Am Haarstrang nach Fröndenberg

Ruhige Radwege durch die Ruhraue bestimmen größtenteils das Bild; vor Echthausen jedoch kein Radweg, ansonsten getrennte Radwege; keine Steigungen. (Autor: Matthias Eickhoff)
20 km
130 m
1.00 h
Von Neheim nach Fröndenberg: RuhrtalRadweg überquert hölzerne Möhnebrücke und nach links zurück zur Ruhr. Zwischen Ruhr und Autobahn erreicht geteerter Radweg nach 2 km einen Aussichtsturm. Im überdachten Turm befinden sich Picknickbänke und man kann von hier beobachten, wie die Ruhr im Laufe der letzten Jahre eine Insel herausgebildet hat. Die Schautafeln erläutern, dass die Ruhr in diesem Abschnitt noch ein »dynamisch fließender Mittelgebirgsfluss« ist. Geradeaus nach weiteren 2,5 km zur Rechten Haus Füchten. Die weitläufige Anlage von Haus Füchten wurde im Jahr 1298 erstmals als »curtem de Vuchtene« urkundlich erwähnt. Damals wurde ein gewisser Ritter Goswin von Soest mit dem Anwesen belehnt. Das jetzige Herrenhaus geht auf das Jahr 1695 zurück, im 18. Jh. kam es zu größeren Anbauten. Es waren sogar großflächige Gartenanlagen geplant, die jedoch mit dem Tod des damaligen Besitzers Friedrich Wilhelm von Droste-Füchten ad acta gelegt wurden. Einen großen Eingriff bedeutete der Bau der A 445 in den 1980er-Jahren, der ein Teil der Gräfte zum Opfer fiel. Seit einiger Zeit wird der inzwischen schon recht verfallen wirkende Gutshof jedoch restauriert. An Zufahrt zu Haus Füchten links und nochmals links über Ruhr (wunderbare Allee!). Hinter Bahnübergang rechts auf Kreisstraße nach Echthausen (kein Radweg!). Unterwegs stehen am ehemaligen Gasthof Ries gelegentlich Kamele auf der Weide. In Echthausen vorbei an Gasthof Schulte (s. Kasten »Tour kompakt«) bis Haus Echthausen. Die ältesten Gebäudeteile von Haus Echthausen stammen noch aus dem 16. Jh. Wie bei derartigen Herrenhäusern üblich, erfolgten im Laufe der Jahrhunderte mehrere Um- und Anbauten. Im 20. Jh. gehörte das Haus längere Zeit den Freiherrn von Boeselager, die es 1991 wieder verkauften. Eine Besichtigung der gut abgeschirmten Anlage ist leider nicht möglich. Das Ruhrtal macht bei Echthausen einen Knick nach Westen und vor uns ragt der Höhenzug des Haarstrangs auf. Mit einer Höhe von knapp über 200 m sind wir jedoch in gemäßigten Breiten angelangt.Hinter Gutshaus rechts in Von-Lilien-Straße und hinter Bahnübergang links auf geteerten Feldweg. Im Bereich der schmalen Fußgängerbrücken bitte schieben. Hinter den Brücken liegt zur Rechten das Freibad von Wickede. RTRW links und an Gleisen entlang zum kürzlich renovierten Wickeder Bahnhof. Dahinter überquert Fußgängerbrücke die Bahnlinie und RTRW folgt der Hauptstraße (B 63). Vor Ortsausgang Straßenseite wechseln . RTRW durch kleinen Park unter Straßenbrücke hinweg. Geradeaus am Obergraben der gestauten Ruhr entlang. An kleiner Wirtschaftsbrücke rechts und sofort wieder links auf Feldweg. Geradeaus, am Ende rechts und links auf den Radweg bis Abzweig nach Warmen und zur Hofkäserei Wellie (s. Tipp). RTRW geradeaus durch Frohnhausen. In Neimen links in Industriegebiet und am Straßenende rechts in Werner-von-Siemens-Straße nach Fröndenberg. Am Straßenende links, sofort wieder rechts und erneut nach links in Graf-Adolf-Straße. Diese führt nach rechts und geradeaus durch Siedlung zum Kettenschmiedemuseum. Als 1987 die Papierfabrik Himmelmann abgerissen wurde, blieben nur das Magazingebäude und eine Außenmauer stehen. In das Magazin zog 1999 das Kettenschmiedemuseum ein, das Maschinen aus der Zeit von 1910 bis 1950 zeigt. Die Kettenindustrie war einst ein bedeutender Gewerbezweig in Fröndenberg. Die Schmiedefeueranlage im Museum ist immer noch funktionstüchtig und wird an jedem ersten Sonntag im Monat vorgeführt (Ruhrstr. 