Durch das Tal der großen Lauter nach Zwiefalten

Ausgesprochen reizvoll ist das Große Lautertal mit seinen Wacholderheiden, Felsen und Burgruinen, sodass es an sonnigen Wochenenden nicht nur auf der Talstraße, sondern auch auf dem autofreien Fuß- und Radweg lebhaft zugeht und die Grillstellen dicht umlagert sind. Ruhiger wird es auf dem Donau-Radweg, auf dem vor allem Radler mit schwerem Gepäck unterwegs sind, die sich den Donau-Radwanderweg bis Passau, Wien oder Budapest vorgenommen haben. (Autor: Ute und Peter Freier)
40 km
90 m
3.00 h

Von Buttenhausen nach Bichishausen  

Von Buttenhausen, das mit einem ausgeschilderten Rundgang zu einem israelitischen Friedhof und zu einer Ausstellung im ehemaligen Schulhaus an die einstige jüdische Gemeinde erinnert, führt am Fuß des Talhangs ein breiter Wirtschaftsweg talabwärts nach Hundersingen mit der auf einem felsigen Bergsporn sitzenden Burgruine Hohenhundersingen.

Von Hundersingen gelangen wir nach Bichishausen und passieren gleich am Ortsanfang eine etwas erhöht sitzende Burgruine mit den Resten einer mächtigen Schildmauer. An der barocken Dorfkirche fällt der Zwiebelturm auf. Hier handelt es sich, im Gegensatz zu den Kirchen im oberen Teil des Lautertals, um eine katholische Kirche, denn bei Bichishausen verlief einst die Grenze zwischen dem Herzogtum Württemberg und dem Herrschaftsbereich derer von Fürstenberg; an der Talstraße steht noch ein Zollhäuschen. Diese Grenze wurde mit der Reformation im 16. Jahrhundert auch zur Grenzlinie zwischen Protestanten und Katholiken, weshalb man ab hier talabwärts, im ehemaligen Herrschaftsbereich der katholischen Fürsten von Fürstenberg, immer wieder auf Feldkreuze und Bildstöcke stößt oder auf einen Kreuzweg wie bei Weiler.

Gundelfingen, Weiler und Indelhausen

Wenig später erreichen wir das am Fuß eines Umlaufbergs liegende Dörfchen Gundelfingen mit gleich zwei Burgen: die bewohnte und daher nicht zugängliche Burg Niedergundelfingen auf einem kegelförmigen Umlaufberg und die umfangreiche Ruine Hohengundelfingen an der Talkante. Wir umrunden den Umlaufberg und passieren kurz darauf das einst nur aus einem Mühlenhof bestehende Wittsteig; der Mühlenhof wurde zu einem Gasthof ausgebaut. Entlang der nun stark mäandrierenden Großen Lauter passieren wir einen Rastplatz am Klingelfelsen; oberhalb des Felsens steht die zu einem Wanderheim ausgebaute Burg Derneck.

Im zunehmend engeren Tal erreichen wir die aus wenigen Bauernhöfen bestehende Ortschaft Weiler mit der Otmarskapelle aus dem 14. Jahrhundert, die als Wehrkirche diente, wie eine Schießscharte in der Westwand zeigt. Ganz interessant ist eine Schneckenfarm, die seit einigen Jahren die alte Tradition der Schneckenzucht im Lautertal fortführt. Eine Skulptur auf der Lauterbrücke erinnert an die Weinbergschneckenzüchter, die einst ihre »Ernte« bis nach Frankreich exportierten. Hier überqueren wir den Bach, passieren Indelhausen mit seinem außerhalb des Ortskerns stehenden Fachwerk-Rathaus (um 1500), das noch die damals typischen, über Eck geführten Erkerfenster aufweist, und erreichen kurz darauf Anhausen.

Ein autofreier Talabschnitt 

Vorbei an der St.-Ursula-Kapelle, fahren wir durch das hübsche Anhausen mit der imposanten Ruine der Schülzburg, einst Wohnsitz der Herren von Speth. Sie ließen im 17. Jahrhundert bei der mittelalterlichen Burg ein Schloss errichten, das bis zur Zerstörung durch ein Feuer im Jahr 1884 bewohnt war. Kurz hinter Anhausen wird das Tal sehr eng, sodass die moderne Straße über die Höhen geführt werden musste. Zunächst fahren wir unterhalb der Maisenburg an einem beliebten Bade-, Grill- und Spielplatz vorbei, sehen die Burgruine Wartstein und passieren das Dörfchen Unterwilzingen.

Einige Minuten später sind an der Talkante die Burgruine sowie einige Häuser von Reichenstein zu sehen, und kurz darauf erreichen wir die einzeln stehende Gaststätte Laufenmühle.

