Auf den Spuren des Bergbaus

Gut ausgebaute Radwege; anfangs eine mäßige Steigung; in Witten Winterumfahrung für die Ruhrfähre. (Autor: Matthias Eickhoff)
35 km
370 m
2.00 h
Von Wengern nach Hattingen: Die Wittener Straße 600 m stetig bergan bis Landhaus Robbert (s. Kasten »Tour kompakt«). RTRW steil rechts hinunter (Hochwasserumfahrung, s. Info) und hinter Bahnbrücken links. Über alten Bahndamm auf Schotterweg durch Naturschutzgebiet Ruhraue bis Haltepunkt Witten-Bommern der RuhrtalBahn. Dort Ende der Hochwasserumfahrung. Das 85 ha große Naturschutzgebiet Ruhraue ist Rückzugsgebiet für bis zu 140 Vogelarten. Die Altarme entstanden schon im 19. Jh., als der Bahndamm angelegt wurde. Auf der gegenüberliegenden Ruhrseite taucht später das markante Bergerdenkmal in Witten auf, das zu Ehren des heimischen Industriellen und Politikers Louis Berger (1829–91) angelegt wurde. Ins Auge fällt auch der 600 m lange Eisenbahnviadukt (1913–16). Bommern war einst ein wichtiger Bahnknotenpunkt. Durch die zahlreichen Streckenstilllegungen ist davon außer Güterverkehr und den Museumszügen der RuhrtalBahn (s. Etappe 9, S. 121) nicht viel erhalten geblieben. Geradeaus über RTRW bis Bahnübergang an Zeche Theresia. Das Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia ist für Bahnfreunde und Familien mit Kindern ein Muss. Schon 1728 wird die Zeche unterhalb von Schloss Steinhausen erwähnt. Im 19. Jh. wird sie mit der benachbarten Zeche Nachtigall vereint und zusammen mit dieser 1892 stillgelegt. Seit 1989 hat ein gemeinnütziger Verein rund 90 Loks und 200 Waggons von Gruben- und Feldbahnen zusammengetragen und liebevoll restauriert. Auch ein kleines Museum wurde eingerichtet. Während der Öffnungszeiten verkehrt zudem eine Schmalspurbahn zur benachbarten Zeche Nachtigall und zum Parkplatz (Nachtigallstr. 27–33, Tel. 0177/493 85 04, www.muttenthalbahn.de, Ostern–Okt. 1. + 3. So im Monat 10–18 Uhr). Schloss Steinhausen können wir oben im Wald erkennen. Ein schöner Abstecher führt von der Zeche Nachtigall dorthin (s. u.).Geradeaus weiter bis Abzweig zur Radbrücke nach Witten (Beginn Winterumfahrung, s. Kasten S. 106). Am nächsten Bahnübergang Zugang zur Zeche Nachtigall und Beginn des Abstechers ins Muttental. Die Zeche Nachtigall ist einer der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur. Hier wird »der mühsame Weg ins Industriezeitalter« anschaulich beschrieben, inklusive der spannenden Besichtigung des ebenerdigen Nachtigall-Stollens. 1714 begann die Förderung vor Ort und 1832 schrieb die Zeche Geschichte, weil sie als erste südlich der Ruhr mit dem Tiefbau begann. Der Einsatz von Dampfmaschinen ermöglichte das Abpumpen eindringender Wassermassen. Kurzzeitig war die Zeche eine der größten Anlagen im Revier, bevor sie 1892 schließen musste. Danach ging sie in den Besitz des Unternehmers Wilhelm Dünkelberg über, der eine Ziegelei eröffnete. Heute unterhält das Westfälische Industriemuseum das weitläufige Gelände. Zu sehen ist auch der Nachbau einer Ruhraak, die vor 150 Jahren den Schiffsverkehr auf der Ruhr dominierten. Interessant ist zudem die Ausstellung zu den Kleinstzechen, die zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg eine kurze Konjunktur erlebten (Nachtigallstr. 