An der Butjadinger Küste

aussichtsreiche, landschaftlich attraktive, bei südlicher Windrichtung leichte Tour auf überwiegend autofreien (Klinker-)Wegen in steigungsfreiem Gelände. (Autor: Bernhard Pollmann)
33 km
35 m
4.00 h
Eckwarderhörne Eckwarderhörne am Jadebusen ist der Anfangs- bzw. Endpunkt der Westvariante des Weser-Radwegs. Der winzige Ferienort
an der aussichtsreichen Südwestspitze der Halbinsel Butjadingen ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wattwanderungen, wobei der Klassiker die Tour zum Unterfeuer ist. Am eigentlichen »Kap Hörne« gibt es ein Strandbad, das Restaurant »Strandhalle«, den Vier-Sterne-Nordseecampingplatz und den Anleger der nach Wilhelmshaven fahrenden Personen- und Fahrradfähre. Vom Kap schweift der Blick über den Jadebusen zum Seebad Dangast, nach Wilhelmshaven und über das Solthörner Watt und die Außenjade hinweg zur offenen See. Wer mit der Radelfähre von Wilhelmshaven über den Jadebusen anreist und sich erst einmal einfahren will, kann hier in Kombination des Weser-Radwegs und des Nordseeküsten-Radwegs eine kleine reizvolle Runde drehen, die an der Küste des Solthörner Watts in das Nordseebad Tossens und im Landesinneren in den wunderschönen Ort Ruhwarden, die »Perle von Butjadingen«, führt.Tossenser Pütten Vom Restaurant »Strandhalle« in Eckwarderhörne geht es die Zufahrt hinab und unten vor dem Campingplatz links auf den Asphaltweg am Deichfuß. Im Windschutz des begrünten Deichs, auf dem Schafe weiden, rollen die Räder flott dahin, rechts schweift der Blick auf das fruchtbare Marschenland mit seinen Wiesen, Gehölzen, Baumreihen und vereinzelten Häusern. Hin und wieder steht ein Haus direkt am Weg, Autos gibt es glücklicherweise nur wenige. Zwischen der Abzweigung nach Altendeich und den Tossenser Pütten ist der Asphaltweg für Autos gesperrt. Die nach einer knappen halben Stunde erreichten Pütten, ein beliebtes Angelrevier, sind eine durch den Deichbau entstandene Teichlandschaft – ein parkähnlich gepflegtes Gelände mit Sitzbänken und einer geräumigen Grillhütte lädt hier zur Rast ein.Tossenserdeich Kurz nach Passieren der Tossenser Pütten erreicht der Weser-Radweg im Ortsteil Tossenserdeich des Nordseebads Tossens ein Straßendreieck: Hier zweigt der Nordseeküsten-Radweg rechts ab, während der Weser-Radweg längs des Deichs geradeaus führt. Wer die Deichauffahrt hinaufradelt und oben auf der aussichtsreichen Klinkerpromenade an Sitzbänken vorbei zum Restaurant »Strandblick up'n Diek« schiebt, blickt auf den Campingplatz und die am Strand errichteten Sandskulpturen (um sie besichtigen zu können, muss Eintritt entrichtet werden) sowie über das Watt und die Jade hinweg nach Wilhelmshaven mit der markanten Tankerbrücke. Vom Deichrestaurant müssen die Räder einige Stufen hinabgetragen werden, unten geht es links weiter auf dem Weser-Radweg, wobei sich bald zwischen Bäumen der Spitzhelm der Kirche von Langwarden zeigt. Ein guter Aussichtsrastpunkt sind die Sitzbänke oben auf dem Deich an der ersten Abzweigung Richtung Ruhwarden, zwei ähnliche Rastplätze passieren wir gleich darauf, dann erreichen wir am »Haus Morgenstern« die Wiedereinmündung des Nordseeküsten-Radwegs.Langwarden Längs des Deichs führt der Weser-Radweg weiter nach Langwarden. Das historische Warfendorf Langwarden an der Nordküste der Halbinsel Butjadingen war neben Blexen die erste neue Glaubensstätte der Rüstringer Friesen mit im Mittelalter drei Kirchen. Wahrzeichen des Dorfs ist die auf dem Ostende der 6 m hohen Warf aus Tuffstein errichtete 850 Jahre alte St.