Durch die Rühler Schweiz

überwiegend autofreie Wege. Geringe, zuweilen steile Steigungen von jeweils maximal 30 Hm. (Autor: Bernhard Pollmann)
27 km
230 m
3.00 h
Nach Passieren der Beverbach-Talweitung und der Domäne Forst am Fuß des Eversteiner Burgbergs schwingt die Weser nach links. Damit beginnt ein durch weit ausholende Mäander gekennzeichneter Talabschnitt im
Muschelkalk bzw. in der Verwerfungszone von Muschelkalk (Ottensteiner Hochfläche, links) und Buntsandstein (Vogler, rechts). Charakteristisch ist der ausgeprägte Wechsel zwischen Prall- und Gleithängen: In den Prallhängen am Eckberg zwischen Polle und Brevörde, am Kollberg bei Grave, am Tenterling bei der Steinmühle und an den Breitesteinklippen bei Rühle stehen die Felswände so steil bzw. sind die Klippen derart vom Fluss unterspült, dass entweder überhaupt kein Platz für Straßen war oder diese ins Gestein gesprengt werden mussten. Die Gleithänge hingegen bieten geeignete Orte für Landwirtschaft und kleinere Siedlungen. Dank des verkehrsfeindlichen Geländes wurde auf dieser Mäanderstrecke keine einzige Stadt gegründet. An der noch verkehrsgünstigsten Stelle ließen die Grafen von Everstein auf einem das Tal beherrschenden Bergkegel die Burg Polle errichten, nachdem sie 1284 ihre Stammburg auf dem Eversteiner Burgberg an die Welfen verloren hatten. Polle ist das bedeutendste unter den sieben Dörfern dieses Talabschnitts. Domäne Forst In Holzminden folgt der Weser-Radweg kurz der B84 und wechselt dann links in das Grünland längs der Weser, wobei bald ein Deich die aussichtsreiche Route vorgibt, nun auf dem Gebiet des Fleckens Bevern. Vor der Domäne Forst endet der Forster Damm, im kleinen Ort Forst mündet der Weser-Radweg auf die Kreisstraße und folgt ihr links auf einem Weg in leicht hügeligem Gelände. 4 km ab Forst zweigt der Weser-Radweg rechts hinauf ab; wer Burg Polle besichtigen will, folgt der Kreisstraße geradeaus zur Weserfähre nach Polle.
Dölme Am Weserdampfer-Anleger beim Fachwerkdorf Reileifzen erreicht der Weser-Radweg wieder den Fluss und folgt ihm unterhalb des Dorfs auf dem Uferweg in das Kirchdorf Dölme, den nördlichsten Ortsteil des Fleckens Bevern. Er liegt im malerischen Weserbogen gegenüber den schroffen Felswänden von Steinmühle. Fruchtbare Äcker entlang der Weser, saftige Wiesen an den Hängen und geschlossene Wälder auf den Bergen bieten das für das mittlere Weserbergland typische Landschaftspanorama. Bäuerlich dörfliche Stukturen mit gepflegten Fachwerkbauten verleihen Dölme seine Charakteristik. Außerdem erwarten den Radwanderer eine speziell auf seine Bedürfnisse eingestellte Gastronomie sowie entsprechende Unterkünfte. Rühle Am Fuß der Breitesteinklippen führt der Weser-Radweg meist auf der Straße in das Kirchdorf Rühle. Rühle im Süden des P Voglers ist Namensgeber der Rühler Schweiz und eines der reizvollsten Fachwerkdörfer im Naturpark Solling-Vogler. Das alte Leineweberdorf (»Rühler Linnen«) kam 1324 aus dem Besitz der Grafen von Everstein an den Grafen von Homburg. Nach dem Tod des letzten Homburgers 1409 erbte der Herzog zu Braunschweig und Lüneburg den gesamten Besitz. Aus Dankbarkeit für die Befreiung vom »Fronzins« errichteten die Rühler dem letzten regierenden Herzog, Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg(1844–1884), 1909 das Denkmal auf dem Weinberg hoch über dem Dorf. Der Rühler Weinberg zählt zu den schönsten Aussichtspunkten oberhalb des Weser-Radwegs. Bodenwerder Von Rühle führt der Weser-Radweg durch die Weserwiesen weiter Richtung Bodenwerder, ohne die links des Flusses gelegene Altstadt zu berühren. Über die Brückenstraße gelangt man zu den Sehenswürdigkeiten der Münchhausenstadt. Bodenwerder ist Luftkurort und Jod-Sole-Bad. Den auf dem Werder gegenüber der Lennemündung oberhalb des Klosters Kemnade gegründeten Marktort erwarben 1245 die Edelherren von Homburg vom Kloster Corvey, verliehen ihm 1287 Stadtrechte und bauten ihn planmäßig auf der schmalen Insel aus: Bodenwerder bedeutet »Insel des Bodo«; durch Zuschüttung des die Inselstadt umfließenden
