Radtour in Nordrhein-Westfalen

Durch die Westfälische Pforte

Fahrradweg neben Straßen und Asphalt- und Wirtschaftswegen im Grünland. Im Bereich von Uffeln und Borlefzen weist die Strecke kurze, aber steile Steigungen auf. (Autor: Bernhard Pollmann)
41 km
320 m
4.00 h

Eisbergen und Veltheim

Von der Weserbrücke beim Schiffsanleger in Rinteln folgt der Weser-Radweg der Landstraße ortsauswärts (Hartler Straße, Fahrradweg links). Wenn die Landstraße links schwingt, diese in der Kurve queren und links abzweigen (Am Doktorsee). Der Doktorsee ist ein riesiges Wassersport-Freizeitgelände mit Freibad, Jachthafen, Surfspots, Campingpark u.a.

Am Ende des Freizeitgeländes wechselt der Weser-Radweg auf das Gebiet der Stadt Porta Westfalica, die hier links der Weser ihren südlichsten Ausläufer hat (Hartler Straße). Am Ende der Hartler Straße geht es rechts weiter (Aue) und über die Weserbrücke in das Kirchdorf Eisbergen. Die im Kern romanische Kirche von Eisbergen ist der Legende zufolge eine von neun Kirchen, die die fromme Hildburg – der Name Hildburgstraße erinnert an sie – hier und in der Umgebung gründete, während ihr Mann, der Edle Uffo, auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land war.

Es sind die Kirchen von Eisbergen, Steinbergen, Deckbergen, Möllenbeck, Hohenrode, Silixen, Segelhorst und Veltheim, dem nächsten Dorf am Weser-Radweg.

Fachwerkstadt Vlotho 

Von Veltheim geht es westwärts durch die Feldflur und hinter der Eisenbahnlinie verschlungen links, wobei den Radler während des folgenden Waldstücks einige steilere, wenn auch kurze Steigungen erwarten (Buhnfeld, übergehend in Eggeweg). An der Kreuzung des Eggewegs mit dem Borlefzener Kirchweg besteht die Möglichkeit, auf Letzterem einen Abstecher in das Vlothoer Wassersport-Freizeitzentrum Borlefzen zu unternehmen.

Der Weser-Radweg folgt dem Eggeweg geradeaus, weiterhin in stark kuppigem Gelände, an der Kreuzung schräg geradeaus (Unterm Platz, übergehend in Friedhofstraße), dann steil abwärts in Uffeln. Wer die Fachwerkstadt Vlotho besichtigen will, wechselt auf der Mindener Straße über die Weserbrücke; gleich dahinter finden sich rechts das Rathaus mit der Tourist-Information und der Bahnhof.

Die alte Weserschifferstadt Vlotho am Weserknie an der Mündung der Linnenbeeke steht auf dem östlichsten Punkt des ostwestfälischen Ravensberger Lands. Vlotho ist Luftkurort mit Moor- und Schwefelbädern. Bad Oeynhausen In Uffeln folgt der Weser-Radweg dem Höferweg an den Kiesteichen vorbei (Campingplatz) hinaus in die Feldflur und am Rand von Gehölzen nach Vössen, wo nach Unterqueren der A2 die Autobahnbrücke die Leitlinie für die Überquerung der Weser bildet. Das nordrhein-westfälische Staatsbad Bad Oeynhausen liegt im äußersten Osten des Ravensberger Hügellands an der Mündung der Werra in die Weser.

Es verfügt über die stärkste Thermalquelle Festlandeuropas und ist Sitz des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums. Als der preußische Oberbergrat Karl Freiherr von Oeynhausen – nach ihm ist die Stadt benannt – 1839 eine Probebohrung auf Salzsteinlager durchführte, wurden Heilquellen entdeckt. Der preußische Staat kaufte die Quellen auf, 1847 erhielt das Bad den Namen Oeynhausen, mit der Anlage des Kurparks wurde der Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné betraut. Im Jahr 1926 wurde in 725 m Tiefe der Jordanssprudel entdeckt, mit über 50 m Spritzhöhe eine der stärksten Thermalquellen der Erde.

Wedigenstein

Bald verlässt der Weser-Radweg die Autobahn, zweigt rechts ab und erreicht nach Unterqueren der Eisenbahnbrücke den Rastplatz an der Fähre Amanda. Nun gibt bis zur Porta Westfalica fast durchgehend das Weserufer die Route vor, bis der Radweg vor einem Kiesteich am Fuß des Wiehen zur Bundesstraße abgedrängt wird. Dort liegt am Fuß des Wittekindsbergs Gut Wedigenstein, ein Gutshof an der Stelle einer 1615 abgetragenen Burg an der Weser unterhalb der P Wittekindsburg links der Porta Westfalica.

Der Sage nach stand an dieser Stelle das burgartige Waldhaus des sächsisch-westfälischen Freiheitskämpfers Wittekind/ P Widukind, der 777–785 das Heer der germanischen Sachsen gegen die Invasionstruppen des Frankenkönigs Karls des Großen befehligte und hier gefangen genommen, wieder befreit und schließlich zum Christentum bekehrt wurde. Der Überlieferung nach wurde er in der Babilonie, einer Ringwallanlage auf dem Wiehen bei Lübbecke, als Sohn des Warnekin geboren.