35, 02302/93 66 40, www.zeche-nachtigall.de). Abstecher ins Muttental und zum Schloss Steinhausen: Vom RTRW rechts von der Zeche Nachtigall auf die Muttentalstraße. Links ins Muttental einbiegen und an Kreuzung geradeaus bis Bethaus.Auf dem Weg zum Bethaus haben wir bereits den Eingang zum Stollen »Turteltaube« passiert. Derartige Stollen und Kleinzechen gab es im 18./19. Jh. viele im Muttental. Für die Bergleute wurde 1830 das Bethaus erbaut, wo sich die Kumpel vor und nach der Schicht versammelten. So erfüllten die Bethäuser die zweifache Funktion als Andachtsraum und zur Anwesenheitskontrolle. Das Muttentaler Bethaus wurde schon 1837 geschlossen, doch mittlerweile ist es das einzige erhaltene Exemplar im ganzen Ruhrgebiet. Eine kleine (kostenlose!) Bergbauausstellung macht mit dem harten Leben der noch bäuerlich lebenden Kumpel im Muttental vertraut (Muttentalstr. 35, April–Okt. Di–Fr 10–12, 14–16 Uhr, Sa 10–12, 14–18 Uhr, So 11–18 Uhr, Nov.–März Sa 14–16 Uhr, So 11–16 Uhr).250 m zurück und an erster Kreuzung Feldweg schräg rechts bergan. Am Wegesende rechts und geradeaus bis Schloss Steinhausen.Auf Schloss Steinhausen residierten die diversen Grundherren, welche den Bergbau in den umliegenden Zechen betrieben, darunter die Familie von Elverfeldt. 1297 wurde der Gutshof das erste Mal urkundlich erwähnt und 1434 von Dortmunder Truppen zerstört. Das Giebelhaus entstand 1607 und das klassizistische Schloss um 1810. Der Unternehmer Wilhelm Dünkelberg zeichnete dann ab 1893 für weitere Umbauten verantwortlich. Heute ist Steinhausen als empfehlenswerte Ausflugsgaststätte sowie durch seinen außergewöhnlichen Skulpturenpark bekannt. Ein Abstecher lohnt sich (Tel. 02302/39 99 90, www.schloss-steinhausen.de).Rückweg zum RTRW zunächst über Hinweg. An Abzweig geradeaus hinunter zur Muttentalstraße und rechts zum RTRW am Bahnübergang. Geradeaus über RTRW bis Fähranleger Hardenstein. Links unter Bahn und sofort rechts über Waldweg zur Burgruine Hardenstein. Spätestens an der Burgruine Hardenstein vergessen Besucher, dass sie in dem am dichtesten besiedelten Industriegebiet Mitteleuropas sind. Auf der kleinen Lichtung im Wald herrscht mittelalterliche Romantik pur. Die Burg stammt vermutlich schon aus dem 13. Jh., wird aber erst 1363 urkundlich erwähnt. Schon im 16. Jh. setzte der langsame Verfall ein, aber die zwei erhaltenen Türme und die Reste der Außenmauer sorgen auch im 21. Jh. für viel Stimmung. Amüsant ist die Legende vom bitterbösen Zwergenkönig Goldemar, die auf einer Info-Tafel präsentiert wird. An der Burg erreichte der St. Johannes Erbstollen die Ruhr. Der Stollen war für die Entwässerung des gesamten Muttental-Bergbaus zuständig.Die Burg stand 2006 Pate für den Namen der neuen MehrtalFähre. Eigens für den RuhrtalRadweg wurde diese kleine Fähre gebaut. Sie wird von der »Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung« (WABE) betrieben, die u. a. auch für die Rastplätze des ruhrtalService verantwortlich ist. Die Fähre beförderte allein 2007 rund 85 000 Fahrgäste! (www.ruhrtalfaehre.de, Mitte April–Mitte Okt. Do–Di 9–20 Uhr, Mi 12–20 Uhr)Zurück zum Fähranleger und mit Fähre übersetzen (Spende erbeten). Links weiter um Rastplatz Fährhaus an der Schleuse Herbede.An der Schleuse vorbei über den Leinpfad nach Heven. Vor dem alten Fabrikgebäude der Privatbrennerei Sonnenschein