Weserarms entledigte sich Bodenwerder 1938–1948 allerdings seiner Insel-Identität. Nach dem Aussterben der Homburger (1409) fiel Bodenwerder ans Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, 1521 ans Fürstentum Calenberg. Zeuge wirtschaftlicher Blüte der Stadt bis ins 16. Jh. ist die gotische Pfarrkirche Sankt Nikolai (1407–1410, Umbau 1899/1900). Giebelständige Ackerbürgerhäuser prägen die Altstadt, das jetzige Rathaus (Münchhausenstraße 1) ließ 1603 Statius von Münchhausen als Herrenhaus errichten. Hier wurde der fabulierlustige Offizier und Gutsbesitzer Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen 1720 geboren; ein Gedenkraum im Rathaus vermittelt einen Eindruck von seinen Jagd-, Kriegs- und Reiseerlebnissen. Der P Lügenbaron starb 1797 in Bodenwerder. Das Münchhausen-Museum ist in der Schulenburg auf dem parkartig gestalteten Gelände des ehemaligen Gutshofs der Familie Münchhausen untergebracht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour27 km
Höhenunterschied230 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHöxter Hbf.
EndpunktMünchhausenhof in Bodenwerder.
TourencharakterDiese Etappe führt durch den am wenigsten besiedelten, steilsten und so gut wie nicht industrialisierten Teil des Oberwesertals.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 26 Solling und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Höxter–Holzminden.
GastronomieHolzminden, Bevern, Rühle, Bodenwerder.
Informationen
Schloss Bevern: Schloss Bevern zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Weserrenaissance. Statius von Münchhausen ließ auf dem Burgsitz des ausgestorbenen Geschlechts der Herren von Bevern 1603–1612 nach eigenen Vorgaben die doppelgeschossige Vierflügelanlage um einen quadratischen Innenhof errichten und mit Wassergraben, zwei Brücken und Schlossgarten umgeben. Der Prachtbau besteht aus hellem Der Lügenbaron Hieronymus Karl Friedrich von Münchhausen reiste viel und war ein leidenschaftlicher Reiter und Jäger. Mit Berichten über die unglaublichsten Abenteuer unterhielt er auf seinem Gut in Bodenwerder bei Grog und Pfeife seine Freunde. 1781 erschienen zum ersten Mal Schwankerzählungen, die angeblich von ihm stammten. Die nachhaltigste Wirkung hatte die von Gottfried August Bürger erausgegebene Sammlung »Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freyherrn von Münchhausen« (1786). In der Nachfolge kam es zu zahlreichen Bearbeitungen des Münchhausen-Stoffs im Roman, im Drama und im Film. Ein großer Erfolg wurde der Film »Münchhausen« (1943) mit Hans Albers nach dem Drehbuch von Erich Kästner.Oberkirchener und rotem Wesersandstein, der Oberstock und die beiden Obergeschosse des Nordwest-Treppenturms sind hofseitig in Eichenfachwerk gearbeitet. Nach wechselvollem Schicksal wird das Schloss heute u.a. als Kulturzentrum und Restaurant genutzt.
Tourismusbüro
Kultur- und Stadttourismus-Büro Holzminden, Obere Straße 30, 37603 Holzminden, Tel. 0 55 31/936423, Internet www.holzminden.de; Tourist-Information Bevern, Schloss 1, 37639 Bevern, Tel. 0 55 31/990785, Internet www.bevern.de; Tourist-Information Bodenwerder, Münchhausenplatz 3, 37619 Bodenwerder, Tel. 0 55 33/4 0541, Internet www.bodenwerder.de.
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