zur Hünenburg ausgeschildert, der einzigen erhaltenen Ringwallanlage im Kreis Verden, und nach Unterqueren einer Landstraßenbrücke lädt am Uesener (Sportboot-)Hafen das Hotel »Bootshaus« zur Einkehr und zur Übernachtung. Achim An der Uesener Landstraßenbrücke verzweigt sich der WeserRadweg Richtung Bremen in einen Strang rechts der Weser (via Achim) und einen links der Weser (via Thedinghausen und Riede). Wer direkt Richtung Bremen weiterradelt, muss sich hier für die (kürzere) Variante rechts oder die abwechslungsreichere links der Weser entscheiden. Wer am rechten Ufer Richtung Achim weiterfährt, hat auf dem Rest der Strecke so gut wie keine Autoberührung: Der Weg führt entlang der Alten Dorfstraße, dann links An der Marsch entlang, übergehend in die Langenstraße (am Übergang nicht ausgeschildert: der Abstecher zur Achimer Windmühle) und wiederum teils mit guter Aussicht, teils an architektonisch ansprechenden Häusern mit gepflegten Gärten vorbei. In diesem schönen Wohnviertel trifft man bei »Mellohs Café« auf eine Radwegeverzweigung: Der Weser-Radweg führt links weiter durch die Unterstraße nach Bremen (noch 17 km bis Hemelingen), während das Radwegeschild »Bahnhof 1 km« rechts hinauf durch die Vikarienstraße zeigt; oben geht es autofrei durch die Hollenstraße an der Hexentreppe vorbei und an der Durchgangsstraße links (rechts die Fußgängerzone) zum Bahnhof Achim.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied85 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDB-Bahnhof Verden (Aller).
EndpunktDB-Bahnhof Achim an derselben Bahnstrecke.
TourencharakterDer Sachsenhain, die Schleuse Langwedel, der Abstecher in den Schlosspark von Etelsen, die Mündung der Alten Aller und der Badener Berg sind die Höhepunkte dieser abwechslungsreichen Grünlandfahrt rechts der mittleren Weser.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 29 Bremen und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Bremen–Achim –Verden (Aller); die Züge fahren ca. halbstündlich, manchmal auch im 10-Minuten-Takt.
GastronomieVerden, Baden, Achim.
Tipps
Schloss Etelsen: Das von einem verwunschen-verwilderten Landschaftspark umgebene Schloss in Etelsen ist ein Glanzpunkt am Weser-Radweg. Der zweigeschossige Backsteinbau wurde 1886–1888 im Stil des Historismus mit Neorenaissance-Hauptfassade und barockisierender Gartenfassade errichtet und bildet heute den Rahmen für Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen. Der Schlosspark ist öffentlich zugänglich.
Tourismusbüro
Tourist-Information Verden, Holzmarkt 15, 27283 Verden (Aller), Tel. 0 42 31/807180, Internet www.verden.de; Stadtmarketing Achim, Obernstraße 38, 28832 Achim, Tel. 0 42 02/2949, Internet www.achim.de und www.tourist-achim.de.
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