12, Tel. 02373/170 84 98, www.kettenschmiedemuseum-froendenberg.de, April–Okt. So 11–13 Uhr).Das Museum ist Teil des Kulturzentrums Ruhraue, das im Oktober 2007 um den Veranstaltungssaal »Kulturschmiede« in der Industrieruine erweitert wurde. Im Kulturzentrum ist die über 3,50 m hohe Gipsplastik »Paris« von Markus Lüpertz zu sehen. Der sogenannte »Fröndenberger Trichter« im Park diente in früheren Zeiten der Wasserreinigung in der Papierfabrik. An Bismarckstraße links zum Etappenziel an der Kreuzung Bahnhofstraße/Ruhrstraße. Dort bietet sich ein Abstecher zur Stiftskirche von Fröndenberg an.Abstecher zur Fröndenberger Stiftskirche: Rechts über Fußgänger-Bahnübergang zum Marktplatz mit dem hervorragenden Café Melange (s. Kasten »Tour kompakt«). Geradeaus und über Ampelkreuzung in Eulenstraße. Nach 200 m links in Freiheitsstraße bergan bis Kirchplatz an Stiftskirche. Rückweg zum RTRW über Hinweg.Nachdem wir das ehemalige Gebiet der Grafen von Arnsberg verlassen haben, befinden wir uns nun im Stammland der Grafen von der Mark. Gleich fünf Grafen haben sich im Mittelalter in der Fröndenberger Stiftskirche begraben lassen, was die Bedeutung der Kirche unterstreicht, die in der Mitte des 13. Jh. für ein Zisterzienserinnenkloster errichtet wurde. Zu jenem Zeitpunkt erreichte die Macht der märkischen Grafen ihren Höhepunkt, als Graf Eberhard II. mit einer großen Koalition 1288 den kölnischen Erzbischof in der Schlacht bei Worringen besiegen konnte. Das Hochgrab des Grafen und seiner Frau Ermgard von Berg zählt heute neben einem dreiteiligen Flügelaltar des Malers Conrad von Soest aus dem 14.Jh. zu den größten Kunstschätzen der Kirche. Als letzter Graf ließ sich Engelbert III. 1391 in Fröndenberg beisetzen. Die Reformation führte in Fröndenberg zu einer besonderen Situation: Mit Unterstützung des Damenstifts nutzten im 17. Jh. gleich drei Konfessionen die sehr schöne Kirche. Auch heute ist sie noch eine Simultankirche, auch wenn sich die katholische Gemeinde längst eine neue Kirche nebenan errichtet hat (Besichtigung der Stiftskirche jeden ersten Sonntag im Monat, 15–17 Uhr). Auf dem stimmungsvollen Kirchplatz fallen das an die Kirche angebaute Boeselagerhaus aus dem 18. Jh sowie das prächtige Stiftsgebäude von 1661 ins Auge. Letzteres ist ein sehr schönes Fachwerkhaus, in dessen Keller sich das Restaurant Stiftskeller befindet.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied130 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktNeheim
TourencharakterHinter Neheim verlässt der RuhrtalRadweg endgültig das Hochsauerland. Die umliegenden Hügel werden sanfter und die Talaue wird breiter. Über wenig befahrene Wege erreicht man Fröndenberg mit dem Kettenschmiedemuseum und der sehenswerten Stiftskirche.
Beste Jahreszeit
MarkierungenRuhrtalRadweg.
VerkehrsanbindungBahn: Von Dortmund/Hagen und von Kassel/Winterberg regelmäßige Verbindungen mit RE 17/57 bis Bhf. Hüsten (ca. 3 km bis Startpunkt, größtenteils über RTRW). Auto: Über A 445/A 46 bis Abfahrt Neheim. Rückfahrt Mit RE 17/57 zweimal pro Stunde Verbindungen ab Bhf. Fröndenberg bis Bhf. Hüsten. Unterwegs Bhf. in Wickede.
