In die Rattenfängerstadt

überwiegend autofreie Wege. Geringe, zuweilen steile Steigungen von jeweils maximal 30 Hm. (Autor: Bernhard Pollmann)
25 km
160 m
3.00 h
Bei Bodenwerder verlieren der Muschelkalk der Ottensteiner Hochfläche und der Buntsandstein des Voglers ihren landschaftsgestaltenden Einfluss, das Tal wird sonnig und weit, in der Ferne zeigt sich als markanteste Bergerscheinung der Ithkamm. Mitten in diese ruhige, idyllische Talweitung wurde der Druckwasserreaktor Grohnde mit seiner 135 m hohen Kühlturmkulisse hineingebaut. Nach der Einmündung der Emmer beginnt eine Fruchtaue, die als »Weser-Sonnental« bezeichnet wird: Anstelle der oft dramatischen Felsformationen des Muschelkalks begleiten den Fluss nun weite Kulturlandschaften mit Ackerfluren auf mächtigen Lösslehmdecken, die Berge treten weit zurück, der Fluss hat nur noch ein geringes Gefälle.
Wiesenfahrt nach Hagenohsen Von den Wiesen rechts der Weser gegenüber der Münchhausenstadt Bodenwerder führt der Weser-Radweg autofrei flussabwärts, unterquert die Eisenbahnbrücke, überquert die hier in die Weser mündende Lenne und wechselt bald nach Unterqueren der Bundesstraßenbrücke auf einen Weg unterhalb einer Straße am Fuß des Eckbergs (Bismarckturm) und dann des Heiligenbergs. Nach und nach werden die Berge niedriger, der Weg erhält Asphaltbelag, am gegenüberliegenden Ufer gleitet die Silhouette des Haufendorfs Hehlen mit der Immanuelskirche (1697–1699) und dem Schloss (1579–1584) vorüber. Nach Passieren der Fähre in dem Dorf Daspe geht es weiter am Weserufer entlang, bald auf einem Wirtschaftsweg, der an der Kreisgrenze (hier links versetzt weiter) in den Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln eintaucht und am Kirch- und Gutsdorf Hajen (Weserfähre) das erste Dorf der Gemeinde Emmerthal erreicht. Die nächste Fähre ist die Grohnder Fähre (Campingplatz). Weiterhin in angenehmer Wiesenfahrt führt der Radweg an Latferde und am Atomkraftwerk Grohnde vorbei und erreicht schließlich unter alten Bäumen einen schönen Rastplatz am griechischen Restaurant in Hagenohsen am Fuß des Bückebergs. Der Bückeberg (151 m), eine sanft geschwungene Muschelkalkhöhe rechts der Weser bei Emmerthal-Hagenohsen, war 1933–1938 der zentrale Festplatz der nationalsozialistischen Reichserntedankfeste und zugleich Dauerbaustelle des von Albert Speer entworfenen »Reichsthingplatzes Bückeberg« mit gigantischen Ausmaßen. Bei der jährlich Anfang Oktober inszenierten Veranstaltung lauschten jeweils etwa eine Million Menschen dem Führer. Der Gipfelbereich, über den eine Straße führt, bietet eine erstklassige Aussicht nordwestwärts auf Hameln; im Norden ragt der Süntel mit den Felsen des Hohensteins auf; im Turm der Domäne Ohsen am Westfuß des Bückebergs soll der westfälische Freiheitskämpfer Widukind vor den Truppen Karls des Großen Zuflucht gefunden haben. Das aussichtsreiche Festtagsgelände einschließlich der ab 1933 erbauten Infrastruktur im Nordhang ist in überwachsenen Holzruinen weitgehend erhalten, auch der Führerweg zeichnet sich noch deutlich im Gelände ab. Dass ausgerechnet der Bückeberg für diese Propagandafeste ausgewählt wurde, liegt an seiner natürlichen Bühnenfunktion mit wunderbarem Blick von dem unbewaldeten Nordhang ins Weserbergland, der Nähe zur Weser als dem »deutschesten aller Ströme« und schließlich der gedachten Lage im Gebiet der Varusschlacht. Emmerthal Vom Rastplatz in Hagenohsen aus folgt der Weser-Radweg weiter autofrei dem Strom und unterquert eine Straßenbrücke, über die die Bahn-Rad-Route Hellweg–Weser auf den Weser-Radweg wechselt (identische Routenführung der beiden Radfernwege bis Hameln, wo die Bahn-Rad-Route Hellweg–Weser endet). Die wuchtige, burgartige Anlage der Domäne Ohsen bildet rechts des Radwegs den architektonischen Schlusspunkt der Gemeinde Emmerthal. Gleich darauf unterquert der Weser-Radweg eine Eisenbahnbrücke und führt dahinter schräg rechts versetzt geradeaus. Am gegenüberliegenden Ufer wird bald darauf die Mündung der Emmer sichtbar. Die Gemeinde Emmerthal im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln ist benannt nach der Emmer, einem der schönsten Weserseitentäler. Hoch über der mittleren Emmer thront die Hämelschenburg (1588–1606), ein Hauptwerk der Weserrenaissance. Tündern Das Kirch- und Windmühlendorf Tündern ist der südlichste Stadtteil von Hameln und ein beliebter Rastpunkt am Weser-Radweg (auch Unterkunft), ehe der Schlussspurt in die Rattenfängerstadt beginnt. Viel besucht ist auch die Gaststätte »Tündernsche Warte«, deren Name allerdings eine Schöpfung der Neuzeit ist: Die Hamelner Warten waren Schlagbaum-Häuser rund um die Stadt an den Stellen, an denen die Ausfallstraßen aus den Stadttoren die mittelalterliche Landwehr kreuzten. Hameln Die niedersächsische Kreisstadt Hameln ist die größte Stadt im Weserbergland. Die wirtschaftliche Blüte im 16./17. Jh. machte aus ihr ein Zentrum der Weserrenaissance, was sich noch heute an zahllosen
Renaissancebauten in der vorbildlich sanierten Altstadt ablesen lässt.
