Das grüne Wunder des Ruhrtals

Sehr gut ausgebaute Radwege auf Leinpfad oder alten Bahntrassen, keine Steigungen. Bis Holteyer Hafen wegen Hochwassergefahr eine größtenteils ausgeschilderte Umfahrung. (Autor: Matthias Eickhoff)
33 km
360 m
2.00 h
Von Hattingen nach Werden: Vom Hattinger Kirchplatz zurück zum Alten Rathaus. Über Untermarkt und Krämersdorf links in Kleine Weilstraße zurück zur August-Bebel-Straße. Dieser nach links folgen und an großer Ampelkreuzung geradeaus an S-Bahn-Station vorbei auf Nierenhofer Straße (keine Radbeschilderung). Nach 1,3 km an Ampel rechts in Isenbergstraße (Richtung Burgaltendorf/ Niederwenigern) auf Radweg. Bei DLRG rechts runter auf Leinpfad und links zurück auf RTRW. Vor kleinem Stück historischem Leinpfad links hoch auf Straße, dahinter wieder zurück in die Aue.Die Ruhr macht hier eine weite Schleife, die zum 120 ha großen Naturschutzgebiet »Ruhraue Hattingen-Winz« erklärt wurde. Auf rund 6 km Länge wurde eine ehemalige Wassergewinnungsanlage seit 1995 naturnah umgebaut. Neben zahlreichen Vogelarten genießen auch die urigen Heckrinder die neue Natürlichkeit.Hoch oberhalb der Ruhrschleife thronte zu Beginn des 13. Jh. die Isenburg . Ihr Untergang kam viel schneller als erwartet, denn Burgherr Friedrich von Isenberg ermordete 1225 seinen Verwandten Engelbert. Der aber war Erzbischof von Köln und gleichzeitig Reichsverweser für Kaiser Friedrich II. Der Mord erregte also höchste politische Aufmerksamkeit und der Isenberger büßte seine Tat schließlich mit dem Tod. Seine Burgen wurden geschliffen, darunter auch die Isenburg.Durch die Ruhraue bis Campingplatz (hier Beginn der ausgeschilderten Hochwasserumfahrung). Geradeaus bis Pontonbrücke nach Bochum-Dahlhausen. Hinter der Brücke vorbei an Radler-Gaststätte »Zum Ponton«. Links um Schleuse und über Leinpfad bis ehemalige Eisenbahnbrücke Dahlhausen. Dieser Bereich gehört schon zu Essen – damit ist die Grenze von Westfalen ins Rheinland überschritten.Abstecher zum Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen: Über ehemalige Bahnbrücke und rechts durch Unterführung bis Eingang Eisenbahnmuseum. Rückweg zum RTRW über Hinweg.Das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen lässt die Herzen aller Bahnfreunde höher schlagen. Auf dem weitläufigen Gelände eines ehemaligen Bahnbetriebswerks hat die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte 1977 mit dem Aufbau des Museums begonnen. Alte Dampfloks, Schienenbusse und Waggons wurden liebevoll restauriert. Eine Feldbahn und eine Draisine laden zum Mitfahren ein. Ständig herrscht Bewegung und es heißt: »Einsteigen, bitte!« Vom S-Bahnhof Dahlhausen verkehrt ein Pendelzug zum Museum und die RuhrtalBahn hat hier ihren Heimatbahnhof. Besondere Attraktionen sind die Museums- und Kindertage sowie die Sonderfahrten (Dr.-C.-Otto-Str. 191, Tel. 0234/49 25 16, www.eisenbahnmuseum-bochum.de, März– Nov. Di–Fr, So 10–17 Uhr). Geradeaus über RTRW vorbei an Schleuse Essen-Horst zum Holteyer Hafen (Ende der Hochwasserumfahrung). Der Holteyer Hafen wurde 1837/38 als Sicherheitshafen für Hoch- und Niedrigwasser angelegt. Erhalten blieben die alte Brücke und ein Stück Original-Leinpfad von ca. 1780.Rechts über Radweg weiter bis Bootshaus Ruhreck (s. Kasten »Tour kompakt«). Über Kurt-Schumacher-Brücke nach Essen-Steele und sofort links auf breiten Radweg.Wir folgen bald der ehemaligen Bahnstrecke Altendorf–Heissen. Die beiden Brücken, die der Radweg passiert, wurden 1930 im Zuge des zweigleisigen Ausbaus errichtet. Seit 1945 verkehrten die Züge nur bis Steele-Süd, 1980 kam dann das Ende für dieses Teilstück, das heute als hervorragende Radpiste dient.In Essen-Rellinghausen vor großer Straßenbrücke an Drago-Restaurant »Zornige Ameise« (s. Etappe 16, S. 183) links. Hier Beginn des lohnenswerten Abstechers