Über Obermarchtal nach Zwiefalten

Ein Sträßchen führt nach Lauterach, und unmittelbar vor der Lauterbrücke biegen wir rechts ab. Unweit der Mündung der Großen Lauter in die Donau stoßen wir auf den Donau-Radwanderweg, folgen ihm nach rechts zwischen den Gleisen der Linie Ehingen–Riedlingen und der Donau und passieren Obermarchtal mit seinem erhöht liegenden, beeindruckend großen Barockkloster – heute u.a. ein Weiterbildungszentrum und eine Schule – mit sehenswerter Kirche, die Ende des 17. Jahrhunderts von Vorarlberger Baumeistern errichtet und von Stuckateuren der Wessobrunner Schule ausgestaltet wurde.

Bei Rechtenstein, einem an den Talhang gedrängten Dorf mit dem Bergfried als letztem Rest einer Burg und einem Rokokokirchlein, überqueren wir die Donau und steigen nach wenigen Minuten zur B311 an. Neben und in geringer Entfernung zur Straße erreichen wir Datthausen, gelangen wieder an die Donau und nach Zwiefaltendorf. Noch im Ort wenden wir uns nach rechts, fahren entlang der Zwiefalter Ach talaufwärts und passieren den auf der anderen Talseite liegenden Ort Baach, ehe wir Zwiefalten mit seiner barocken Klosterkirche erreichen. In den einstigen Klostergebäuden wurde u.a. eine psychiatrische Klinik eingerichtet.

Rückfahrt: Am barocken Peterstor, durch das man den Klosterbezirk betritt, steigen wir in den RAB-Radbus ein, der uns nach Buttenhausen zurückbringt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour40 km
Höhenunterschied90 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktButtenhausen.
EndpunktZwiefalten.
TourencharakterAbwechslungsreiche, weitgehend autofreie Streckentour; abwärts im engen Tal der Großen Lauter, anschließend talaufwärts entlang Donau und Zwiefalter Ach mit kurzem Anstieg; überwiegend asphaltierte und befestigte Rad- und Wirtschaftswege. 
Hinweise
Bademöglichkeiten: Badeplätze an der Großen Lauter; Freibad in Zwiefalten.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 53 (Neckar-Alb) oder 54 (Oberschwaben), 1 - 100000.
MarkierungenIm Tal der Großen Lauter Radwegweiser im Donautal Donau-Radwanderweg.
VerkehrsanbindungPKW - A8 Stuttgart–Ulm, Ausfahrt 55 (Wendlingen); B313 nach Metzingen, B28 nach Bad Urach und geradeaus B465 nach Münsingen; rechts abbiegen nach Buttenhausen; Wanderparkplatz bei den Sportanlagen
Rückfahrt: RAB-Radbus Zwiefalten–Münsingen, 1. Mai – Mitte Oktober an Sonn- und Feiertagen; Abfahrt in Zwiefalten am Peterstor der Klosteranlage; RAB-Kunden-Center, Tel. 07381/9394-0, www.zugbus-rab.de
GastronomieIn allen Orten an der Strecke außer in Weiler; u.a. Gaststätte mit Terrasse am Kanuverleih Bichishausen und Gaststätte Laufenmühle mit Außenbewirtung.
Tipps
Burgen im Tal der Großen Lauter: Im Mittelalter wurden im Tal der Großen Lauter auf einer Länge von 23 Kilometern 18 Burgen errichtet, die bis in das 16. Jahrhundert adligen Herren als wehrhafte Wohnsitze dienten. Ein tiefer Halsgraben und eine mächtige Schildmauer schützten die auf Felsspornen sitzenden Burgen gegen bergseitige An-griffe, aber nachdem im 15./16. Jahrhundert durchschlagskräftige Geschütze entwickelt worden waren, die jede Burg in Trümmer legen konnten, wurden die meisten Burgen verlassen. Sie verfielen und dienten der Bevölkerung als Steinbrüche für den eigenen Hausbau. Nur wenige Burgen wie die Schülzburg bei Anhausen wurden zu komfortableren Schlössern umgebaut, in anderen wie der Burg Derneck wurde ein Forsthaus eingerichtet, und seit der romantischen Verklärung des Mittelalters im 19. Jahrhundert wurden oftmals Bergfriede begehbar gemacht und mit einer Aussichtsplattform versehen.

Gasthof mit Höhle: Der Gasthof Rössle der Brauerei, Brennerei und Mosterei Blank in Zwiefaltendorf lohnt einen Besuch, denn nach einer schwäbischen Mahlzeit kann man aus dem Keller des Gebäudes in eine Tropfsteinhöhle einsteigen. 88499 Zwiefaltendorf, Tel. 07373/643, www.zwiefaltendorf.de
Tourismusbüro
Touristik Information, Hauptstraße 13, 72525 Münsingen, Tel. 07381/182145, www.muensingen.de

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