Die zahlreichen Berg- und Quellheiligtümer auf dem Wiehen und in seinem Vorland werden nahezu ausnahmslos mit Widukind in Verbindung gebracht. Viele von ihnen wurden seit der Steinzeit genutzt. 1829 wurde im Garten von Gut Wedigenstein das erste Wittekind-Denkmal Westfalens aufgestellt.

Porta Westfalica

Die westfälische Stadt Porta Westfalica mit dem Kneippkurort Hausberge an der Weser am Südfuß des Wiehengebirges liegt an dem »Tor« (lateinisch: porta), durch das die Weser den das Weserbergland wie ein Wall nördlich begrenzenden Bergkamm in das Norddeutsche Tiefland austritt. Der Bergkamm links des Durchbruchs heißt Wiehen, der Kamm rechts der Weser wird Wesergebirge genannt. Der Name Porta Westfalica ist eine Wortschöpfung der Neuzeit, die erstmals im Jahr 1800 schriftlich auftaucht und in der Folgezeit allgemein gebräuchlich wurde.

Als durch die kommunale Neugliederung 15 Orte im Gebiet um die »Westfälische Pforte« zu einer Stadt zusammengefasst wurden, erhielt diese zum 1. Januar 1973 den Namen Porta Westfalica. Die Westfälische Pforte liegt im Naturpark Terra Vita Nördlicher Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus Portasandstein (1892–1896) auf ihrem »Ostpfeiler« bietet einen eindrucksvollen Blick hinab auf den Weserdurchbruch und jenseits zum Wesergebirge mit dem Jakobsberg; es zählt zu den »Musts« am Weser-Radweg.

Die Sage erzählt, in alter Zeit sei das Wesertal bis hin zur Porta ein großer See gewesen, bis Gott ein gewaltiges Erdbeben schickte: Die Wasser brachen sich bei Hausberge Bahn und strömten hinab zum Meer, das Land wurde frei und die Menschen konnten es bebauen. Die drei ersten Siedlungen im Weserbergland seien Fischbeck (der älteste urkundlich belegte Ort des Schaumburger Lands), Ahe und Deckbergen bei der Schaumburg gewesen.

Minden

Die westfälische Kreisstadt Minden zählt mit ihrer historischen Altstadt rund um den von Karl dem Großen gegründeten Dom auf dem Domhügel zu den schönsten Städten an der Weser. Charakteristische Fassaden der Weserrenaissance finden sich am Haus Hill (Bäckerstraße 45) und am Haus Hagemeyer Im Scharn. Die Häuser, die den Rahmen für das Mindener Museum bilden (Ritterstraße 23–33), vermitteln den Eindruck einer Fachwerkhäuserstraße des 17. Jh.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour41 km
Höhenunterschied320 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWeserbrücke (Bahnhofstraße) am Nordrand der Altstadt von Rinteln; der Bahnhof Rinteln liegt wenige Minuten nördlich davon rechts der Weser.
EndpunktDB-Bahnhof Rinteln.
TourencharakterAm Fuß des Wiehengebirges beschreibt die Weser einen letzten Bogen, bevor sie in der Westfälischen Pforte spektakulär die Kette von Weser- und Wiehengebirge durchbricht und in das Tiefland hinaustritt.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1 : 75000 Blatt 22 Schaumburg (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen) oder Freizeitkarte NRW 1 : 50000 Blatt 2 Minden-Lübbecker Land (Landesvermessungsamt NordrheinWestfalen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Rinteln–Vlotho –Bad Oeynhausen Süd–Löhnde (umsteigen)–Bad Oeynhausen–Minden. Mit dem Auto B83 Hameln –Minden, Ausfahrt Rinteln Süd.
Gastronomiein allen Orten am Weg.
Informationen
Widukinds Ross: Die historische Vita des Widukind bricht mit seiner Bekehrung und seiner angeblichen Taufe im Jahr 785 ab, aber christliche Legenden spannen sein Leben bis 807 fort: Danach wandelte Karl der Große nach der Taufe Widukinds Wappentier, das schwarze Ross, in ein weißes Ross – bis heute das Wappenzeichen von Westfalen und Niedersachsen – um und erhob Widukind zum Herzog der Sachsen; in der Folge herrschte Widukind auf der Wallburg Babilonie mild und gerecht, ließ Kirchen bauen und bedachte sie mit Reliquien und Kostbarkeiten; 807 fiel er in hohem Alter im Krieg mit dem schwäbischen Herzog Gerold.
Tourismusbüro
Tourist-Information Rinteln, Marktplatz 7, 31737 Rinteln, Tel. 0 57 51/403980, Internet www.rinteln.de; Tourist-Information Porta Westfalica, Haus des Gastes, Kempstraße 6, 32457 Porta Westfalica, Tel. 05 71/791280, Internet www.portawestfalica.de; Vlotho Touristik, Lange Straße 60, 32602 Vlotho, Tel. 0 57 33/924492, Internet www.vlotho.de; Tourist-Information Bad Oeynhausen, Am Kurpark, 32545 Bad Oeynhausen, Tel. 0 57 31/2 2428, Internet www.badoeynhausen.de; Tourist-Information Minden, Domstraße 2, 32423 Minden, Tel. 05 71/8 290659, Internet www.minden.de.
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