Durch das Schaumburger Land

nahezu steigungslose Fahrt auf Fahrradwegen neben Straßen und auf autofreien Asphalt- und Wirtschaftswegen im Grünland. (Autor: Bernhard Pollmann)
28 km
90 m
3.00 h
Bei Fischbeck unterhalb von Hameln sinkt der Keuper unter die Talaue,
an seine Stelle treten nun Tone und Tonschiefer, gleichzeitig rücken im
P Süntel die harten Kalkstufen des Oberen Jura näher an den Fluss
heran und begrenzen markant das weite Tal, während die beackerten
und bewaldeten Keuperberge links des Flusses unscharf zerfließen. Der harte, steile und teilweise in Klippen herauspräparierte Kamm zwingt die Weser nach Westen und begleitet sie unter den Namen Süntel und Wesergebirge bis zur Porta Westfalica. Zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln thront oberhalb des Flusses die sehenswerte P Schaumburg, Stammsitz der Schaumburger, die sich in Holstein Schauenburger nannten. Fischbeck mit dem berühmten ehemaligen Augustiner-Kanonissenstift am Südfuß des Süntel ist der älteste urkundlich belegte Ort des Schaumburger Landes. Fischbecker Landstraße Vom Senior-Schläger-Platz am Rand der Altstadt von Hameln folgt der Weser-Radweg der altstadtseitigen Flussfront durch die Papen- und die Sudetenstraße zum zentralen Busbahnhof
An der Pfortmühle. Hier geht es auf einem Fußgängersteg schräg links ans Weserufer und nach Unterqueren der Thiewallbrücke (B83) weiter geradeaus auf der Weserpromenade, vor dem Gelände der Jugendherberge rechts versetzt und am Ende links auf den Radweg (links!) neben der Fischbecker Straße (B83), die endlos lange die Route vorgibt und bald Fischbecker Landstraße heißt. Nach Passieren der Wehrberger Warte durchquert der Radweg (stets links!) die Ortslage Wehrbergen, verlässt kurz hinter den letzten Häusern die Bundesstraße und führt auf einem Wirtschaftsweg links hinaus ins Grünland. Nach dem Wechsel auf das Gebiet der Stadt Hessisch Oldendorf erreicht der Weser-Radweg einen Rastplatz mit Informationstafeln an der B83 direkt am Eingang von Fischbeck. Fischbeck Das Weserdorf Fischbeck am Südfuß des Süntel wartet mit dem besterhaltenen unverfälschten romanischen Großbau des Weserberglands auf: Die Stiftskirche mit ihrem markanten Turm wurde im 12./13. Jh. als kreuzförmige flach gedeckte Basilika mit Westriegel, Hallenkrypta und apsidialem Chorschluss errichtet. Von den mittelalterlichen Stiftsgebäuden auf der Südseite der Kirche sind der dreiseitige Kreuzgang und Teile des westlichen Klausurtrakts erhalten. Durch ihre Geschlossenheit zählt die Anlage mit Kirche und Kreuzgang zu den bedeutendsten Beispielen mittelalterlicher Klostertradition an der Oberweser. Gegründet wurde das Kloster im ältesten Ort des Schaumburger Lands durch die aus einem sächsischen Grafengeschlecht stammende Edelherrin Helmburg; durch die Urkunde vom 10. Januar 955 nahm der König und spätere Kaiser Otto der Große das Kloster unter königlichen Schutz. Um 1250 wurde die Augustinerregel eingeführt. Als 1559 die Lehre Martin Luthers Einzug hielt, wurden die Altäre entfernt, die katholischen Goldgeräte eingeschmolzen und zu Geld gemacht, die kostbaren Messbücher und Gewänder verkauft. Zerstört wurde das Kloster nicht: Unter lutherischem Vorzeichen wurde es in ein Stift für unverheiratete Töchter des Adels umgewandelt. Die Fachwerkbauten bei Kirche und Kreuzgang enthalten heute Wohnungen für evangelische Stiftsdamen, die hier in christlicher Gemeinschaft und in Verantwortung für Kirche, Archiv und Gärten ihr Leben relativ frei gestalten und vielfältige kulturelle Aufgaben wahrnehmen (und keineswegs adelig sein müssen). Die Stiftskirche bildet u.a. den Rahmen für Konzerte. Der gesamte von den Stiftsdamen unter der Ägide einer Äbtissin betreute Bereich (www.stift-fischbeck.de) ist eine Insel der Ruhe und zählt zu den schönsten Rastplätzen am Weser-Radweg.