GastronomieWickede-Echthausen: s. Übernachten. Fröndenberg: Café Melange, Markt 8, Tel. 02373/39 97 11 (sehr einladendes Café am Marktplatz von Fröndenberg mit regelmäßigem Kulturprogramm); Haus Ruhrbrücke, Ruhrstr. 20, Tel. 02373/721 69 (beliebtes Restaurant mit Terrasse und Sonntagsbuffet, auch Hotel, s. Übernachten).
Tipps
Hofkäserei Wellie: Ein großer Wegweiser führt vom RTRW rechts über die Bahn nach Warmen und sofort wieder rechts zum Hof Wellie . Dort wird mit ökologischen Mitteln eigener Käse hergestellt, der eine Kostprobe unbedingt lohnt. Zahlreiche leckere Käsesorten in der Theke machen die Auswahl schwer. Zu Recht wurde die Hofkäserei mehrfach prämiert (Zur Tigge 2, Tel. 02377/91 01 06, www.hofkaeserei-wellie.de, Mo–Mi 9–13, Do/Fr 9–13 und 15–18.30, Sa 9–12.30 Uhr).
Verleih
Fröndenberg: Martin Wittwer Radsport, Westicker Str. 8, Tel. 02373/39 86 63.
Informationen
Trinkwassergewinnung im Ruhrtal: Ab Neheim werden die Trinkwasseranlagen entlang der Ruhr ständige Begleiter auf dem Weg zum Rhein. Mehr als fünf Millionen Menschen werden aus dem Ruhrtal mit Trinkwasser versorgt. Selbst im nördlich gelegenen Lippetal versorgt sich die Stadt Hamm mit Wasser aus Fröndenberg-Warmen. Jährlich werden insgesamt gut 600 Mio. m3 Wasser dem Fluss entnommen. Zudem müssen die Abwässer der umliegenden Städte und Gemeinden vor der Einleitung in die Ruhr gründlich gereinigt werden. Dazu gibt es nicht weniger als 73 Kläranlagen. Schon um 1870 wurden im Ruhrtal die ersten Wasserwerke angelegt, da das Flusswasser infolge der raschen Industrialisierung stark verdreckt war. Um die schwierige Wasserversorgung besser regulieren zu können, wurden zu Beginn des 20. Jh. die großen Talsperren im Sauerland errichtet. Eine wichtige Rolle bei der Reinhaltung des Ruhrwassers spielen auch die fünf Stauseen im Ruhrtal. Dort können sich Sedimente ablagern. In zwölf Wasserkraftwerken wird zudem umweltfreundlicher Strom erzeugt.Für große Aufregung sorgte in jüngster Zeit der PFT-Skandal, der auf verunreinigte Flächen im Hochsauerland zurückzuführen war und die Wasserwerke vor große Herausforderungen stellte. Beim August-Hochwasser 2007 musste die Stadt Hamm kurzzeitig die Brunnen im Ruhrtal wegen Überflutung abstellen. Das zeigt sehr deutlich, dass sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist.
Unterkunft
Wickede-Echthausen: Gasthof Haus Schulte, Ruhrstr. 52, Tel. 02377/30 26, www.gasthaus-schulte.de (auf Radfahrer eingestellter Gasthof in dörflicher Umgebung, Restaurant mit gutbürgerlicher Küche). Fröndenberg: Haus Ruhrbrücke, Ruhrstr. 20, Tel. 02373/721 69, www.hotel-haus-ruhrbruecke.de (30 ansprechende Zimmer und Radgarage in dem freundlichen Bett&Bike-Hotel direkt an der Ruhr; auch Restaurant, s. o.); Hotel am Park, Ruhrstr. 6, Tel. 02373/176 78 00, www.hotel-am-park.org (in Fröndenbergs zweitem radlerfreundlichen Hotel 26 Zimmer, aber kein Restaurant).
Tourismusbüro
Ense: s. Etappe 15, S. 175. Wickede: Hauptstr. 81, 58739 Wickede, Tel. 02377/91 50, post@wickede.de, www.wickede.de. Fröndenberg: Bahnhofstr. 2, 58730 Fröndenberg, Tel. 02373/97 62 38, stadtinfo@froendenberg.de, www.froendenberg.de

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