Auf Uferwegen nach Holzminden

überwiegend autofreie Wege. Geringe, zuweilen steile Steigungen von jeweils maximal 30 Hm. (Autor: Bernhard Pollmann)
13 km
70 m
2.00 h
Der Hauptbahnhof Höxter liegt direkt an der Weser, sodass man auf
der Flussseite des Bahnhofs in den Weser-Radweg einsteigen kann.
Zwischen den Gleisen und der Weser führt der Uferweg stromabwärts zum Hafen und am Ende des Hafenbeckens zurück zum Fluss. Nach Unterqueren der Eisenbahnbrücke liegt links Schloss Corvey. Schloss/Abtei Corvey Die ehemalige Reichsabtei ist eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten an der Weser. Bis ins Hochmittelalter zählte sie zu den
bedeutendsten deutschen Klöstern. Heute beherbergt die von 1699 bis 1715
barockisierte Klosteranlage u.a. das Museum Höxter-Corvey, den prunkvollen Kaisersaal und die Fürstliche Bibliothek. Die Gründung der Abtei erfolgte 815/16 mit Zustimmung Kaiser Ludwigs des Frommen durch die Halbbrüder Adalhard und Wala, zwei Vettern Kaiser Karls des Großen,
im Solling. Adalhard war Abt des westfränkischen Benediktinerklosters Corbie bei Amiens (Nordfrankreich); die ersten Mönche kamen denn auch von dort, ihr Ziel war die Sachsenmission. Das Kloster wurde damals nicht in Corvey, sondern in Hethis im Solling gegründet. Wegen der unwirtlichen Lage erfolgte 822 die Verlegung in den Weserwinkel östlich des Königshofs »villa regia Huxori«, das heutige Höxter. Kaiser Ludwig der Fromme schenkte dem Kloster 823 den Königshof und die bisher Corbie gehörenden Güter und verlieh ihm das Recht der freien Abtwahl sowie Immunität. Als 836 die Reliquien des heiligen Veit (Vitus) von Saint-Denis nach Corvey überführt wurden, wurde Veit, einer der Vierzehn Nothelfer, Stammesheiliger der zum Christentum übergetretenen Sachsen. Heute befinden sich seine Reliquien im St.-Veits-Dom in Prag. Corvey als erstes selbstständiges Kloster im von den Franken eroberten Sachsenland avancierte zum Zentrum westfränkisch-karolingischer Kultur unter den Sachsen und zugleich zum kirchlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt. Umfangreiche Schenkungen machten es zu einem der reichsten Klöster Deutschlands. 23 Bischöfe sowie angeblich auch Papst Gregor V. (erster deutscher Papst, 996–999) gingen aus dem Konvent hervor. Die Bibliothek zählte zu den berühmtesten des Mittelalters. Bereits 833 erhielt Corvey das Münzrecht für die beim Kloster entstandene Laiensiedlung Corvey, die sich in Rivalität zum benachbarten Höxter zur Stadt entwickelte. Als im 10. Jh. die Sachsen (Ottonen) die Königswürde übernahmen, erfolgte in Corvey kulturell der Bruch mit der westfränkisch-karolingischen Tradition, an deren Stelle eine eher national-sächsische Ausrichtung trat. Widukind von Corvey schuf im 10. Jh. mit den »Res Gestae Saxonicae« (Die Taten der Sachsen) eines der bedeutendsten Werke der ottonischen Geschichtsschreibung. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurden die Klostergebäude zerstört, die kostbare Bibliothek wurde in alle Winde zerstreut. Bis zur Säkularisation behauptete sich der Abt als Souverän eines Reichsfürstentums, das 16 Dörfer links der Weser umfasste. Im Zuge der Säkularisation kam Corvey 1802/03 als weltliches Fürstentum an OranienNassau; 1815 fiel es an Preußen, das es 1820 auf dem Tauschweg dem Landgrafen Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg abtrat. Der Landgraf gründete die berühmte Schlossbibliothek (die nichts mit der mittelalterlichen Bibliothek zu tun hat) und ließ das Kloster zu einem Schloss umbauen. 1834 fiel Corvey durch Erbschaft an den Prinzen Viktor von Hohenlohe-Schillingsfürst, der 1840 den erblichen Titel eines Herzogs von Ratibor Fürst von Corvey erhielt. Das sehenswerte karolingische Westwerk der 1667–1675 in gotisierenden Formen neu erbauten Klosterkirche ist das einzige weitgehend erhaltene Westwerk überhaupt. Ein Westwerk ist ein turmartiger, über quadratischem Grundriss errichteter Sakralbau, der der Kloster- oder Bischofskirche vorgesetzt ist und als Königs- bzw. Kaiserkirche fungierte. Das Westwerk war quasi die Eigenkirche des Herrschers, der hier die weltliche (Rechtsprechung) und kultische Oberaufsicht wahrnahm. Zugleich war es die Schutzburg der dahinter liegenden Kirche und der Eingang zur heiligen Stadt«. Das aufwändige Westwerk von Corvey mit seinen karolingischen Wandmalereien wurde 873–885 als Dreitürmebau errichtet und unter Abt Wibald von Stablo im 12. Jh. zur jetzigen Doppelturmfassade umgebaut. Unberührt vom Umbau blieb die Krypta, die quadratische Eingangshalle, deren Kreuzgewölbe auf vier Säulen und zwölf Pfeilern ruhen. Von der Krypta führen Turmtreppen in den Johannischor, dessen quadratischer Mittelraum sich über zwei Geschosse erstreckt;
