Der Klettersteig-Ausrüstungs-Check

Die Anzahl der Klettersteige nimmt genauso zu wie die ihrer Fans. Damit das alpine Vergnügen auch eines bleibt, muss die Klettersteigtour richtig geplant und mit der nötigen Technik und Ausrüstung angegangen werden. 
 

Praxiswissen vom Profi mit »Outdoor Praxis Klettersteiggehen« 


Klettersteigpapst« Eugen E. Hüsler fasst in Bruckmanns »Outdoor Praxis Klettersteiggehen« alles Wichtige zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit zusammen.
Wer sich nun mit dem Praxiswissen vom Profi vorbereiten will, kann den Ratgeber »Klettersteiggehen« auch direkt in unserem angeschlossenen Buchshop bestellen.

Der Umfang und die Beschaffenheit der Ausrüstung hängen bei einer Klettersteigtour ganz von der Art des »Eisenweges« ab: 

• Auf einer talnahen Sport-Ferrata benötigt man keinen großen Rucksack. Helm und Klettersteigset, dazu etwas Trinkbares – das reicht schon. 

• Auf einer größeren Gipfeltour mit ein paar leichten, gesicherten Passagen ist zu überlegen, ob man das Set überhaupt benötigt – wichtiger ist eine der Höhenlage und Jahreszeit angepasste Bekleidung.

Hier erfahren Sie, mit welcher Allround-Ausrüstung Sie immer gut und sicher ausgestattet sind:

01)  Bergschuhe
Gute Allround-Modelle sollten verschiedene Eigenschaften vereinen können:

• Relativ leichte Konstruktion, knöchelhoher Schaft, weitgehend wasserdicht.

• Bequemer Sitz, Knöchelpolsterung, Dämpfungszonen

• Gummiprofilsohlen und hohe Torsionssteifigkeit (horizontal nicht verdrehbar)

• Bedingte Steigeisenfestigkeit sinnvoll.

TIPP gegen Blasen: Reiben sich Schuh und Haut, kleben Sie umgehend Tape oder Pflaster drauf. Nicht warten, bis eine Blase entsteht!

02)  Bekleidung
Generell sollte man Bekleidung wählen, die gut den Schweiß von der Hautoberfläche nach außen transportiert, um den Körper vor Auskühlung zu schützen. Besonders wichtig ist dabei die:

• Lange Berghose, ggf. mit abnehmbaren Beinen. 

• Fleecejacke bzw. je nach Wetter Anoraks aus Goretex oder vergleichbarem Material.

• Mütze. Sie wärmt angenehm den Kopf auf häufig zugigen Klettersteigen

WICHTIG: Wäsche zum Wechseln und ein Paar Ersatzsocken gehören immer in den Rucksack

03)  Rucksack
Er sollte bequem und mittelgroß sein, weder drücken noch schlecht sitzen. 

• Schmale Passform. Er sollte gut anliegen und ein wirkungsvolles Belüftungssystem besitzen (Volumen 20-35 Liter)

WICHTIG: In einen Rucksack gehören ausserdem unbedingt noch: Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set und Biwaksack (bzw. Rettungsdecke)

04)  Anseilgurte
Hier ist grundsätzlich zwischen Hüftgurt, Brustgurt und Kombigurt zu unterscheiden:

• Höchste Sicherheit bietet ein Hüftgurt in Verbindung mit einem leichten Brustgurt. Beide Teile werden per Achterband verbunden.

• Kombigurt: Hier bilden Sitz- und Brustgurt ein Element. Vorteil: Kein extra Einbindestück ist notwendig. 

05)  Klettersteigset
Das wichtigste Ausrüstungsteil der Klettersteigler! Moderne Qualitätssets sind nicht billig, garantieren dem Bergsteiger aber ein hohes Maß an Sicherheit. Achten Sie daher beim Kauf auf folgende Elemente des Klettersteigsets:

• Keine Knoten mehr an den Karabinern

• Kinderleichtes Einfädeln mittels Ankerstich

• Nur noch Y-Form

• Elastische Bänder

• Schnappkarabiner mit ausgeklügelter Sicherheitsvorrichtung

• Sturzenergieabsorber (Bremse)

• Drehkreisel (verhindert Umeinanderwickeln der Sicherungsstränge) 

• Passende Klettergurte gibt es natürlich auch für Kinder und Teenager.

Wichtig: Die Bänder müssen vorab so eingestellt sein, dass sie zwar anliegen, aber nicht drücken.

06)  Seil
Begeht man schwierige Klettersteige als Seilschaft, also mit konventioneller Partnersicherung (Kinder!), gehört ein Einfachseil zur Ausrüstung:

• Durchmesser 10 bis 11 Millimeter

• Länge max. 30 Meter

Wichtig: Zur Begehung als Seilschaft muss aber auf jeden Fall die Technik der Partnersicherung beherrscht werden!

07)  Helm
Für Klettersteiggeher ist er verpflichtend, da auf Eisenwegen ein hohes Steinschlagrisiko besteht! Darauf gilt es zu achten:

• Leichtere Helme erhöhen den Tragekomfort

• Er darf nicht herumrutschen, der Kinnriemen sollte keinesfalls einschneiden

• Der Helm sollte Belüftungsschlitze aufweisen, innen gut gepolstert sein und problemlos der Kopfgröße bzw. -form angepasst werden können.

08)  Handschuhe
Bei diesen Modellen sind die Fingerspitzen frei. Damit ist ein sicherer Griff zum Eisen auch dann garantiert, wenn man stark schwitzt. Achten Sie besonders auf:

• Guten Sitz mit Handgelenksabschluss

• Ausreichende Polsterung der Handfläche. Sie sollte allerdings nicht so dick sein, dass man jedes Gefühl fürs Eisen verliert!

Grundsätzlich gilt: Klettersteigausrüstung bereits am Einstieg anlegen! 

• Bei erkennbarer Steinschlaggefahr legt man Gurt, Set und Helm in ausreichendem Sicherheitsabstand zu dem gefährdeten Gelände an. 

• Keinesfalls Ausrüstung erst anlegen, wenn die Route anspruchsvoller wird. 

• Ist man zu zweit (oder als Gruppe) unterwegs, empfiehlt sich vor dem Einstieg ein Partnercheck. Dabei kontrollieren Klettersteigler gegenseitig, ob die Ausrüstung richtig angelegt wurde (Gurt, Set).

 
Fotos: 
Fotos: Eugen E. Hüsler
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