Anzeige

Frühlingfit für die erste Tour: Das Mountainbike auf die neue Saison vorbereiten

Die Sehnsucht nach wärmeren Temperaturen wird immer größer, der Frühling allerdings bleibt vorerst noch außer Sichtweite. Damit die Rückkehr des besseren Wetters den passionierten, aber jahreszeitmäßig gerade verhinderten Biker nicht vollkommen unvorbereitet trifft, bietet die „Zwangspause“ aber die vielleicht beste Gelegenheit, das Mountainbike zu pflegen und für die kommenden Touren fit zu machen.
© fotolia.com © maryviolet
Wer nicht gerade zu den hartgesottenen Bikern gehört, denen weder Wind noch Wetter etwas anhaben können – oder die zumindest glaubwürdig den Eindruck vermitteln, es wäre so –, der wird sich und seinem Bike in den kalten Monaten vermutlich eine Ruhepause gönnen. Die kann, selbstverständlich immer abhängig davon, wie lange der Einzelne die äußeren Umstände noch für akzeptabel hält, auch mal ein paar Monate dauern.

Da sich der Sinnspruch „Wer rastet, der rostet“ nicht allein auf die menschliche Agilität, sondern gleichermaßen auf die technische Funktionstüchtigkeit übertragen lässt, sollte das im Winter geschonte Bike daher aufmerksam untersucht werden, bevor es in die neue Touren-Saison geht. Dann soll der fahrbare Untersatz schließlich nicht nur gut aussehen, sondern vor allen Dingen auch den Ansprüchen an die Sicherheit genügen. 

Das heißt aber auch: Im Zweifelsfall sollten notwendige Arbeiten am Rad besser den Profis überlassen werden. Mit einem Mindestmaß an handwerklichem Vermögen sind im Prinzip zwar alle Arbeitsschritte der Frühjahrsinspektion durchführbar. Zur Vermeidung unliebsamer Überraschungen ist der Expertenrat aber im wahrsten Sinne der sicherste Weg. Kleinere Handgriffe können aber schon vorab in Eigenregie durchgeführt werden.

Wenn die äußeren Bedingungen weniger Zeit im Sattel und dafür mehr Zeit in den eigenen vier Wänden mit sich bringen, lassen sich einige – möglicherweise im Laufe der aktiveren Monate vernachlässigten – Vor- und Nachbereitungen treffen. Das betrifft nicht nur den Erhalt des Fitness-Zustandes, damit zum Beginn der Saison nicht wieder bei Null angefangen werden muss und es betrifft auch nicht ausschließlich die Frage, ob die Ausrüstung noch den Ansprüchen genügt – das betrifft in erster Linie die ausgiebige Hege und Pflege des Mountainbikes selbst. 

Körperpflege: Waschen, Putzen, Fetten

Sofern nicht bereits geschehen, bevor das Mountainbike in den Winterschlaf geschickt wurde, ist das Reinigen immer der erste Schritt beim gründlichen Check. Das hat nicht nur optische Gründe, sondern dient auch der einfacheren Kontrolle – so kann sich kein Defekt oder Schaden unter der Schmutzschicht verbergen. 


Höchste Zeit für eine gründliche Wäsche, bevor es zur neuen Saison wieder auf die Strecke geht. © fotolia.com/berezko

Beim Säubern ist übrigens Feingefühl angesagt, auch wenn das vielleicht ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt: Die Wäsche im Schnelldurchgang mit dem Hochdruckreiniger klingt zwar wegen der zu erwartenden Zeitersparnis verlockend, allerdings besteht damit nur die Gefahr, empfindliche Teile zu beschädigen oder Wasser und Dreck in die Lager eindringen zu lassen. 

Ausreichenden Erfolg erzielen stattdessen Wasser, Seifenlauge und Schwamm, bei Verschmutzungen der hartnäckigeren Sorte helfen spezielle Radreiniger. Zur Vorbehandlung kann eine Bürste (an schlecht erreichbaren Stellen vielleicht auch eine Zahnbürste) verwendet werden. Nach der Wäsche das ganze Rad gründlich mit einem weichen Tuch abtrocknen.

Zur abschließenden Behandlung gehört das Überprüfen und Einfetten der beweglichen Teile, allen voran der Steuersatz (also das Lenkkopflager, auf dem sich der Lenker dreht), die Radnaben und gegebenenfalls die Kette. Denn auch eine gute Dichtung kann nicht immer das Eindringen von Schmutzpartikeln verhindern. Das Fett dient daher einerseits zum Schmieren und andererseits als Korrosionsschutz. Die Sattelstütze ist hierbei übrigens keine Ausnahme (was wiederum für solche aus Carbon nicht gilt!), auch hier sollte ein Schmiermittel zum Einsatz kommen, vorzugsweise eine Montage-Paste.