links und sofort wieder rechts zur kleinen Kreuzung.Abstecher zum Haus Herbede:Links über die Ruhrbrücke und an dem historischen Gebäudeensemble der Edelstahlfabrik Lohmann rechts. Hinter der Straßenbrücke links zum Haus Herbede. Haus Herbede ist eine weitere schöne Erinnerung an das Mittelalter im Ruhrtal. Wahrscheinlich im 12. oder 13. Jh. als Turmhügelburg entstanden, wurde sie im 16. Jh. zu einer Wasserburg umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der prächtige Rittersaal. Fast 600 Jahre war die Anlage im Besitz der Familie von Elverfeldt. Mittlerweile dient das Haus als Standesamt und Restaurant. Draußen befindet sich zudem ein netter Biergarten. In der »Vorburg« sind Künstler und Kunsthandwerker untergebracht. Rückweg zum RTRW wie Hinweg.Auf der rechten Seite des RTRW liegt die Privatbrennerei Sonnenschein. Das rote Firmengebäude wurde aufgegeben, aber in dem modernen Verkaufsladen und Bistro werden zahlreiche hochprozentige Lokalspezialitäten angeboten. Die Liköre werden immer noch vor Ort hergestellt (Alter Fährweg 7, www.sonnenscheiner.de, Mo–Fr 10–18.30 Uhr, Sa 10–15 Uhr). Geradeaus auf RTRW (In der Lake) unter Straßenbrücke. Hinter Golf-Übungsplatz links auf breiten Radweg und unter A 43 hinweg. Weiter Bogen nach rechts zur Ruhrtal-Therme und im zweiten Bogen nach links zum Hafen Heveney am Kemnader See.Der rund 3 km lange Kemnader See wurde erst 1976–79 angelegt und als Naherholungsgebiet geplant. Wichtige Freizeiteinrichtungen sind die Ruhrtal-Therme/Freizeitbad Heveney mit ihrem ganzjährigen Bade- und Wellnessangebot (Querenburger Str. 35, Witten, www.kemnadersee.de, Mo–Sa 9–23 Uhr, So/Fei 9–21 Uhr). Im Hafen Heveney legen nicht nur die Ausflugsschiffe an, auch das Ausleihen von Booten ist möglich. Ein Imbiss sorgt für das leibliche Wohl.Der RTRW führt geradeaus am See entlang zum Freizeitzentrum Oveney .Am Standort der ehemaligen Zeche Gibraltar befindet sich ein weiterer Bootsverleih. Auch Räder und Inlineskates stehen im Angebot und der Anleger Oveney wird von den Ausflugsschiffen angesteuert. Die Zeche war bis 1925 in Betrieb. Das denkmalgeschützte Stollenmundloch wurde 1985 restauriert.Geradeaus weiter und am Haus Oveney (heute Cigo’s Steakhaus, s. Kasten »Tour kompakt«) links. Nach 1 km links zum Kemnader Stauwehr. Abstecher zur Wasserburg Haus Kemnade: Links über das Stauwehr (bitte absteigen) und geradeaus auf Radweg. Rechtsknick folgen bis Haus Kemnade und an Straße links zum Eingang. Rückweg zum RTRW wie Hinweg.Von Kastanienbäumen gesäumt, ist Haus Kemnade zweifelsohne die schönste Wasserburg im Ruhrtal. Manche datieren ihre Ursprünge schon auf die Zeit Ottos III. um 1010. Nach einem Brand 1589 benötigte die Familie von Syberg 100 Jahre, um den recht flachen Renaissance-Bau entstehen zu lassen. Ironischerweise gehört das Schloss der Stadt Bochum, obwohl es auf Hattinger Stadtgebiet liegt. Im Museum sind u. a. die wertvolle Musikinstrumentensammlung Grumbt und eine Ostasiensammlung untergebracht. Auch der Kunstverein Bochum organisiert hier Ausstellungen. Sehenswert ist das hölzerne Syberger Epitaph von 1698 aus der Stiepeler Dorfkirche (Tel. 0234/302 68, www.fv-hauskemnade.de, Mai–Okt. Di–So 12–18 Uhr, Nov.–April Di–So 11–17 Uhr). Im Schatten der hohen Kastanie im Hof lädt der Biergarten der Burgstuben Haus Kemnade zu einer Pause ein (s. Kasten »Tour kompakt«). 