Zu den kostbarsten Ausstattungsstücken der Stiftskirche zählen ein romanisches Triumphkreuz (13. Jh.) und der Fischbecker Wandteppich (1583) mit der Darstellung der Gründungslegende. Danach geriet Gräfin Helmburg in den Verdacht, ihren Gatten durch einen Wundertrank, den ihr ein Pilger mit schönen Augen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte, vergiften zu wollen. Dreimal unterzog sich Helmburg der Feuerprobe, um ihre Unschuld zu beweisen, zweimal schritt sie durch die Flammen ohne jede Verletzung, beim dritten Mal aber fiel ein Funke auf ihre Schulter und hinterließ ein Feuermal: Der Graf sah ihre Schuld als erwiesen an, verurteilte sie zum Tod und band sie auf einen Karren, den zwei wilde Pferde in die Tiefe zerren sollten. Am Fuß des Burgbergs blieben die wilden Pferde stehen und tranken aus einem Bach, Helmburgs Fesseln lösten sich auf wunderbare Weise und als sie aus dem Bach Wasser schöpfte, blieb ein goldfarbenes Fischlein in ihrer Hand. Da nannte sie den Bach »Fischbeck« und gelobte, ihr weiteres Leben Gott zu weihen und ein Kloster zu gründen. Helmburgs Mann starb 941; die erste Äbtissin von Kloster Fischbeck wurde Alfheid, die jüngste von Helmburgs fünf Töchtern. Helmburg verließ Kloster Fischbeck 965 und trat in das Kloster Hilwartshausen (heute nur noch ein Gutshof) bei Hann. Münden ein, wo sie 970 Äbtissin wurde und 973 starb. Hessisch Oldendorf Am Rastplatz am Ortsrand des Klosterdorfs Fischbeck verlässt der Weser-Radweg die Bundesstraße und führt an Baggerseen
vorbei durch die aussichtsreichen Weserwiesen südlich von Hessisch
Oldendorf. Wer beim Kirchdorf Fuhlen (erste Straßenbrücke) auf die
Straße wechselt, erreicht in wenigen Minuten Hessisch Oldendorf. Bahnhof und Münchhausen-Hof liegen am diesseitigen Ende der Stadt. Der Münchhausen-Hof am Rand der Altstadt von Hessisch Oldendorf ist einer der bedeutendsten schaumburgischen Adelshöfe. Der ehemalige Ritterhof gelangte 1560 durch Heirat an die Familie von Münchhausen, die ihn 1582–1585 im Stil der Weserrenaissance zu einer schlossartigen Zweiflügelanlage mit achteckigem Treppenturm und weserseitiger Schauseite umbauen ließ. 1579–1640 lebte hier der Büchersammler Ludolf von Münchhausen, der eine einzigartige wissenschaftliche Bibliothek mit
über 13000 Bänden zusammentrug; nach seinem Tod ging sie verloren. Seit 1947 ist der heutige Gutshof nicht mehr im Besitz der Familie von Münchhausen. – Oldendorf wurde im 13. Jh. von den Schaumburgern an der Heerstraße Minden–Hildesheim als Zollstätte an der Weser gegründet. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stadt 1647 hessisch. Nachdem Kurhessen 1866 von Preußen annektiert worden war, erhielt die Stadt 1905 den amtlichen Namen Hessisch Oldendorf zur Unterscheidung von Preußisch Oldendorf (bei Minden). Großen- und Kleinenwieden Nach schöner, autofreier Fahrt durch die Weserwiesen erreicht der Weser-Radweg das Kirchdorf Großenwieden (Einkehr und Übernachtung), wo die nördlichste Gierseilfähre der Weser verkehrt. Auf der Kreisstraße geht es weiter in den Reiterhof-Weiler Kleinenwieden, den westlichsten Stadtteil von Hessisch Oldendorf. Der Ort mit seinen Kötnerhöfen wurde in sächsischer Zeit auf einer Weserinsel gegründet. Im Mittelalter unterstand er den Schaumburger Grafen. Am Kriegerdenkmal schwingt die Kreisstraße rechts, während der WeserRadweg links in die Sackgasse abzweigt und dann auf den autofreien Uferweg wechselt. Wer der Kreisstraße landeinwärts folgt, kann einen Abstecher zur Schaumburg im Hang des Wesergebirges unternehmen. Rinteln Die Weser-Stadt Rinteln wartet mit einer der besterhaltenen Fachwerkaltstädte im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln auf. Ganze Straßenzüge bestehen aus Fachwerkhäusern des 16.