Durch den Klützer Winkel zum Ostseebad Boltenhagen

Auf meist ebenen Wegen durch das mecklenburgische Hinterland und streckenweise leicht hügelig direkt am Ostseeufer. (Autor: Michael Graf)
32 km
217 m
3.00 h
Nachdem wir mit der Autofähre von Travemünde über die Trave auf die Halbinsel Priwall übergesetzt haben, halten wir uns links, radeln an der Viermastbark Passat vorbei und den Dünenweg entlang bis zu dessen Ende am FKK-Strand. Dort erreichen wir die Asphaltstraße, verlassen Schleswig-Holstein und betreten mecklenburg-vorpommersches Gebiet. Hier finden wir auch einen Gedenkstein für die ehemalige deutsch-deutsche Grenze.
Zwischen Travemünde und dem Ostseebad Boltenhagen liegt der Klützer Winkel mit seinen charakteristischen Backsteinbauten und den weiten Getreidefeldern, die ihn zu einem der fruchtbarsten Gebiete Norddeutschlands machen. »Was man vom Klützer Kirchturm aus sehen kann, das ist unser Winkel«, sagen die Einheimischen, wenn sie nach den Grenzen ihrer Region gefragt werden, und so gelingt es uns auch mühelos, diese auf einer Tagestour zu durchqueren. Am Grenzstein geht es vorbei und durch das Naturschutzgebiet Pötenitzer Wiek weiter bis nach Pötenitz, das wir durchqueren und so bis Harkensee mit einer großen, aber wenig gepflegten Gutsanlage gelangen. Am Ortseingang radeln wir direkt am rechts gelegenen Gutshof mit dem für das 19. Jh. typischen Herrenhaus vorbei links der Beschilderung Neuenhagen nach. Kurz nachdem wir einige idyllisch gelegene, reetgedeckte Bauernhöfe passiert haben, biegen wir links ab, der Beschilderung Groß und Klein Schwansee und der Radbeschilderung Boltenhagen folgend. In Groß Schwansee fahren wir bis zum Ortsende und dort links dem Schild »Zum Strand« nach, den wir auf einer schönen alten Lindenallee, die zu einem wenig sehenswerten Schloss gehört, erreichen. Die Nutzung des leer stehenden Gebäudes ist zurzeit unklar. Der naturnahe, ruhige Sandstrand lädt dagegen zum Baden ein. Parallel zur Küste verläuft ein sehr schlecht befahrbarer Weg aus Betonlochplatten, der so genannte Kolonnenweg, dem wir nach rechts die nächsten, etwas hügeligen 3km durch das Naturschutzgebiet Brooker Wald folgen. Aufgrund der schlechten Wegstrecke halten wir uns dann Richtung Brook. Alternativ kann man jedoch geradeaus auf dem Kolonnenweg gemäß der Radbeschilderung über Steinbeck nach Boltenhagen weiterfahren.