Vorsicht ist allerdings bei einigen anderen Fahrrad-Teilen geboten, denn
  • der gesamte Vorbau bzw. Lenkerbereich,
  • die Dämpferschrauben,
  • die Hinterbauschrauben,
  • die Sattelklemmung,
  • und die Kurbelschrauben
sollten fettfrei bleiben.

Hinweis: Mahlende Geräusche und Lager, die sich nur noch schwer in Bewegung versetzen lassen, sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Einfetten dringend notwendig ist. 

Prüfungsarbeiten

Ist das Bike sozusagen auf Hochglanz poliert, steht die Überprüfung der einzelnen Teile auf dem Programm.
  • Lenker-Kontrolle: Hier geht es in erster Linie um das Lagerspiel des Steuersatzes. Ist das nämlich zu groß, kann Wasser eindringen und den Steuersatz auf Dauer korrodieren. Rostige Stellen an der unteren Lagerschale sind in dieser Hinsicht ein klarer Hinweis, dass hier nachgebessert werden muss. 

Kontrolle, damit die Kontrolle nicht verloren geht: Die Überprüfung des Lenkers gehört selbstverständlich zum Frühjahrs-Check dazu. © fotolia.com/WavebreakMediaMicro

Praxistipp: Das Lagerspiel kann ziemlich leicht überprüft werden: 
  1. Bei gezogener Vorderradbremse die untere Lagerschale zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, die Finger sollten dabei das Steuerrohr und die Gabelbrücke berühren.
  2. Dann einfach das Vorderrad von einer Seite zur anderen bewegen, dabei lässt sich ein Lagerspiel, sofern vorhanden, feststellen. 
  • Schraubenverbindungen: Die kleinen Dinge, die das Mountainbike überhaupt erst zusammenhalten, verdienen ebenfalls besondere Aufmerksamkeit. Allen voran die Schrauben am Lenker, dem Bremssattel, den Bremsscheiben und – das gilt allerdings nur für Klickpedalfahrer – die Schrauben an Klicks und Federspannungen. Gerade den Schrauben am Lenker und den Bremsen kommt eine besondere Bedeutung für die Sicherheit zu, weshalb der Einsatz eines Drehmomentschlüssel beim Anziehen ratsam ist. 
  • Laufräder und Reifen: Erster Punkt der Überprüfung sind Speichen und Felgen. Erstere sollten unbeschädigt sein und über die jeweils gleiche Spannung verfügen. Bei der Felge wird in erster Linie nachgesehen (eine Sichtkontrolle reicht hier wirklich aus), ob sie noch rund läuft. Die Reifen selbst müssen genauso auf eventuelle Beschädigungen geprüft werden – dazu einfach mit der Handfläche an den Seiten entlangfahren. Daneben gilt es außerdem, für ausreichenden Reifendruck zu sorgen, denn bekanntermaßen wirkt sich eine Pause nicht unbedingt förderlich darauf aus. Ein abgefahrenes Profil, möglicherweise noch mit Rissen oder richtiggehenden Brüchen ist ein Fall für eine Erneuerung. 

Reife(n)-Prüfung inklusive: Stark abgenutzte Profile, Risse oder andere Mängel am Reifen sollten vor dem Saisonstart behoben werden. © fotolia.com/Roman Hense