zum Gruga-Park, zur Krupp-Siedlung Margarethenhöhe, nach Rüttenscheid und zum Museum Folkwang (s. Etappe 16, S. 187f). Geradeaus und über Ampel-Kreuzung an Konrad-Adenauer-Brücke. Hier Beginn der Hochwasserumfahrung (s. Kasten).Im Bereich der Konrad-Adenauer-Brücke lag im Mittelalter ein berüchtigter Inquisitionsort. Mit Hilfe der sogenannten Hexentaufe wurden Beschuldigte in der Ruhr unter Wasser gedrückt. Überlebten sie, waren sie der Hexerei überführt und wurden umgebracht. Ertranken sie, galten sie als unschuldig. Die Straße Hexentaufe oberhalb der B 227 erinnert noch heute an diese grausamen Hexenprozesse. Auf Radweg in Ruhraue hinunter und durch Naturschutzgebiet »Heisinger Ruhraue«. Hinter alter Brücke sofort links und durch Aue bis Restaurant Rote Mühle (ehemaliges Fährhaus). Rechts ab und über Zufahrtsweg unter B 227 hinweg bis Wuppertaler Straße (Ende Hochwasserumfahrung). Über geschotterten Radweg geradeaus. An Radweg-Ende Straßenseite wechseln und rechts in Stauseebogen. Schräg links zur Gaststätte »Fischerhaus am See«. Dahinter links auf Radweg bis Beginn der Ruhrbrücke. Hier Beginn der Alternativroute zur Villa Hügel (s. u.). Links über Brücke (Rad-/Fußweg). Die Bahnbrücke Kupferdreh war Teil der für den Kohlentransport wichtigen Verbindungsstrecke von Mülheim nach Steele und weiter in das mittlere Ruhrtal nach Hagen. Seit 1933 überspannt die Brücke die letzten Ausläufer des Baldeneysees. Der als Naherholungsgebiet äußerst beliebte Stausee wurde ab 1930 gebaut und dient u. a. der Wassersäuberung. Mit fast 8 km Länge und einem Stauinhalt von 8,3 Mio. m³ Wasser ist er der größte Stausee im Ruhrtal.Von der südlichen Brückenseite starten die Schiffe der Weißen Flotte, die bei geringem Verkehr auch Räder zur Villa Hügel oder zum Stauwehr mitnehmen (Info: Tel. 0201/840 43 60, www.flotte-essen.de). Ab Kupferdreh verkehren übrigens auch die Museumszüge der Hespertalbahn Richtung Haus Scheppen (Info: Tel. 0201/408 56 19, www.hespertalbahn.de). Hinter Brücke links auf südlichen Uferweg am Baldeneysee Richtung Werden. Rund 3 km bis Haus Scheppen. Der beliebte Biker-Treff »Haus Scheppen« war ab dem 13. Jh. ein Lehnshof der Abtei Werden. 1944 wurde das Haus bei einem Luftangriff zerstört. »Wasserburg« ist Scheppen übrigens erst seit dem Bau des Baldeneysees. Zum See hin liegt ein netter Biergarten, ansonsten viele Pommesbuden für die Biker.Am Hardenbergufer weiter. Gegenüber der Villa Hügel vorbei am netten Fachwerk-Café »Bauernstube« bis zum Baldeneyer Stauwehr . Hier Beginn des Abstechers zur Villa Hügel und Ende Alternativroute Nord.Abstecher zur Villa Hügel: Rechts über Stauwehr schieben (Treppen!) und links hinunter auf Radweg. Kehre rechts und links auf breiten Radweg an Golfplatz vorbei. Am Anleger Hügel (Ende Alternativroute Nord, s. o.) links an Hotel-Restaurant Parkhaus Hügel vorbei bergan (s. Kasten »Tour kompakt«). Schräg links am S-Bahnhof Hügel Zufahrt hoch und steil bergan durch Park zur Villa. Rückweg zum RTRW wie Hinweg.Die pompös wirkende Villa Hügel übertrifft an Größe viele Adelssitze und gehört zu den bekanntesten Denkmälern des Industriezeitalters im Ruhrgebiet. Sie steht für den kometenhaften Aufstieg der Familie Krupp, die von hier aus rund 70 Jahre lang ihr rasch wachsendes Wirtschaftsimperium leitete. Erbaut wurde die Villa 1870–73 von Alfred Krupp, der nicht weniger als 269 Räume auf 8100 m² Wohnfläche anlegen ließ und die Anlage in einen riesigen Landschaftspark nach britischem Vorbild einbettete. Während der Bauzeit steckte Krupp bis zu 25 % seiner Unternehmensgewinne in den Bau, was ihn 1873 aufgrund einer zeitgleichen Rezession beinahe in den Ruin geführt hätte. Die Villa war sowohl monumentaler Wohnsitz wie auch Repräsentationsbau. Hier empfingen die Krupps zum Beispiel den Kaiser und andere wichtige Honoratioren. Der internationale Ruf als »Waffenschmiede des Reichs« wurde den Krupps 1945 zum Verhängnis: Die Alliierten verhafteten Gustav und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und machten die Villa zum Sitz der Alliierten Kohlenkommission. 