-Laurentius-Kirche, das einzige Gotteshaus, das die rauen Zeiten überdauert hat. In der eindrucksvollen Friesenkirche steht die älteste Orgel Butjadingens, 1650/51 von Hermann Kröger aus Berne erbaut, Anfang des 18. Jh. von Arp Schnitger repariert. Das in der Nähe der abgetragenen Alten Kirche gelegene »Steinhaus« (14. Jh.), im Mittelalter das Refektorium der Mönche in Langwarden, heute ein Flügel der Pastorei, ist einer der ältesten erhaltenen Profanbauten an der deutschen Nordseeküste zwischen den Mündungen von Elbe und Ems. Am Westende der Dorfwarf befindet sich der Friesenhügel mit dem Riesenfriedhof (niederdeutsch riesen: erheben); hier wurden in einem Massengrab 700 in der Schlacht von Langwarden (1514) Gefallene beigesetzt. Damals unterlag der Rest der Butjenter Friesen im letzten Freiheitskampf einem welfisch-oldenburgischen Ritterheer. Zum Langwarder Groden gehören unbedeichtes Vorland und eine durch einen Sommerdeich geschützte Fläche, der Sommergroden. Vom Seedeich bietet sich ein hervorragender Blick über den Sommergroden hinweg auf die vorgelagerten Salzwiesen und das Wattenmeer. Ein 7 km langer Rundweg erschließt dieses Gebiet. Die feuchten Wiesen sind ein Brutgebiet von nationaler Bedeutung; hier nisten Rotschenkel, Wiesenpieper, Kiebitz, Uferschnepfe sowie Säbelschnäbler und Lachmöwen. Im Winter finden sich große Schwärme von Alpenstrandläufern, Brachvögeln und Ringelgänsen ein. Für diese Wintergäste ist der Langwarder Groden ein wichtiges Nahrungs- und Rastgebiet.Fedderwardersiel Vom Langwarder Groden folgt der Weser-Radweg dem Seedeich in den Krabbenkutter- und Jachthafen Fedderwardersiel. Das kleine Fischerdorf Fedderwardersiel besticht durch seine malerische Kulisse mit denkmalgeschützten Häusern am Krabbenkutterhafen, in dem das Fahrgastschiff »Wega II« zu Ausflügen zu Seehundbänken, Leuchttürmen und nach Bremerhaven startet. Direkt am Anleger informiert das »Museum Nationalparkhaus Fedderwardersiel« über das Ökosystem Wattenmeer und die Kulturlandschaft Butjadingen. Zwischen dem Kutterhafen und dem Campingplatz befindet sich ein Badestrand. In Fedderwardersiel mündet der Weser-Radweg auf die rege von Autos befahrene Straße Am Deich und folgt ihr in das Seebad. Das Nordseebad Burhave ist Sitz der Gemeindeverwaltung Butjadingens mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, mit Restaurants, Cafés, Hotels, Campingplätzen und Kurmittelhäusern sowie einem schönen grünen Badestrand. Markantester Bau ist die neugotische Petrikirche. Für Unterhaltung sorgen die Liederabende des aus Funk und Fernsehen bekannten Chors »Butjenter Blinkfuer«. Kinder können sich in der strandnahen »Spielscheune« auf 3000 km2 austoben; wer es lieber ruhiger mag, wandert über den Deich mit Blick hinaus aufs Wattenmeer. 1902 gründete Heinrich Dunkhase in Burhave den Friesischen Klootschießerverband, der heute die Dachorganisation von über 40000 Sportlern ist. Das Klootschießen ist ein an der norddeutschen und niederländischen Küste sowie in Irland verbreitetes Wurfspiel mit einer mit Blei ausgegossenen Hartholzkugel (Kloot). 2002 wurden in Burhave die Weltmeisterschaften im Klootschießen ausgetragen. Vom Nordseebad Burhave folgt der Weser-Radweg weiter der Straße Am Deich, die erst ab Waddensersiel – hier knickt die Vorfahrtsstraße landeinwärts – weniger befahren ist. Kurz nach Passieren der Deichschäferei erreicht der Weser-Radweg mit Tettens den ersten Stadtteil von Nordenham. Immer am Deich entlang geht es weiter nach Blexen. Blexen Blexen, der Sterbeort des heiligen Willehad an der Nordostspitze der Halbinsel Butjadingen, hat die älteste Kirche Rüstringens und ist als Weserfährhafen mit Destination Bremerhaven verkehrsmäßig noch immer ein Nadelöhr, trotz des neuen Wesertunnels bei Dedesdorf. Die auf hoher Warf errichtete romanische Saalkirche, deren Vorgängerbau um 789 von Willehad gegründet wurde, war bis zur Reformation das Stammesheiligtum der Rüstringer Friesen und der Aufbewahrungsort der Keule des heiligen Hippolyt. 787 wurde der angelsächsische Missionar Willehad zum ersten Bischof von Bremen geweiht, wo er 789 den ersten Dom konsekrierte. Als Bischof begründete er die geistliche Herrschaft des Bistums Bremen im Harlingerland, in Rüstringen und in Östringen. Seinen wichtigsten Stützpunkt hatte Willehad in Blexen, dem damaligen Hauptort an der Wesermündung. In dem damals Plecateshem (Blitzheim) genannten Ort gründete er eine Kirche und verschanzte sich hier während des Freiheitskriegs des westfälischen Herzogs Widukind. Im November 789 starb er in Blexen. Jahrhundertelang war der Ort zugleich ein wichtiger Hafen; von hier aus segelte 1189 eine Kreuzfahrerflotte aus Bremen mit über 1000 Mann ins Heilige Land nach Akko. Nach der Eroberung Butjadingens durch die Oldenburger (1514) wurden die Kirchenschätze unter dem Deckmantel der Reformation ab 1523 rücksichtslos geplündert. Graf Anton von Oldenburg deichte den Blexersand ein und ließ den dreigeschossigen Westturm der Kirche als Seezeichen aufstocken. Die Kirchwarf ist so hoch, dass sie von der Weihnachtsflut 1717 verschont blieb.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied35 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz am Anleger der Fähre in Butjadingen-Eckwarderhörne.
EndpunktFähranleger in Nordenham-Blexen.
TourencharakterVom Südwestkap der Halbinsel Butjadingen am Jadebusen folgt unser Weg der Küste der Marschhalbinsel am Rand des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer in die Seebäder Tossens und Burhave und mündet im Fährdorf Blexen an der Unterweser auf den Hauptstrang des Weser-Radwegs.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 4 Bremerhaven/Rund um den Jadebusen (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Bremerhaven–Bremen–Wilhelmshaven. Zwischen dem Helgolandkai in Wilhelmshaven und Eckwarderhörne in Butjadingen verkehrt vom 1. Juni bis zum 31. August die Personen- und Fahrradfähre MS »Harle Kurier«. Sie legt um 9:00 und 16:30 Uhr in Wilhelmshaven und um 9:45 und 17:15 Uhr in Eckwarderhörne ab. In der Nebensaison kann sie auch von Gruppen gebucht werden. Wer von Blexen nach Wilhelmshaven zurück will, setzt in Blexen nach Bremerhaven über und fährt mit der Bahn via Bremen zurück. Eine Rückkehr von Blexen nach Eckwarderhörne ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich.
Tourismusbüro
Butjadinger Kur und Touristik, Strandallee 61, 26969 Butjadingen-Burhave, Tel. 0 47 33/929313, Internet www.bujadingen-info.de; Nordenham Marketing & Touristik, Marktplatz 7, 26954 Nordenham, Tel. 0 47 31/9 3640, Internet www.nordenham.de.
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