300 m weiter befindet sich der Haltepunkt Haus Kemnade der RuhrtalBahn (s. Etappe 9, S. 121). Rechts vom Wehr RTRW durch die Ruhrauen an altem Leinpfad vorbei. Unter Straßenbrücke hinweg bis Wirtshaus »Zur alten Fähre«. Abstecher zur Dorfkirche Stiepel: Bevor es zur Dorfkirche bergan geht, noch ein ausführlicher Blick über das Ruhrtal nach links. Auf der Höhe thronen die Reste der Burg Blankenstein . Diese Feste wurde 1228 von Graf Adolf I. von der Mark erbaut, um die von ihm gewonnenen Isenberger Besitztümer zu sichern. Vorausgegangen war die Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert durch Adolfs Verwandten Friedrich von Isenberg. Dessen Burgen und Ländereien wurden daraufhin zerstört und eingezogen. Die märkischen Grafen konnten dadurch ihre Position entscheidend festigen. 1662 wurde Burg Blankenstein bis auf den Burgturm abgerissen. Am jetzigen Wirtshaus befand sich übrigens von 1758–1960 eine Fähre hinüber nach Blankenstein. Vor dem Wirtshaus rechts den Hang hinauf (recht steil). Rechts in Brockhauser Straße und links an Gaststätte »Zum Wilhelmstein« überdachter Durchgang zur Dorfkirche. Rückweg zum RTRW über Hinweg. Die Stiepeler Dorfkirche ist ein Kleinod im Ruhrtal. 2008 feiert die Gemeinde bereits ihr 1000-jähriges Bestehen. Die Anfänge der jetzigen Kirche gehen auf die Mitte des 12. Jh. zurück. Highlight der Kirche sind die außergewöhnlich gut erhaltenen romanischen und gotischen Wandmalereien, die zwischen dem 12. und 16. Jh. entstanden. Besonders beeindruckend sind die Flucht nach Ägypten, der Kindermord von Bethlehem und der Drachenkampf des heiligen Georg. Diese prächtigen Darstellungen sind kulturhistorisch von überregionaler Bedeutung. Sehenswert ist auch der Kirchhof mit seinen alten Grabsteinen (Brockhauser Str. 72 a–74, Tel. 0234/79 13 37, Fr 15–18 Uhr, Vorraum tgl. 10–17 Uhr, Schlüssel im Büro Mo/Mi/Fr 9–11 Uhr, Di/Do 14.30–17 Uhr). RTRW mehrfach rechts/links in Ruhraue. Durch Felder bis Abzweig zur Schleuse Blankenstein. Rechts und wieder links auf Radweg an Brockhauser Straße. Vor Koster Brücke links und dahinter rechts. An dieser Stelle befand sich im 19. Jh. die Kohlenniederlage An der Kost. Den Kohlentransport mit Schiebkarren aus den Zechen im Hinterland übernahm 1827 eine Pferdeschleppbahn. 1854/55 ermöglichte dann der Brückenbau die direkte Belieferung der Henrichshütte, deren ehemaliges Gelände wir schon bald auf der anderen Ruhrseite erkennen können. Auf dem weiteren Weg passieren wir mehrfach alte Stollenanlagen.Links in Rauendahlstraße und sehr schöner Radtrasse am Waldrand folgen. Hinter Zufahrt zur Wassergewinnungsanlage rechts sanierter Bereich des Rauendahler Kohlenwegs.Niemand würde vermuten, dass ausgerechnet an diesem Waldstück 1787 die erste Bahnstrecke Deutschlands auf Eisenschienen entstand. Der Betrieb wurde zwar von Pferden oder Menschen sichergestellt, aber der erste Schritt auf dem Weg zur Dampfeisenbahn war getan. Links steht der Nachbau eines damaligen Kohlenwagens. Zunächst wurde die Kohle von der Rauendahler Kohlenniederlage verschifft, 40 Jahre später dann mit einer Pferdeschleppbahn nach Hattingen gebracht. Nach 200 m an ehemaliger Kohlenniederlage links und wieder links auf gepflasterten