Radtour in Bremen

In die grünen Marschen von Stedingen

Von der Bremer Weserpromenade führt der Weser-Radweg nach kurzer vorstädtisch geprägter Passage hinaus in das aussichtsreiche Grünland längs des Stroms und wechselt am Ochtum-Sperrwerk in die grüne Marschenlandschaft von Stedingen. (Autor: Bernhard Pollmann)
32 km
110 m
3.00 h

Zum Seehauser Ufer

Auf der autofreien Schlachte, der Weserpromenade am Rand der Bremer Altstadt, geht es stromabwärts und an der Stephaniebrücke links zum Bahnhof Bremen-Neustadt. Hier zweigt die Woltmertshauser Straße ab, auf der der Weser-Radweg stadtauswärts führt. Vorsicht: An der kleinen Piazza vor der links abzweigenden Dötlinger Straße geht es links ab auf einen autofreien Weg unter Bäumen, an der ersten Straße rechts (Bohnenkamp: Zweigt man dort gleich links auf den autofreien Weg ab, gelangt man zum Neuen Schutzdeich und folgt ihm rechts) und wenig später halb links (Butjadinger Straße).

Am Ende der Butjadinger Straße links zum Wendeplatz vor dem Schutzdeich und nun rechts auf dem asphaltierten Schutzdeich zwischen Bäumen und später Schrebergärten – sehr schöne Fahrt! Der ersten kreuzenden Straße (Stromer Landstraße) folgt der Weser-Radweg links, überquert den Rablinghauser Vorfluter und wechselt an der Kreuzung rechts auf die Senator-Apelt-Straße. Diese führt anfangs durch ein Industriegebiet, überquert nach der Linkskurve Eisenbahngleise und zweigt an der nächsten Kreuzung rechts ab: Im Grünen geht es fast ohne Autoverkehr lange Zeit geradeaus, ehe der Weser-Radweg an der kleinen Ampelanlage nach Überqueren des Vorfluters rechts abzweigt und an den Schlepperliegeplätzen von Seehausen die Weser erreicht.

Aussichtsreich folgt der Radweg dem Seehauser Ufer, wechselt nach Passieren des Hotels »Weser Utkiek« kurz rechts auf die Hasenbürener Landstraße und verlässt sie wenig später rechts, um am Gartenrestaurant »Fährhaus Wessels« den Strom wieder zu erreichen. Das autofreie folgende Wegstück bis zum Ochtum-Sperrwerk ist ein Highlight mit Sonnenbadewiesen rechts und kleinem Wäldchen links.

Ochtum-Sperrwerk

Vor dem Sporthafen Hasenbüren zweigt der autofreie Radweg links ab und wechselt dann rechts auf einen Deich, der an der Gaststätte »Wassersporthafen« vorbei und durch aussichtsreiches Grünland zum Ochtum-Sperrwerk führt. Das Bremer Stadtgebiet endet diesseits der Ochtum. Das Ochtum-Sperrwerk mit einer Sperrhöhe von 6,60 m dient vorrangig dem Hochwasser- und Sturmflutschutz im Mündungsbereich der Ochtum in die von den Gezeiten beeinflusste Unterweser.

Die Inbetriebnahme des Sperrwerks 1976 verkürzte die Länge der sturmflutgefährdeten Deiche an der Ochtum um 22 km. Die Deichstrecken oberhalb des Sperrwerks wurden damals nicht erhöht, sind jedoch auch nicht überflüssig geworden, da der Oberwasserabfluss und Hochwässer im Ochtumgebiet weiterhin Schutzdeiche erfordern. Seither passieren regelmäßig Sportboote die Schleuse.

Sankt-Veit-Denkmal bei Altenesch

Nach Überqueren der Klappbrücke des Ochtum-Sperrwerks führt der Weser-Radweg geradeaus über die Alte Ochtum und wendet sich an der Delmenhorster Straße rechts. Schon bald liegt links in einem Hain das Sankt-Veit-Denkmal, das an die Schlacht bei Altenesch erinnert. Am 27. Mai 1234 schlugen die Kreuzfahrerheere des Bremer Erzbischofs Gerhard II. und seiner Verbündeten die freien P Stedinger Bauern unter Bolko von Bardenfleth, Thammo von Huntorp und Detmar tom Dieke vernichtend.