1953 wurde Alfried Krupp bis zu seinem Tod 1967 erneut Firmenchef, danach gingen Firma und Villa in den Besitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung über. Die Stiftung finanziert derzeit unter anderem den Umbau des Museums Folkwang komplett selbst (s. S. 126). Die Villa Hügel steht für Besichtigungen offen und beherbergt zudem eine sehenswerte Dauerausstellung zur Geschichte der Krupps und des Unternehmens. Daneben werden von der Kulturstiftung Ruhr hochkarätige Sonderausstellungen durchgeführt (Hügel 15, Tel. 0201/61 62 90, www.villahuegel.de, Villa Di–So 10–18 Uhr, Park tgl. 8–20 Uhr). Hinter Stauwehr schräg rechts auf Radweg hinunter nach Werden. An ehemaliger Neukircher Mühle schräg links in Heckstraße bis Filialkirche St. Lucius links.Als angeblich älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen wurde sie schon 1063 geweiht, bestand aber wohl schon gegen Ende des 10. Jh. Die jetzige Innenausstattung stammt allerdings erst aus dem 20. Jh., da die Kirche nach der Auflösung der Abtei Werden weltlichen Verwendungen zugeführt worden war. Geradeaus weiter über Heckstraße. Vor Einbahnstraße rechts in Joseph-Breuer-Straße, dann links in Körholzstraße. Vorbei an Stadtbad und am einladenden Café Werntges zur Brückstraße. Dort rechts und links über die große Kreuzung Kastellplatz. Von Abteistraße rechts in Bungertstraße, vorbei am Restaurant Am Kamin (s. Kasten »Tour kompakt«). Vor Abteigebäude links in Klemensborn und an der Ampel rechts hoch zum Eingang der Abteikirche.Die benediktinische Abtei Werden war 1000 Jahre lang von großem Einfluss – religiös wie weltlich. Gegründet wurde sie 799 vom fränkischen Missionar Liudger, der als Lohn für seine unermüdliche Tätigkeit im Dienste Kaiser Karls 805 zum ersten Bischof von Münster geweiht wurde. Bald wurde die Reichsabtei Werden zu einem der wichtigsten Landesherren der Region. Vom Reichtum der Abtei zeugt auch die barocke Residenz aus dem 18. Jh. Nach der Säkularisation 1802 fiel die Abtei an Preußen. 1946 zog dann die renommierte Folkwangschule für Schauspiel, Tanz und Musik ein, die 1963 zur Hochschule wurde. Herzstück der alten Abtei ist aber die imposante Propsteikirche St. Ludgerus. Auf den Resten ihrer Vorgängerbauten wurde sie 1257–77 als eine der letzten Kirchen im spätromanischen Stil errichtet. Die schlichte Eleganz des Langhauses ist auch für heutige Betrachter beeindruckend. In der Krypta, die schon auf das 9. Jh. zurückgeht, befindet sich der moderne Liudger-Schrein (tgl. 10–18 Uhr).Kulturhistorisch wertvoll ist die Sammlung der Schatzkammer, deren Eingang in einem Nachbargebäude der Kirche liegt. Beachtenswert sind die religiösen Arbeiten, die z. T. schon aus dem 5. Jh. stammen! (Brückstr. 54, Tel. 0201/49 15 65, Di–So 10–12, 15–17 Uhr).Zurück zur Ampel (Werdener Markt) und rechts in die Heckstraße. Links durch Fußgängerzone Grafenstraße schieben und am Café Werntges links zur Brückstraße. Rechts über Gustav-Heinemann-Brücke und schräg links zum S-Bahnhof Essen-Werden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour33 km
Höhenunterschied360 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHattingen
TourencharakterDie längste Etappe auf der Tour hat einen hohen Erholungswert und präsentiert das Ruhrgebiet von seiner grünen Seite. Mit dem Baldeneysee, der Villa Hügel und der Abtei Werden warten am Ende im Essener Süden erstklassige Attraktionen. Ein schöner Abstecher führt zur Gruga.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRuhrtalRadweg (bis auf Hattingen Altstadt).
VerkehrsanbindungBahn: Regelmäßig mit S 3 von Essen bis Hattingen Mitte (keine Radmitnahme in Rushhour). RuhrtalBahn: Mai–Okt. Fr/So mehrere Verbindungen von Hagen und Bochum-Dahlhausen. Auto: Über A 43 bis Witten-Herbede, dann über Blankenstein ins Zentrum; dort Parkmöglichkeiten. Rückfahrt Von Werden regelmäßig mit S 6 nach Essen, dort umsteigen in S 3 nach Hattingen (keine Radmitnahme in Rushhour).
GastronomieEssen: Bootshaus Ruhreck, Langenberger Str. 1, Tel. 0201/58 47 58 (freundliches Restaurant mit Biergarten an Brücke nach Steele). Essen-Rellinghausen: Zornige Ameise, s. Etappe 16, S. 183. Essen-Baldeneysee: mehrere nette Ausflugscafés am Seeufer. Essen-Hügel: Parkhaus Hügel, s. Übernachten. Essen-Werden: Restaurant Am Kamin, Leinwebermarkt 7, Tel. 0201/49 17 36, www.amkamin-werden.de (traditionsreiches Gasthaus mit sehr kreativer und leckerer Küche).
Tipps
Folkwang-Ausstellung: 2008/09 wartet auf Kunstliebhaber in der Villa Hügel ein besonderer Höhepunkt. Wegen des Umbaus des sehr renommierten Museums Folkwang (s. Etappe 16, S. 187 f), werden die wichtigsten Werke der berühmten Sammlung am Baldeneysee präsentiert, darunter Werke von Van Gogh, Renoir, Monet, Gauguin, Cézanne, Beckmann und Caspar David Friedrich! Infos bei der Villa Hügel (s. o.).
Verleih
Essen-Werden: Two Wheels, Brückstr. 2, Tel. 0201/49 15 78.
Informationen
RuhrtalBahn: 1971 wurde zwischen Wengern und Hattingen der Personenverkehr, 1982 auch der Güterverkehr eingestellt. Damit schien die 100-jährige Eisenbahngeschichte im mittleren Ruhrtal unwiderruflich zu Ende. Doch 2005 begann eine neue Ära: Seither verkehrt ein Schienenbus der RuhrtalBahn von Mai bis Oktober jeweils freitags und sonntags zwischen Bochum-Dahlhausen und Hagen. Auch Räder können während der 75-minütigen Fahrt mitgenommen werden. An der Zeche Nachtigall, in Kemnade und an der Henrichshütte wurden neue, touristisch wichtige Haltepunkte angelegt und eine Verlängerung der Route bis nach Essen ist im Gespräch. An jedem ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober steht die Bahn unter Dampf, wenn der historische Dampfzug durch das Ruhrtal schnauft. Dann herrscht Bahnromantik pur (Infos: Tel. 01801/66 00 99 07 52, www.ruhrtalbahn.de).
Unterkunft
Essen-Hügel: Parkhaus Hügel, Freiherr-vom-Stein-Str. 209, Tel. 0201/47 10 91, www.parkhaus-huegel.de (stilvolles Hotel in ehemaliger Krupp-Betriebskantine unterhalb der Villa Hügel, hervorragende Küche). Essen-Werden: Hotel Domstuben, Brückstr. 81, Tel. 0201/320 35 40, www.domstuben.de (gutbürgerliches Haus direkt gegenüber der Abtei); Jugendherberge Essen-Werden, Pastoratsberg 2, Tel. 0201/49 11 63, www.djh.de/jugendherbergen/essen (hoch über dem Ort am Waldrand); Campingplatz Essen-Werden, Im Löwental 67, Tel. 0201/49 29 78, www.stadtcamping-essen.de (schön gelegen an der Ruhr).
Tourismusbüro
Bochum: s. Etappe 8, S. 100. Essen: Am Hauptbahnhof 2, 45127 Essen, Tel. 0201/19433, touristikzentrale@essen.de, www.essen.de

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