er ist an drei Seiten von Emporen umgeben und im Osten durch eine Arkadenwand zum Langhaus (Neubau ab 1667) geöffnet. Die Westempore entging dem Umbau des 12. Jh.; in ihrem vorspringenden Erker wird die Kaiserloge vermutet. Im Garten hinter der Kirche befindet sich die Grabstätte des Schriftstellers August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Der Dichter des »Deutschlandlieds« war einer der fruchtbarsten Lyriker des Vormärz, auch einige der berühmtesten deutschen Kinderlieder stammen aus seiner Feder: »Ein Männlein steht im Walde«, »Alle Vögel sind schon da« usw. Als Vertreter eines freiheitlichen Liberalismus war er ein Gegner des preußischen Militärstaats, wobei er seine Kritik mit oft hintergründigem Humor formulierte: »Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg…« Unter dem Eindruck der Kleinstaaterei und der politischen Restauration verfasste er 1841 den Text des »Deutschlandlieds«. Zusammen mit der Melodie von Joseph Haydns Kaiserhymne »Gott erhalte Franz, den Kaiser« ist es seit 1922 deutsche Nationalhymne. Nach der Veröffentlichung seiner – zur Irreführung der Zensur so genannten – »Unpolitischen Lieder« (1840/41) wurde Hoffmann von Fallersleben als Literaturprofessor in Breslau entlassen und des Landes verwiesen. Eine jahrelange Wanderschaft durch verschiedene Länder folgte. 1860 fand er schließlich eine Anstellung als Bibliothekar in Schloss Corvey, wo er bis zu seinem Tod 1874 arbeitete. Holzminden Die niedersächsische Kreisstadt Holzminden, die »Stadt der Düfte und Aromen« (Stadtleitbild seit 2002), liegt am rechten Weserufer am Fuß des Naturparks Solling-Vogler. In der Altstadt finden sich zahlreiche stattliche Fachwerkhäuser, darunter das Tillyhaus (1609) in der Grabenstraße 43 und das mit Sollingplatten gedeckte Severin'sche Haus (1619) in der wegen ihres gekrümmten Verlaufs so genannten Halbemondstraße 9. Ein Wahrzeichen der Altstadt ist die im Kern romanische Marienkirche (1231), die seit der Reformation Lutherkirche heißt. Die Grafen von Everstein gründeten Holzminden um 1200 als Markt- und Zollstätte. Im ausgehenden 19. Jh. entwickelte sich die beschauliche Ackerbürgerstadt zu einem Zentrum der Duft- und Geschmacksstoffindustrie, wobei die Firmen Haarmann & Reimers und Dragoco, die 2003 zur Symrise GmbH fusionierten, die Geschichte der Stadt und ihrer Arbeitsplätze bis heute maßgeblich prägen. 1874 wurde hier erstmals Vanillin künstlich hergestellt. Heute werden Parfümöle, kosmetische Grund- und Wirkstoffe, Pflanzenextrakte, Riech- und Aromastoffe, Fruchtpulver, Fruchtzubereitungen, Getränkegrundstoffe und Würzungen produziert und an die Hersteller von Kosmetikprodukten, Waschmitteln, Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und pharmazeutischen Produkten geliefert.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied70 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHauptbahnhof Höxter.
EndpunktDB-Bahnhof Höxter.
TourencharakterZwischen dem westfälischen Höxter und dem niedersächsischen Holzminden folgen der Weser-Radweg und der Europaradweg R1 auf derselben Route dem linken Weserufer. Höhepunkt der kurzen, bequemen Etappe ist die karolingische Kirche der ehemaligen Benediktinerabtei Corvey auf dem Schlossgelände.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte NRW 1: 50000 Blatt 11 Eggegebirge Oberwälder Land (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen) oder Radwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 26 Solling und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Höxter–Holzminden.
GastronomieHöxter, Corvey, Holzminden.
Tourismusbüro
Tourist- und Kulturinformation Höxter, Weserstraße 11 (historisches Rathaus), 37671 Höxter, Tel. 0 52 71/19433, Internet www.hoexter.de; Kultur- und Stadttourismus-Büro Holzminden, Obere Straße 30, 37603 Holzminden, Tel. 0 55 31/936423, Internet www.holzminden.de.
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