Leinpfad. Vorbei am Gelände der Henrichshütte am gegenüberliegenden Ruhrufer bis zum Campingplatz Ruhrbrücke (s. Kasten »Tour kompakt«) am Ruhrwehr. Links über Brücke (Bochumer Straße) nach Hattingen bis Abzweig RTRW (geradeaus Schild: »historische Altstadt 1,0«).200 m geradeaus. An Ampelkreuzung Abstecher zur Henrichshütte.Abstecher zur ehemaligen Henrichshütte: Links in Straße Ruhrdeich. Nach 250 m links auf Leinpfad und an alter Ruhr zum Landhaus Grum.Das ehemalige Haus Weile (A) ging 1927 in den Besitz der Henrichshütte über. Damals lag das Haus noch auf der anderen Ruhrseite, wie der Verlauf der alten Ruhr und die Lage der Schleuse Hattingen links deutlich zeigen. Erst 1959 wurde die Ruhr in ihr jetziges Bett umgeleitet, um für die Henrichshütte Platz für Erweiterungen zu schaffen. Seit zehn Jahren wird das ansehnliche Haus gastronomisch genutzt (s. Kasten »Tour kompakt«). Sehr auffällig ist zudem der große Backsteinbau der Birschel-Mühle, ein typisches Zeugnis der Industriearchitektur an der vorletzten Jahrhundertwende.Über den Leinpfad bis Minigolfplatz. Dort rechts und am Haltepunkt Henrichshütte über die Bahnlinie der RuhrtalBahn. Geradeaus durch Gewerbepark bis Westfälisches Industriemuseum Henrichshütte.1987 sorgten die Bilder vom verzweifelten Kampf der Belegschaft und der Bevölkerung gegen die Schließung der Henrichshütte (B) in Hattingen bundesweit für Schlagzeilen. Mit dem Ausblasen der Hochöfen ging eine über 130 Jahre lange Industriegeschichte vor Ort zu Ende. 1854 hatte Graf Henrich von Stolberg-Wernigerode die Henrichshütte gegründet, die zeitweise rund 10 000 Menschen Brot und Arbeit bot. Nach der Schließung entstand rund um Hochofen 3 ein spannendes Industriemuseum, doch das Werk war ursprünglich mehrere Quadratkilometer groß gewesen. Die Umwandlung des riesigen Werksgeländes in einen modernen Gewerbepark ist noch nicht abgeschlossen. Im Museum, ein zentraler Ankerpunkt der Route der Industriekultur, führt ein abwechslungsreicher Rundweg zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, bis hinauf zur Spitze des Hochofens 3. Andere Anlagenteile wurden nach China verkauft. Für Kinder werden eigens unterhaltsame Führungen mit der blauen Ratte angeboten – Industriekultur zum Anfassen! (Werksstr. 31–33, Tel. 02324/924 71 40, www.henrichshuette.de, Di–Do, Sa/So 10–18 Uhr, Fr 10–21.30 Uhr, offene Führungen: Fr 19 Uhr, So 11.30 Uhr, Schaugießerei Mi 10–17 Uhr). Rückweg zur Bochumer Straße über Hinweg: Geradeaus über Bahn, dann schräg links an alten Straßenbahnschienen in Bahnhofstraße. An Fußgängerampel geradeaus über August-Bebel-Straße und schräg links in Kleine Weilstraße (Fußgängerzone!). Rechts (Krämersdorf) bis zum Untermarkt vor dem Alten Rathaus. Durch den Mittelgang geradeaus zum Kirchplatz (4 Stufen). Als »Rothenburg des Ruhrgebiets« wird die denkmalgeschützte Altstadt von Hattingen manchmal gerühmt. Mehr als 140 Fachwerkhäuser in den beschaulichen Gassen rund um den malerischen Kirchplatz (C) machen den unwiderstehlichen Reiz von Hattingen aus. Während am Ortsrand das stählerne Herz des Ruhrgebiets pochte, hat sich in der historischen Altstadt mittelalterlicher Charme erhalten, der als Gesamtensemble wirkt. Die Stadt geht auf den Reichshof »Hatneghen« zurück, der schon 990 erwähnt wurde. 