Das Gemetzel an der Ochtum in der Vollmondnacht vor Christi Himmelfahrt besiegelte den Untergang des freien Stedinger Bauerntums: Die Stedinger wurden abgabenpflichtig, die Landesherrschaft der Bremer Erzbischöfe und der Oldenburger Grafen beidseits der Unterweser wurde wiederhergestellt, Erzbischof Gerhard II. und der Graf von Oldenburg teilten sich das Land. Viele überlebende Stedinger flüchteten nordwärts zu den freien Friesen im Stadland, viele jedoch blieben, auch wenn sie nun abgabenpflichtige Untertanen waren. In den folgenden Jahrhunderten blieb Stedingen ein Unruheherd, da die Stedinger ihre alte Freiheit nicht vergaßen. 600 Jahre nach der blutigen Schlacht wurde in einem Hain auf dem Veithügel bei Altenesch das Denkmal gesetzt.

Nobiskuhle

Bald nach Passieren des Sankt-Veit-Denkmals zweigt der Weser-Radweg rechts am Schild »Braake« in die Nobisstraße ein, passiert ein Melkhus und erreicht dahinter die Nobiskuhle. Die Nobiskuhle in Braake beim Lemwerder Ortsteil Altenesch entstand während einer Sturmflut des Jahres 1478. Der Überlieferung zufolge durchstach der von den Bremern mit einer gescheckten Kuh und einem roten Rock bestochene Deichschänder Nobis damals bei Hochwasser den Deich. Nobis wurde ertappt und vom Spatengericht zum Tod verurteilt: Bei lebendigem Leib wurde er in eine mit Nägeln gespickte Tonne gesteckt und in das durch die Deichschändung entstandene Wasserloch gerollt.

In der entsprechenden Ballade heißt es: »De rode Rock, de bunte Koh, de deckt mi armen Sünner to!« Einer anderen Überlieferung zufolge soll der Deichschänder aus einem Dorf auf der gegenüberliegenden Seite der Weser gekommen sein; er habe den Deich durchstochen, um sein eigenes Dorf zu retten.

Bei der Deichschändung kam er ums Leben, sein Leichnam wurde bei der Instandsetzung des Deichs miteingedeicht.Lemwerder Von der Nobiskuhle führt der autofreie schmale Weg durch die Maytagshörne zur Hauptstraße von Tecklenburg, dort geht es kurz rechts und dann erneut rechts ab auf die Deichshauser Straße, die in Deichshausen Süd in die Tecklenburger Straße übergeht. Diese mündet am Ende in Deichshausen auf die Stedinger Straße, der der WeserRadweg rechts ins städtisch geprägte Zentrum von Lemwerder folgt.

Bald nach Passieren des Rathauses erreicht der Weser-Radweg die Verzweigung beim Güterbahnhof von Lemwerder: Die rechts abgehende Straße An der Fähre führt zwischen dem Gelände der Werft Abeking & Rasmussen zur Weserfähre Lemwerder–Vegesack, während der Weser-Radweg der lang gezogenen Industriestraße links am Gelände der Lürssen-Werft vorbei folgt. Die Gemeinde Lemwerder ist Standort dreier international bekannter Großbetriebe: des Flugzeugkomponentenherstellers Aircraft Services Lemwerder (ASL) und der beiden Spezialschiffbauwerften Abeking & Rasmussen (A & R) und Lürssen-Werft; hinzu kommt die Abeking & Rasmussen Rotec GmbH, einer der in Deutschland führenden Produzenten von Rotorblättern für Windkraftanlagen.

Deichfahrt nach Warfleth

Die Bebauung vom Lemwerder endet am rot-weißen Richtfeuer (kleiner Leuchtturm). Der Weser-Radweg zweigt kurz vor den Häusern von Ritzenbüttel rechts ab (Ritzenbütteler Straße) und folgt dann in Bardenfleth der Deichstraße. Ein schöner Platz für eine aussichtsreiche Rast hinter dem Deich ist am Hochwasserbaum ausgeschildert.

Auf kleinsten Sträßchen in Deichnähe, teils autofrei, führt der Weser-Radweg weiter, überquert am Schöpfwerk von Motzen den Motzener Kanal, passiert die Häuser von Ganspe und erreicht die Kirche von Warfleth, wo Rastmöglichkeit unter einer uralten Kastanie neben ebenso alten Eichen besteht. Steigt man hier auf den Deich, sieht man das Naturschutzgebiet »Warflether Sand und Juliusplate«.

Es umfasst einen 100 ha großen, naturnahen Uferabschnitt auf der linken Seite der Unterweser bei Berne. Dieser wird geprägt durch die seltenen Ökosystemtypen vegetationsloses Flusswatt, Tideröhricht, Feuchtgrünland mit artenreicher Grabenvegetation sowie Strandvegetation mit Übergangszonen zu Feuchtgebüschen einerseits und Trockenrasenformationen auf einem Sandrücken andererseits. Durch das Gebiet führt von Ganspe aus ein idyllischer Wanderweg.

Ranzenbüttel

Bald nach Verlassen von Warfleth kreuzt der WeserRadweg in Ranzenbüttel an einem Restaurant die Weserstraße (B74). Nimmt man den Radweg längs der B74 gut 2 km nach Berne, gelangt man zum Bahnhof Berne an der Linie Bremen–Brake–Nordenham; folgt man der B74 nach rechts, gelangt man zum Campingplatz auf der Juliusplate und zur Weserfähre Farge zwischen Berne und dem Bremer Stadtteil Blumenthal. Geradeaus führt der Weser-Radweg weiter wie Tour 16.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied110 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBremen-Schlachte (Weserpromenade) auf dem rechten Ufer der Weser am Altstadtrand, von Bremen Hbf.
EndpunktBerne-Ranzenbüttel; der DB-Bahnhof Berne liegt 2 km vom Weser-Radweg entfernt, sodass die Gesamtlänge bis Berne Bf. 32 km beträgt.
TourencharakterAussichtsreiche, bei Südost-Wind leichte Fahrt auf überwiegend autofreien (Klinker- und Asphalt-)Wegen in steigungsfreiem Grünland.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 29 Bremen und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Bremen–Hude–Berne–Elsfleth–Brake–Nordenham. Mit dem Auto über die A1 Hamburg–Bremen–Ruhrgebiet.
GastronomieBremen, Nobis, Lemwerder, Berne.
Informationen
Stedingen – freies Bauernland: Das Land Stedingen ist das Marschengebiet zwischen unterer Hunte und Unterweser im heutigen Kreis Wesermarsch. Benannt ist es nach den überwiegend aus Holland stammenden Stedingern (»die am Gestade Lebenden«); sie wurden in diesem ertraglosen Bruch- und Moorgebiet ab 1142 als Kolonisten angesiedelt mit der Vorgabe, Deiche zu bauen, das Moorland zu entwässern und es in Wiesen- und Ackerland umzuwandeln. Um Spezialisten anzulocken, die das Knowhow besaßen, am schmalen »Gestade« beidseits des Stroms durch Eindeichungen großflächige Polder anzulegen, erhielten sie die persönliche Freiheit und besondere Besitzrechte, in denen sie sich grundlegend von den hörigen Bauern der damaligen Zeit unterschieden. Die günstigen Konditionen beim Erbrecht und in der Höhe der Abgaben lockten Siedler an, die sich in Deichgenossenschaften organisierten und so eine gewisse Selbstverwaltung erhielten. Als die Grafen von Oldenburg und die Erzbischöfe von Bremen versuchten, diese verbrieften Freiheiten einzuschränken, kam es ab 1204 zu Kampfhandlungen. Mit der Zerstörung zweier Burgen der Grafen von Oldenburg und der anschließenden Vertreibung von Dienstmännern des Bremer Erzbischofs begann um 1204 beidseits der unteren Hunte ein Aufstand, der spätestens um 1212 auf das rechts der Unterweser gelegene Osterstade übergriff. Ab 1227 versuchte Erzbischof Gerhard II. von Bremen, die Erhebung der Stedinger militärisch niederzuschlagen. Als die Stedinger 1229 ein erzbischöfliches Heer besiegten, griff Gerhard II. zu neuen Mitteln: der kirchlichen Ketzerverfolgung. Die freien Stedinger Bauern wurden exkommuniziert und zu Ketzern erklärt. Mit Unterstützung von Papst Gregor IX. wurde 1232 zum Kreuzzug gegen die Stedinger aufgerufen; den Kreuzfahrern wurde nach dem Vorbild der Albigenserkreuzzüge für die Teilnahme die Beute sowie der Ablass auf ihre Sünden zugesprochen. In der Entscheidungsschlacht bei Altenesch besiegten die Kreuzfahrerheere schließlich am 27. Mai 1234 die Ost- und die Weststedinger.
Tourismusbüro
Bremer Touristik-Zentrale, Findorffstraße 105, 28215 Bremen, Tel. 0 18 05/101030, Internet: www.bremen.de
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