Der P »Rattenfänger von Hameln« ist seit Jahrhunderten das Wahrzeichen der Stadt, die neben Hann. Münden als zweite bedeutende Stadt des
Weserberglands im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieb. Zu den bedeutendsten Bürgerhäusern zählen dabei das Rattenfängerhaus (1602/03) und das Hochzeitshaus (1610–1617) sowie das Leisthaus (1585–1589), in dem das Heimatmuseum untergebracht ist.
Die Münsterkirche Sankt Bonifatius ist eine spätromanisch-gotische Hallenkirche (11.–14. Jh.) mit Krypta. Tausende von Ratten (auf das Pflaster gemalt) weisen in Hameln den Weg beim Rundgang durch die Altstadt. Das Museum Hameln befindet sich in der Osterstraße mitten in der historischen Altstadt im Stiftsherrenhaus und im Leisthaus; es beherbergt u.a. die weltweit umfangreichste Sammlung zur Rattenfängersage. Hameln entstand an der Kreuzung der Wasserstraße Weser mit den mittelalterlichen Handelsstraßen Paderborn–Hannover und Minden–Hildesheim.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour25 km
Höhenunterschied160 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMünchhausenhof in Bodenwerder.
EndpunktDB-Bahnhof Hameln.
TourencharakterMit überwiegend autofreien Feld- und Asphaltwegen zählt die bequeme Fahrt durch das aussichtsreiche Wiesenland des Weser-Sonnentals zwischen der Münchhausenstadt Bodenwerder, der Mündung der Emmer und der Rattenfängerstadt Hameln zu den angenehmsten Etappen im Weserbergland.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1: 75000 »Weser-Radweg« (Bielefelder Verlagsanstalt).
VerkehrsanbindungDB-Linie Höxter–Holzminden.
GastronomieBodenwerder, Grohnder Fähre, Hagenohsen, Tündern, Hameln.
Informationen
Der Rattenfänger von Hameln: Der Rattenfänger von Hameln ist eine der bekanntesten deutschen Sagengestalten. Schätzungen zufolge ist er mehr als einer Milliarde Menschen weltweit ein Begriff, auch wenn die Bedeutung variiert. Den unterschiedlichen Berichten zufolge – der älteste gedruckte datiert von 1555/56 – war der Piper von Hameln ein Jüngling mit silberner Flöte, der am Peter- und Paulstag des Jahres 1284 etwa 130 Kinder durch das Ostertor hinausführte, »die Mutter des Herrn Dekans sah die Kinder fortziehen«. Der Exodus Hamelensis wird am Rattenfängerhaus inschriftlich so beschrieben: ANNO 1284 AM DAGE JOHANNIS ET PAULI WAR DER 26 JUNII DORCH EINEN PIPER MIT ALLERLEI FARVE BEKLEDET GEWESEN CXXX KINDER VERLEDET BINNEN HAMELEN GEBON TO CALVARIE BI DEN KOPPEN VERLOREN. Durch das ehemalige Ostertor am Ostende der Osterstraße sollen der Rattenfänger und die Kinder aus Hameln ausgezogen sein. Heute ist die Osterstraße Fußgängerzone und eine der Haupteinkaufsmeilen der Stadt.
Tourismusbüro
Tourist-Information Bodenwerder, Münchhausenplatz 3, 37619 Bodenwerder, Tel. 0 55 33/4 0541, Internet www.bodenwerder.de; Tourist-Information Emmerthal, Rathaus, Berliner Straße 15, Tel. 0 51 55/9 7290, Internet www.emmerthal.de; Hameln Marketing und Tourismus, Deisterallee 1 (am Bürgergarten), 31785 Hameln, Tel. 01 80/5515150, Internet www. hameln.de.
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