–18. Jh. mit prachtvollem Schnitzdekor, so in der Brenner-, Bäcker-, Kreuz- und Schulstraße, am Kirch- und am von der gotischen Hallenkirche Sankt Nikolai dominierten Marktplatz. Sehenswert sind auch die Burgmannenhöfe im Stil der Weserrenaissance, darunter der Münchhausenhof (1546) und die Eulenburg (1591), in der das Schaumburgische Heimatmuseum untergebracht ist. Auch das Alte Rathaus (1583) ist im Stil der Weserrenaissance gehalten. Die Grafen von Schaumburg ließen die Stadt Rinteln im 13. Jh. links der Weser anlegen (Stadtrecht 1239), um den von ihnen kontrollierten Weserübergang mit Zollstätte zu sichern und einen starken Stützpunkt an der Südwestflanke des schaumburgischen Territoriums zu schaffen. Die Verlegung der in Stadthagen gegründeten schaumburgischen Landesuniversität im Jahr 1621 nach Rinteln unterstrich die Vorrangstellung Rintelns unter den schaumburgischen Städten. Nach dem Aussterben der Schaumburger (1640) fiel Rinteln mit einem Großteil der Grafschaft an Hessen-Kassel und wurde als Regierungssitz der hessischen Grafschaft Schaumburg 1665–1671 zu einer Festung mit Redouten ausgebaut.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied90 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSenior-Schläger-Platz am Südwestrand der Altstadt von Hameln an der Münsterbrücke (B1). Wer mit der Bahn anreist, durchquert die Altstadt und stößt auf der Weserseite auf den Weser-Radweg.
EndpunktDB-Bahnhof Rinteln.
TourencharakterAb der Rattenfängerstadt Hameln bleibt die Bundesstraße auf etwa 10 km eine lautstarke Begleiterin, ehe der Weser-Radweg bei Fischbeck in angenehmer Autofreiheit in die aussichtsreichen Grünlandfluren des Schaumburger Lands eintaucht.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1 : 75000 Blatt 22 Schaumburg (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen) oder Freizeitkarte NRW 1: 50000 Blatt 6 Lipper Land (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Hameln– Hessisch Oldendorf–Rinteln.
GastronomieHameln, Fischbeck, Hessisch Oldendorf, Großenwieden, Rinteln.
Informationen
Das Wesergebirge: Das Wesergebirge im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln ist der nördlichste Bergzug rechts der Oberweser und der zentrale Höhenzug im Schaumburger Land. Vom Weserdurchbruch an der Porta Westfalica streicht der an der Paschenburg (336 m) gipfelnde, bewaldete Schichtkamm ostwärts bis zum Rohdental, das oberhalb von Hessisch Oldendorf das Wesergebirge vom Süntel trennt. Die Schaumburg im Südhang des Wesergebirges ist ein Wahrzeichen des Schaumburger Lands. Wie zahlreiche andere Bergzüge des nördlichen Weserberglands ist das aus Korallenoolithen des Oberen Jura aufgebaute Wesergebirge vom Abbau bedroht (www.weserberge.de). Bei Rinteln-Steinbergen ist in einem Steinbruch der Freizeit- und Kulturpark »Erlebniswelt Steinzeichen« entstanden (www.steinzeichen.de): Er soll unterstreichen, dass Steinbrüche »renaturiert« und von industriell zu »kulturell« genutzten Räumen umgewandelt werden können, auch wenn das Gebirge verschwunden ist.
Tourismusbüro
Hameln Marketing und Tourismus, Deisterallee 1 (am Bürgergarten), 31785 Hameln, Tel. 01 80/5 515150, Internet www. hameln.de; Tourist-Information Hessisch Oldendorf, Lange Straße 63, 31840 Hessisch Oldendorf, Tel. 0 51 52/19433, Internet www.hessisch-oldendorf.de; Tourist-Information Rinteln, Marktplatz 7, 31737 Rinteln, Tel. 0 57 51/403980, Internet www.rinteln.de.
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