In Brook lohnt es, einen Abstecher nach Kalkhorst zu machen. Ein holpriger Kopfsteinpflasterweg aus Flusskieseln umgibt die erhöht liegende Dorfkirche; der Backsteinbau aus der zweiten Hälfte des 14.Jhs. liegt malerisch zwischen einem alten Baumbestand. Daneben stehen ein niederdeutsches Hallenhaus aus dem 18.Jh. und eine Fachwerkhäuserzeile. Zurück in Brook geht es an alten Alleen vorbei auf einer Teerstraße über Wankenhagen nach Elmenhorst. Dort begrüßt uns am Ortsanfang die bemerkenswerte, frühgotische Backsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13.Jhs. mit dem »verdrehten« Kirchturmdach aus Holzschindeln. Sie liegt mitten im Kirchhof mit seltenen schmiede- und gusseisernen Grabkreuzen. Im Inneren der leider geschlossenen Kirche befinden sich Gewölbe- und Wandmalereien, die zum Teil über 700Jahre alt sind. Wir radeln weiter durch den Ort und wenden uns an der Gaststätte »Eicheneck« nach links Richtung Steinbeck und etwa 1km nach der Rinderaufzucht noch mal links, einem Holzschild mit der Aufschrift »Strand« folgend. Etwas aufwärts fahrend erreichen wir Redewisch und biegen dort zweimal nach links; oben angelangt lohnt sich ein Abstecher zur hohen Steilküste mit dem Aussichtspunkt Großklützhöved. Die letzte Wegstrecke dorthin legt man auf einem schmalen Trampelpfad am besten zu Fuß zurück. Am Aussichtspunkt selbst, der ganz naturbelassen ist, gibt es wenig Platz. Wir folgen nun dem Haubenweg nach rechts und radeln mit schönem Blick auf die links liegende Boltenhagenbucht hinab bis zum Ostseebad Boltenhagen. Der mittlerweile recht ausgedehnte Ort ist heute ein lebhafter Kurort mit Ferien-Anlagen, Kurkliniken, großer Strandpromenade und Seebrücke. Bereits 1830 entwickelte sich aus dem kleinen Bauern- und Fischerdorf ein beliebtes Seebad. Einige der zwischen 1900 und 1930 entstandenen Pensionen im typischen Stil der Bäderarchitektur finden sich noch an der Strandpromenade. Von der 1991 wieder aufgebauten Seebrücke kann man zahlreiche Schiffsausflüge unternehmen, u.a. nach Wismar oder Travemünde. Auf einem gut ausgebauten, straßenbegleitenden Radweg bietet sich von Boltenhagen ein Abstecher nach Klütz an, der Stadt, die der Gegend ihren Namen gab. Man startet dazu an der Kreuzung Ostseeallee/Klützer Straße. Auch hier gibt es eine erhöht gelegene, frühgotische Hallenkirche zu bewundern, noch mehr Anziehungskraft besitzt die größte erhaltene barocke Schloss- und Gartenanlage Mecklenburgs, Schloss Bothmer, von 1729. Eine 300m lange Allee aus senkrecht gespaltenen Linden führt zu einem zweigeschossigen, symmetrischen Backsteinpalais, das nach englischem Vorbild erbaut wurde. Einer der Besitzer des Schlosses, das bis 1921 Residenz der Grafen von Bothmer war, ließ 1803 den ersten Badekarren am Boltenhagener Strand aufstellen. Rückfahrt: Boltenhagen hat keine Zuganbindung, der nächste DB-Bahnhof befindet sich in Grevesmühlen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied217 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTravemünde.
EndpunktOstseebad Boltenhagen.
TourencharakterAuf kleinen Asphaltwegen erkunden wir die typisch mecklenburgerische Landschaft des Klützer Winkels mit seinen urtümlichen Dörfern. Aber auch die Ostseeküste mit dem Naturschutzgebiet Brooker Wald und der Steilküste bei Großklützhöved sind sehr reizvoll.
Beste Jahreszeit
KartentippDeutsche Radtourenkarte Blatt 3, Fehmarn - Holsteinische Schweiz - Mecklenburgische Ostseeküste, 1:100000.
MarkierungenTeilweise Ostseefernradweg, teilweise Kfz-Beschilderung.
VerkehrsanbindungTravemünde ist mit der DB und mit dem Auto problemlos zu erreichen. Von Lübeck aus verkehren auch Schiffe.
GastronomieWenige Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke, z.B. in Harkensee, Groß Schwansee u. Elmenhorst.
Tipps
Die hoch gelegene, 1902 erbaute Holländermühle in Klütz bietet eine herrliche Aussicht auf die Landschaft des Klützer Winkels. Heute befindet sich darin die gehobene Gaststätte Klützer Mühle, Tel. 038825/22102.
Verleih
Bahnhof Travemünde.
Unterkunft
Zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten aller Kategorien sowie Campingplatz in Boltenhagen.
Tourismusbüro
Kurverwaltung, Ostseeallee 34, 23496 Boltenhagen, Tel. 038825/3600, Fax 038825/36030, www.Boltenhagen.de.

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