1396 folgten die Stadtrechte und ein starker wirtschaftlicher Aufschwung, der erst durch den Dreißigjährigen Krieg beendet wurde. Die Henrichshütte brachte neuen Wohlstand und deshalb war 1987 der Schock über die bevorstehende Schließung so enorm. Mittlerweile hat Hattingen das Ende des Montanzeitalters einigermaßen verdaut. Mittelpunkt der Stadt ist die St.-Georgs-Kirche mit der leicht schiefen Kirchturmspitze. Der Kirchplatz ist heute ein Hort der Ruhe, von dem aus alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß rasch erreichbar sind. Markant ist das Alte Rathaus (D). Die zwei Fachwerkgeschosse wurden 1576 auf einer Fleischhalle von 1420 errichtet. Besonders ungewöhnlich ist der Durchgang zum Kirchplatz. Rechts von der Kirche führt ein Treppchen hinunter zum sogenannten »Malerwinkel« (E). Hier stehen zwei Fachwerkhäuser vom Ende des 16. Jh. In einem befindet sich das sympathische Café Adele (s. Kasten »Tour kompakt«). Ebenfalls sehenswert ist das urige »Bügeleisenhaus« (F) (1611) am Haldenplatz 1. In dem Haus ist ein heimatkundliches Museum untergebracht (So 14–17 Uhr). Auch am Haldenplatz befinden sich stimmungsvolle Cafés. Die zahlreichen Straßencafés und Restaurants bringen viel Leben in die Altstadt. An warmen Sommerabenden wird es auf den idyllischen Plätzen richtig lauschig. Jedes Jahr im Sommer wird die Altstadt während des »Hattinger Altstadtfests« zur Bühne für Theater, Musik und Kultur.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour35 km
Höhenunterschied370 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWengern
TourencharakterDie »Königsetappe« im Ruhrtal ist voller Highlights: von der Wiege des Bergbaus im idyllischen Muttental über den Kemnader See bis zu historischen Wasserburgen, Dorfkirchen und der ehemaligen Henrichshütte. Als Krönung wartet die malerische Fachwerk-Altstadt von Hattingen.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRuhrtalRadweg (bis auf Hattingen Altstadt).
VerkehrsanbindungBahn: Regelmäßige Verbindungen von Dortmund und Hagen nach Wetter, dann 4 km über RTRW bis Wengern. RuhrtalBahn: Mai–Okt. Fr/So von Hagen oder Bochum-Dahlhausen/Hattingen nach Wengern-Ost. Auto: Über A 1 bis Hagen-West, dann über Wetter nach Wengern. Rückfahrt Nur mit RuhrtalBahn oder über Essen und Bochum!
GastronomieBochum-Stiepel: Cigo’s Steakhaus, Oveneystr. 65, Tel. 0234/79 98 88 (umgebautes Bauernhaus mit schönem Biergarten am Kemnader See). Hattingen-Kemnade: Burgstuben »Haus Kemnade«, An der Kemnade 10, Tel. 02324/933 10 (Restaurant und wunderschöner Biergarten im Hof). Hattingen: Landhaus Grum, Ruhrdeich 6–8, Tel. 02324/218 08 (stilvolle Adresse am Ruhrufer, großer Biergarten); Altstadt: viele nette Adressen, z. B. Café Adele und Ristorante Altstadt-Treppchen, Steinhagen 1 + 4.
Tipps
Stadtführungen: Wer mehr über die interessante Geschichte Hattingens wissen möchte, sollte sich einer der offenen Stadtführungen anschließen. Jeden Donnerstag um 18 Uhr und jeden Samstag um 15 Uhr geht es vom Alten Rathaus am Untermarkt auf eine kurzweilige und informative Tour quer durch die Gassen der Altstadt. Infos bei der Touristeninformation Hattingen (s. Kasten »Tour kompakt«).
Verleih
Witten: Radstation Witten, Bergerstr. 35, Tel. 02302/39 90 00. Hattingen: Fahrrad Wurm, Kreisstr. 31, Tel. 02324/555 72.
Informationen
Das Muttental: Wiege des Ruhrbergbaus: Heutige Besucher finden ein ländliches Idyll vor, wenn sie das Muttental betreten. Felder und Wälder bestimmen inzwischen das Bild und verraten nicht mehr, dass von hier der Kohlenbergbau im Ruhrgebiet ausging. Bis zu 60 Zechen waren hier gleichzeitig in Betrieb! Der Sage nach entdeckte ein Schweinehirte die Kohlenlager, als er ein Feuer auf »schwarzer Erde« anzündete, das auch ohne Holz weiterbrannte. Wann genau der Kohlenabbau begann, lässt sich nur vermuten. Urkundlich belegt ist die Kohlenförderung in Witten ab 1525. Hier traten die Kohlenflöze bis an die Oberfläche. Zunächst reichten deshalb Erdlöcher (Pingen) und brunnenähnliche Schächte (Pütts), ab dem 18. Jh. wurden Stollen in den Berg getrieben. Für die Entwässerung und Belüftung waren sogenannte Erbstollen zuständig. Die Arbeit war hart und gefährlich. Unfälle kamen häufig vor. Auch der Abtransport war Knochenarbeit: Ab dem späten 18. Jh. wurde die Kohle mühsam hinunter an die Ruhr geschafft, um dann per Schiff befördert zu werden. Später löste die Eisenbahn das Schiff ab. Mit dem Einsatz der Dampfmaschine begann 1832 im Muttental der Tiefbergbau, doch bereits gegen Ende des 19. Jh. waren die Kohlenvorräte im Muttental größtenteils erschöpft und der Bergbau zog weiter nach Norden.Das Alltagsleben der Kumpel war noch nicht von industriellen Großsiedlungen geprägt, sondern vom halbbäuerlichen Leben in Kottensiedlungen. Die Feldarbeit ergänzte das Einkommen der Bergleute. Im unteren Muttental wurden die alten Zechenhäuser nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Der 9 km lange »Bergbau-Rundweg Muttental« führt zu den wich-tigsten Zeugnissen des frühen Bergbaus und ist eine sehr angenehme Route (Infos bei Stadtmarketing Witten, s. Kasten »Tour kompakt«).Ruhrschifffahrt, Teil 2Als der preußische König Friedrich II. die Ruhr 1774–80 schiffbar machen ließ, leitete er einen großen Aufschwung für die Region ein. Erst 1773 hatten alle beteiligten Landesherren grünes Licht für den Ausbau gegeben. Danach entstanden zunächst 16 Schleusen, aber bereits 1801 wurde der Schiffsverkehr oberhalb von Witten wieder eingestellt. Teile des originalen Leinpfads sind noch erhalten, da die Schiffe flussaufwärts von Pferden gezogen werden mussten. Im 19. Jh. wurden die Holzschleusen durch steinerne ersetzt, in Herbede wurde diese jedoch 1943 durch die Möhnekatastrophe zerstört.Um 1840 befuhren mehr als 350 Ruhraaken den Fluss, 2000 Menschen und 500 Pferde waren für den Betrieb nötig. Im Rekordjahr 1860 wurden auf der Ruhr ca. 890 000 Tonnen Güter transportiert, fast so viel wie auf dem Rhein. Doch ab Mitte des 19. Jh. begann die Eisenbahn der langsamen Ruhrschifffahrt ernsthaft Konkurrenz zu machen und der Bau der Bahnlinie Steele–Hattingen–Witten 1869–76 bedeutete das endgültige Aus. Dazu kam, dass die Ruhr an bis zu 150 Tagen im Jahr wegen zu geringem Wasserstand ohnehin nicht befahrbar war. 1890 wurde die Schifffahrt oberhalb von Mülheim eingestellt.Durch den Bau der großen Stauseen sind zumindest Ausflugsschiffe wieder auf die Ruhr zurückgekehrt. Die neue Schleuse in Herbede wurde 1985 gebaut.
Unterkunft
Hattingen: Avantgarde Hotel, Welper Str. 49, Tel. 02324/509 70, www.avantgarde-hotel.de (komfortables Bett&Bike-Hotel mit 90 Betten und Radgarage, nebenan griech. Restaurant); Hotel Garni Herold, Krämersdorf 1, Tel. 02324/223 35 (4 gemütliche Nichtraucherzimmer bei Jane Herold in der Altstadt); Campingplatz Ruhrbrücke, Ruhrstr. 6, Tel. 02324/800 38, www.camping-hattingen.de (direkt an RTRW und Ruhr).
Tourismusbüro
Witten: Marktstraße 7, 58452 Witten, Tel. 02302/122 33, info@stadtmarketing-witten.de, www.stadtmarketing-witten.de. Bochum: Huestr. 9, 44787 Bochum, Tel. 0234/963020, info@bochum-tourismus.de, www.bochum-tourismus.de. Hattingen: Haldenplatz 3, 45525 Hattingen, Tel. 02324/95 13 95, info@stadtmarketing-hattingen.de, www.stadtmarketing-hattingen.de

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