Canyoning Allgäu - Bergsteigen in den Berg

Canyoning muß oft vorab erklärt werden. Denn es wird  oft mit dem wortverwandten Canoeing verwechselt. Und als sei das noch nicht genug, ist es eine Nischensportart, in der wir Canyonauten meistens IM Berg unterwegs sind. Ein Plädoyer für den facettenreichen Outdoorsport.  
 
Das Ziel beim Bergsteigen ist ja meist sehr klar: Das Gipfelkreuz will erreicht werden, dann werden ein paar Bilder gemacht und sich, wo vorhanden, in das Gipfelbuch eingetragen. Auf dem höchsten Punkt des Berges kann man den Rundumblick genießen, der Wind weht durch das Haar und die Sonne kitzelt die Nase.   

Beim Canyoning ist das etwas anders: Denn etwas unglücklich aus dem Englischen übersetzt meint es das "als Sport betriebenes Durchwandern, Durchklettern von engen Gebirgsschluchten mit reißenden Flüssen" (lt. Duden). 

Diese Erklärung ist nötig, denn oft werden Gäste auf eine Tour eingeladen und fragen dann an der Station verwundert, wann die Paddel für das Kanufahren ausgegeben werden. Nein, Canyoning ist einfach ausgedrückt das Bewegen gen Tal in einem Gebirgsbach.   

Canyoning kommt ursprünglich aus den französischen Alpen, wo die Talbewohner neugierig ihre Bäche abgewandert sind, um zu sehen wie diese ihren Weg durch die Berge gebahnt haben. Zu Anfang wurden beim Schluchten noch reine Klettertechniken angewendet, die jedoch nach und nach von speziellen Canyoning-Techniken abgelöst worden sind. Auch die Ausrüstung hat sich immer weiter verbessert, sodass professionelle Schluchtengeher auf eine große Auswahl von Material zurückgreifen können. Trotz der stetigen Entwicklung fristet das Canyoning im Schatten vom Wildwasserrafting ein Nischendasein.  

Und wie funktioniert Canyoning genau?  

Canyoning besteht im Prinzip aus den Bewegungsarten Rutschen, Springen, Schwimmen, Abseilen und dem Wandern in der Schlucht. Je nach Schlucht sind diese Anforderungen unterschiedlich aufgeteilt: Wo in vielen Schluchten primär abgeseilt wird, gibt es in der Schweiz und Italien beeindruckende Canyons, in denen fast ausschließlich geschwommen und gesprungen wird. Beim Canyoning im Allgäu gibt es glücklicherweise viele unterschiedliche Canyons, aus denen man wählen kann.  

Einsteigercanyoning im Gunzesried 

Der Gunzesrieder Canyon befindet sich nur 15 Minuten nördlich von Sonthofen im Osterbachtobel und bietet optimale Bedingungen für Einsteiger. Die Tour beginnt  mit einem leichten Abseiler und der nachfolgenden Möglichkeit für Sprünge und Rutschen. Im weiteren sind einige kleine Rutschen und "Hüpfer" zu finden, welche die Schluchtenwanderung etwas "aufpeppen". Das Charmante am Gunzesried ist: Der Wanderweg direkt neben der Schlucht erlaubt jederzeit ein "Umgehen" der Hindernisse, sodass niemand zum Rutschen, Springen oder Abseilen gezwungen wird. Der Gunzesried endet mit einem kleinen Sprung in ein Becken umringt von schönen Nagelfluhfelsen.  

Sportliches Canyoning in der Starzlachklamm


Die Starzlachklamm ist der Klassiker beim Canyoning im Allgäu. Und das zu recht. Denn die "Starze" startet schon mit einem Highlight: Der erste Abseiler führt 12m durch einen engen Felsspalt, während der Wasserfall auf den Helm prasselt. Unten im Pool bietet sich direkt die Möglichkeit für einen ca. 3m Sprung von einem Felsen in das klare Gebirgswasser. Nach einigen Sprüngen und kleineren Rutschen endet die Starzlachklamm spektakulär: Eine Rutsche mit über 18m Länge in ein großes Becken sorgt für einen Adrenalinschub. Nicht selten gibt es für schöne Einlagen auch Szenenapplaus von den anwesenden Wanderern.    

Darf's ein bißchen mehr sein?  

Selbstverständlich: Denn beim Canyoning ist es wie bei jeder Sportart. Man kann sich konstant steigern und immer neue Schluchten entdecken. Bei uns im Allgäu ist besonders der Fugenbach herauszustellen. Denn dieser ist abwechslungsreich, mal sehr offen und mit hellem Fels, später dominiert fast schwarzer Kalk. Und auch Rutschen und Sprünge sind hier zuhauf vertreten, sodass auch erfahrene Canyonauten auf ihre Kosten kommen. Und besonders zu erwähnen sind die ausgewaschenen Felsformationen, die nicht selten an das Tessin, das Mekka des Canyoning, erinnern. In direkter Nachbarschaft findet sich auch die Kobelache, in der man durchaus 5-6 Stunden verbringen kann. Der Abschnitt "Merlin's World" ist durch die riesigen Felswände auf beiden Seiten respekteinflösend und sehr dunkel. Die Kobelache endet mit einem wahren Sahnehäubchen: Die Rutsche endet nach ca. 5 Metern und entläßt den Canyonaut in einen 7m Freifall. Adrenalin ist hier garantiert.    

Worauf ist bei einer Tour zu achten?  

Wichtig bei professionellen Canyoninganbietern ist, dass die Guides geprüfte und autorisierte Schluchtenführer und einem der Bergsportführerverbände zugehörig sind. Weiters ist die Ausrüstung zu prüfen, die selbstverständlich in tadellosem Zustand und von namhaften Herstellern sein sollte. Und letztendlich ist es so: Fühlt sich der Gast gut aufgehoben, ist er beim richtigen Anbieter. Wir beim Canyoning im Allgäu gehen bestmöglichst auf die Bedürfnisse unserer Gäste ein und sorgen dafür, dass es sich für jeden um sicheres und spaßiges Abenteuer handelt.     

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Christian Lemke ist seit fast 10 Jahren Schluchtenführer und hat bereits in Tirol und der Schweiz Touren geführt. Nun hat er das Allgäu für sich entdeckt und erkundet mit Gästen Schluchten wie die Starzlachklamm, den Gunzesried oder die Kobelache.
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