Hinweis: Einen pauschalen Ratschlag zum „richtigen“ Reifendruck zu erteilen, ist eigentlich kaum möglich, auch wenn er beim Mountainbiken meist zwischen drei und vier Bar liegt. Dazu kommen aber noch andere Faktoren ins Spiel:
  1. Grundsätzlich ist es zwar richtig, dass ein höherer Druck den Rollwiderstand, den Verschleiß und die Anfälligkeit für Pannen verringert. Auf der anderen Seite sorgt ein niedrigerer Reifendruck aber für mehr Haftung und einen besseren Komfort beim Fahren.
  2. Zusätzlich sind aber auch das Körpergewicht, die Reifenbreite und die Fahrweise – ganz abgesehen von den individuellen Vorlieben – zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Reifenbreite gilt, dass der Druck beispielsweise bei breiten Reifen niedriger ist, wohingegen bei schmalen Reifen auch einmal deutlich über vier Bar möglich sind.
  3. Dabei kommt es auch immer darauf an, wo man sich mit seinem Mountainbike bewegt. Auf waldigen Strecken etwa reicht ein Reifendruck von zweieinhalb bis drei Bar. 
  • Bremsen und Scheibenbremsen: Im nächsten Schritt geht es an die Bremsanlage – wegen ihrer Bedeutung für die Fahrsicherheit ist hier besondere Aufmerksamkeit angesagt, denn es geht um nicht weniger als die frühzeitige Vermeidung von Unfällen. 
  1. Geprüft werden muss daher unter anderem, ob die Bremsbeläge noch ausreichend sind. Weniger als ein Millimeter ist definitiv der späteste Zeitpunkt für einen Wechsel, ebenso Risse oder eine unregelmäßige Abnutzung. Das Auswechseln kann übrigens theoretisch auch ohne Expertenunterstützung vorgenommen werden.
  2. Bei den Bremsscheiben ist zum einen wichtig, ob sie noch fest sitzen – da hilft schon Rütteln an den inneren Verstrebungen der beiden Scheiben (wobei ein Kontakt an den äußeren Bremsflächen vermieden werden sollte – durch fettige Finger kann die Bremsleistung verringert werden). Zum anderen muss überprüft werden, ob sie noch rund laufen. Schleifende Bremsscheiben erfordern nicht zwingend einen operativen Eingriff, nach ein paar Bremsungen bei einer Geschwindigkeit von rund 30 Stundenkilometern zentrieren sich diese häufig von selbst wieder.
  3. Ebenfalls wichtig ist der Bremsdruck. Lässt dieser merklich nach oder lässt sich der Bremshebel zu weit durchdrücken, wenn die Bremse über einen Zeitraum von knapp einer Minute betätigt wird, ist eine Entlüftung fällig. Die gehört zu den Arbeiten, die im Zweifelsfall unbedingt von einem Fachmann erledigt werden sollten. 
  • Kette, Kassette und Kettenblätter: Das Säubern der Kette, das wurde ja bereits erwähnt, gehört zum Frühjahrscheck in jedem Fall dazu, schon alleine um die angesammelten Ölverkrustungen und den Schmutz loszuwerden. Mit der Kettenlehre lässt anschließend herausfinden, ob die aktuelle Fahrradkette weiterhin ihren Dienst tun kann oder es Zeit für eine Neuanschaffung ist. Lässt sich diese sehr weit zwischen die einzelnen Kettenlaschen schieben, sollte ein Wechsel vorgenommen werden.  Weitere, untrügliche Hinweise, in dieser Hinsicht aktiv werden zu müssen, sind häufiges Abspringen der Fahrradkette, Rost und ein selbständiges Wechseln der Gänge, obwohl die Schaltung nicht betätigt wurde. Ein regelmäßiger Wechsel – etwa alle 3.000 Kilometer – schadet im Übrigen nicht.

Um sich Ärgernisse wie eine abspringende Fahrradkette auf der Tour zu ersparen, ist eine frühzeitige Kontrolle unbedingt sinnvoll. © fotolia.com/Aleksey

Hinweis: So wichtig das Ölen oder Einfetten der Kette für deren im wahrsten Sinne reibungsloses Funktionieren auch sein mag, es sollte dabei trotzdem Rücksicht auf die Scheibenbremsen genommen werden. Diese sollten also so abgedeckt werden, dass Öl- oder Fettspritzer die Bremsleistung nicht beeinträchtigen. 
  • Gangschaltung: Eine weitere Arbeit für den Fachmann ist die eventuell neu zu justierende Gangschaltung. Auch wenn hier nicht selbst Hand angelegt werden sollte, so kann die Kontrolle selbst schon eigenverantwortlich durchgeführt werden – immerhin bemerkt man selbst ja zuerst, ob es irgendwo hakt. 
So ist es problemlos möglich, per Sichtkontrolle sowohl das Schaltauge (also die Verbindung zwischen Fahrradrahmen und Schaltung) als auch das Verhältnis der Ritzel zur Kettenführung (hier sollte Parallelität bestehen) zu überprüfen. Bei Handlungsbedarf, etwa einem verbogenen Schaltauge, führt der Weg in die Werkstatt. 
 
Nach bestandenem Check kann es bei der erstbesten Gelegenheit wieder raus gehen. © fotolia.com/ARochau

Nach Abschluss der Kontrollen und Ausbesserungen sollte das Bike wieder in vollem Umfang funktionstüchtig sein – der Frühling und neue Herausforderungen auf den bevorstehenden Touren dürfen also gerne kommen.
 
Kategorie: 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren